Vorsitzender Karl Reinhard Wissmüller forderte zum Start der Wintertagung des LHO am 29. Januar künftig für faire Rahmenbedingungen bei der in Hessen praktizierten Ausschreibungspraxis von Nahverkehrsleistungen und für Chancengleichheit von mittelständischen Unternehmen bei der Kreditvergabe zu sorgen.
„Private inhabergeführte Busunternehmer gehören in Hessen zu den Verlierern des Ausschreibungswettbewerbs“, machte Wissmüller vor knapp 100 Verkehrsexperten und Busunternehmern deutlich. Dies bestätigt auch ein Ende des Jahres vorgelegtes Gutachten (BSL Management Consultants GmbH & Co. KG). Die in Hessen vorgegebenen „Wettbewerbsbedingungen … haben dazu geführt, dass sich viele kleinere private Unternehmen bei den Ausschreibungen nicht behaupten konnten und sich in der Folge aus dem Geschäft zurückgezogen haben“. Der Marktanteil privater mittelständischer Omnibusunternehmer hat sich erheblich verringert und geht weiter zurück. Auftraggeber des Gutachtens waren: das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (Gießen) und der Rhein-Main-Verkehrsverbund.
Der praktizierte Ausschreibungswettbewerb konnte nach Einschätzung der Gutachter in der Regel nur für große Unternehmen und Kooperationen erfolgreich sein. „Konzerngebundene Unternehmen haben sich im Zuge des Leistungswettbewerbs durch Ausschreibungsgewinne und Zukäufe einen steigenden Anteil am Busmarkt in Hessen gesichert.“ Die Gutachter erwarten weitere „Marktaustritte von bisher erfolgreichen Mittelständlern“.
Das finanzielle Risiko für kleinere Unternehmen ist derzeit enorm. Nicht nur weil die im Wettbewerb zu erzielenden Preise im Durchschnitt lediglich eine geringe Rendite aufweisen – mit Existenz bedrohenden Auswirkungen. Wer Ausschreibungen gewinnen möchte, muss kontinuierlich in moderne und umweltfreundliche Bustechnik investieren. Die derzeitige Kreditpolitik von Sparkassen und Banken lässt privaten Busunternehmen in Hessen jedoch kaum mehr Chancen, sich im Wettbewerb mit den zunehmend in den Markt drängenden „Global Playern“ oder den kommunalen Verkehrsbetrieben zu behaupten. „Es gibt enorme Defizite bei der Finanzierung“, so Wissmüller.
Die kleinen Familienunternehmen müssten durchweg mit schlechteren Kreditkonditionen auskommen, als die multinationalen Konzerne und die durch kommunale Bürgschaften unterstützten städtischen Verkehrsbetriebe. Bei so viel Ungleichheit könne nicht von fairen Voraussetzungen im Wettbewerb gesprochen werden.
Deshalb fordern die hessischen Omnibusunternehmer von der Landesregierung Transparenz im Ausschreibungswettbewerb, Chancengleichheit und die gezielte Unterstützung mittelständischer Busunternehmer bei der Finanzierung des rollenden Materials und der Infrastruktur. Außerdem fordern sie die Einführung einer verbindlichen Subunternehmerquote bei größeren Linienbündeln.