ÖPNV: ADAC sieht Hamburg-Takt vor dem Aus

07.04.2026 10:55 Uhr | Lesezeit: 3 min
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In Hamburg komme der Ausbau des Busnetzes kaum voran, kritisiert der ADAC
© Foto: VHH

Mit dem sogenannten „Hamburg-Takt“ ist ein zentrales Vorhaben der rot-grünen Verkehrspolitik nach Ansicht des ADAC nicht mehr erreichbar – einen Grund sieht der Verkehrsclub auch im Deutschlandticket.

Das von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) angekündigte Ziel, bis 2030 überall in Hamburg ein ÖPNV-Angebot innerhalb von fünf Minuten verfügbar sein soll, werde nach aktuellem Stand klar verfehlt, erklärte der ADAC. „Aus Sicht des ADAC Hansa ist dies nicht nur ein verkehrspolitischer Rückschlag, sondern auch ein erheblicher Vertrauensverlust gegenüber der Bevölkerung.“ In einer Wahlkampfrede vor sieben Jahren hatte Tschentscher gesagt, Ziel des „Hamburg-Takts“ sei, dass die Menschen spätestens im Jahr 2029 nicht länger als fünf Minuten auf Bus, U- oder S-Bahn oder andere Mobilitätsangebote warten müssten. „Wir versprechen, wir planen und wir liefern“, sagte der Bürgermeister in einer Rede acht Wochen vor den Bezirkswahlen im Jahr 2019. Später sprach der Senat von der Umsetzung des Ziels bis 2030.

Ausbau des Busnetzes kommt kaum voran

Die SPD-Bürgerschaftsfraktion betonte allerdings, man halte am Hamburg-Takt fest, Der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Ole Thorben Buschhüter, verwies auf den Ausbau und zahlreiche Verbesserungen des Nahverkehrs in Hamburg. Einen Rückschlag räumte Buschhüter ein: „Klar ist aber auch: Die Corona-Jahre haben den Hamburg-Takt ausgebremst und die Fahrgastzahlen brachen ein.“ Der ADAC erklärte hingegen, der Ausbau des Busnetzes komme kaum voran. Von 52 geplanten Maßnahmen seien bislang nur drei umgesetzt, bereitgestellte Mittel teilweise nicht abgerufen worden.

Deutschlandticket bindet erhebliche Ressourcen

Zugleich binde das Deutschlandticket erhebliche finanzielle Ressourcen, die beim Ausbau der Infrastruktur fehlten. „Ein attraktiver ÖPNV braucht nicht nur günstige Tickets, sondern vor allem ein leistungsfähiges Angebot. Beides gegeneinander auszuspielen, ist der falsche Weg“, erklärte der stellvertretende Sprecher des ADAC Hansa, Menno Gebhardt. Ein weiterer Pfeiler des Hamburg-Takts – der Einsatz einer Vielzahl autonomer Shuttlefahrzeuge – erweise sich als deutlich überoptimistisch. Statt der ursprünglich angekündigten 10.000 Fahrzeuge durch Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) sei inzwischen nur noch von wenigen Hundert die Rede. Nach Ansicht des ADAC zeigt sich hier exemplarisch ein strukturelles Problem moderner Verkehrspolitik. „Technologische Hoffnungen ersetzen keine belastbare Planung.“

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