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Kommentar zur Umfrage: Welches Diktat hätten's denn gern?

"Fragen Sie nicht, was Ihre Regierung für Sie tun kann - fragen Sie, was Sie für Ihre Regierung tun können!"
© Foto: iStock/MicroStockHub

Wirft eine neue Planwirtschaft ihre Schatten - oder nein: ihre Scheinwerfer - voraus? Ein Schelm, wer dergleichen aus den Fragen einer aktuellen Erhebung des "Kompetenzzentrums für Tourismus des Bundes" ableitet.


Datum:
25.07.2022
Autor:
Judith Böhnke
Lesezeit: 
4 min
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Tourismus-Beteiligte sollen helfen, herauszufinden, wo es "Engpässe" gibt, welche Maßnahmen sie zur Arbeitskräftesicherung erfolgreich und vielversprechend finden und wie die "Wertschätzung" gesteigert werden könne (welche Wertschätzung und gegenüber wem???). Der Witz daran: Die Probleme sind im Online-Fragebogen vordefiniert - die Teilnehmer brauchen weit überwiegend nur noch das Ausmaß ihrer Zustimmung anzuklicken. Politik macht man aber eben auch mit Suggestion und Meinungen ... .

Wer sich die attraktiven "10 Minuten" zur Beantwortung nimmt, sieht sich u.a. folgendem gegenüber:

  • "der Fachkräftemangel ist eine kritische Herausforderung für den Tourismus" bzw. ein "strukturelles Thema"
  • "es mangelt an Personal"
  • "die Mitarbeiterbindung und -gewinnung wird ein kritischer Wettbewerbsfaktor"
  • "wir gehen davon aus, dass die Beschäftigtenzahl" "steigen", "gleichbleiben" oder "sinken" wird

Das Highlight findet sich in einem ganzen Block von "Hand-aufs-Herz" Fragen:

  • "In unserem Betrieb tun wir viel dafür, Mitarbeitende an unsere Organisation zu binden."
  • "Unsere Arbeitsplätze sind zeitgemäß ausgestattet."
  • "Die Arbeitsbedingungen sind angemessen."
  • "Die Auslastung der Mitarbeitenden ist angemessen."
  • "Die Entlohnung ist leistungsgerecht."
  • "Wir bieten eine positive Fehlerkultur."

Nachhaltiger kann man kaum feststellen lassen, dass in den Unternehmen doch alles in Ordnung ist - oder sähe sich irgendwer geneigt, das Kästchen "trifft gar nicht zu" anzuklicken?

Interessant auch die offenen Fragen, die ausgefüllt werden dürfen. Darunter: 

"Bitte vervollständigen Sie den Satz: Dem Arbeits-/Fachkräftemangel in der Tourismuswirtschaft kann nur begegnet werden durch ... ." Da fallen einem direkt jede Menge Maßnahmen ein, die man von der Politik fordern könnte - "damit sie für die Unternehmen sorgt". Blöd ist nur, dass das nicht Aufgabe der Politik sein sollte. Politik ist nicht Wirtschaft und Wirtschaftspolitik hat in Regierungen nichts zu suchen. Da kommen am Ende nur solch zweifelhafte Dinge wie "Sanktionen" heraus - und das auch nur, um das Wort "Erpressung" zu vermeiden. „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.“ Das Zitat wird John F. Kennedy zugeschrieben und könnte von bösen Zungen leicht in ein "frage nicht, was deine Regierung für dich tun kann - frage, was du für deine Regierung tun kannst" umgedichtet werden. Da bietet sich fast an, "noch mehr Steuern zahlen" zu sagen - dauerhaft und gerne auf Spritpreise, CO2-Gedöns und nicht-traditionelle Energieträger. Aber lassen wir das an dieser Stelle außen vor.

Viel interessanter zeigt sich der Klick-Block "Welche personalpolitischen Maßnahmen setzt Ihre Organisation um?" 

  • interne Aufstiegsmöglichkeiten?
  • Gesundheitsangebote oder Maßnahmen zur Gesundheitsförderung (was ist da eigentlich der Unterschied)?
  • interne Aufstiegsmöglichkeiten?
  • Erfolgsbeteiligung?
  • Berücksichtigung von Dienstplanwünschen?
  • attraktive Zusatzleistungen?
  • ...

Das fragt das "Kompetenzzentrum" ausgerechnet in einer Zeit, in der gerade Toruismus-Unternehmen auf dem letzten Loch pfeifen und so ziemlich jeder (noch) in Lohn und Brot stehende Arbeitnehmer froh ist, überhaupt noch (s)einen Job zu haben ... Herr, wie lange. Den Knaller spart der Fragebogen denn auch bis zu seinem unvermeidbaren Ende auf, wo man auswählen (!) darf: "Welche nationalen" (!) Maßnahmen man "im Umgangang mit dem Arbeitskräfte-/Fachkräftemangel" für geeigent hält.

  • die Image-Kampagne "Arbeiten im Tourismus"
  • die Überarbeitung der Ausbildungsberufe
  • die Sicherstellung der Studiengänge an Universitäten und Hochschulen
  • die Kommunikation von Best Practises und Pilotprojekten
  • neue Programme zum Quereinstieg im Tourismus
  • Vereinfachung der Einstellung von Migrantinnen und Migranten
  • Anerkennung von im Ausland erbrachten Qualifikationen
  • personalwirtschaftliche Beratung von Unternehmen

Danach kann man das Online-Formular nur noch absenden. Eigene Ideen und Vorschläge performen nicht. Wahrscheinlich, weil sich damit nicht genug "für die Politik" tun lässt ... . Demokratie ist, den Wähler dazu zu bringen, das zu wählen, was er wollen soll. Am Ende hat er's immer so gewollt. 

Wer dennoch attraktive 10 Minuten seiner wertvollen Lebenszeit übrig und dazu Interesse am Ausfüllen einer digitalen Überflüssigkeit hat, findet den Fragebogen des "Kompetenzzentrum für Tourismus des Bundes" unter https://kompetenzzentrum-tourismus.de/wissen/online-panel/arbeits-fachkraeftemangel-11/

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