Branchenumfrage: VDV fordert bessere Bedingungen für touristischen ÖPNV

02.11.2026 11:20 Uhr | Lesezeit: 2 min
Branchenumfrage: VDV fordert bessere Bedingungen für touristischen ÖPNV
Ein gutes Angebot und eine passende Taktung können dazu beitragen, dass Reisegäste in Urlaubsregionen auch im ländlichen Raum häufiger den ÖPNV statt des eigenen Autos nutzen - wie hier im Nationalpark Berchtesgadener Land
©Foto: picture alliance/Sueddeutsche Zeitung Photo/RoHa-Fotothek Fürmann

Eine VDV-Umfrage zeigt Hürden für Bus und Bahn am Urlaubsort: Neben dem Auto als stärkstem Wettbewerber nennen Verkehrsunternehmen Angebotslücken, mangelnde Information und Finanzierungsprobleme. Der Verband fordert verlässlichere Strukturen.

Der touristische öffentliche Nahverkehr im ländlichen Raum braucht aus Sicht des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) verlässlichere politische und finanzielle Rahmenbedingungen. Das fordert der Verband in einem neuen Positionspapier. Grundlage sind unter anderem die Ergebnisse einer Branchenumfrage 2026.

Dabei zeigt sich vor allem die Konkurrenz durch den Individualverkehr: 67 Prozent der befragten Verkehrsunternehmen bezeichnen die Bequemlichkeit des Autos als größtes Hemmnis für die Nutzung von Bus und Bahn am Urlaubsort. 52 Prozent nennen ein unzureichendes Angebot beziehungsweise eine unzureichende Taktung, 45 Prozent fehlende Information und Orientierung.

Touristische Fahrgäste machen in einigen Verkehrsgebieten einen erheblichen Teil der Nachfrage aus. 43 Prozent der befragten Unternehmen beziffern deren Anteil am Fahrgastaufkommen auf fünf bis 15 Prozent. Bei weiteren 15 Prozent liegt er zwischen 15 und 30 Prozent. 13 Prozent geben einen touristischen Anteil von mehr als 30 Prozent an.

Kooperation mit Touristikern wichtig

Bei den Maßnahmen zur Verbesserung des touristischen ÖPNV bewerten die befragten Unternehmen stärkeres Marketing und Kooperationen mit touristischen Akteuren am höchsten. Erst danach folgen laut VDV der Ausbau des Verkehrsangebots sowie eine stärkere Anbindung konkreter touristischer Ziele. Nach Ansicht des Verbandes kommt es deshalb nicht allein auf zusätzliche Fahrten an, sondern auch auf die Verknüpfung von Verkehrsangebot, Information und touristischen Angeboten entlang der Reisekette.

Ein Problem bleibt die Finanzierung. 45 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass in ihrem Gebiet keine Tourismusmittel in den ÖPNV fließen. Weitere zwölf Prozent können nicht beziffern, in welchem Umfang solche Mittel zur Verfügung stehen.

Auch bei der Erfolgskontrolle sieht der VDV Nachholbedarf. 27 Prozent der Unternehmen können nach eigenen Angaben die Wirkung gezielter Maßnahmen für den touristischen ÖPNV nicht beurteilen. Der Verband spricht sich deshalb unter anderem für Kennzahlen zur Nutzung von Gästekarten, Auslastung, Saisonalität und Nachfrageentwicklung aus.

„Die Branche weiß sehr genau, was wirkt: gute Angebote, einfache Zugänge und verlässliche Finanzierung. Was fehlt, sind klare Zuständigkeiten und dauerhafte Strukturen“, sagt VDV-Vizepräsident Paul Hemkentokrax.

VDV sieht mehrere Akteure in der Pflicht

Der VDV fordert, touristische Mobilität als gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern, Kommunen, Aufgabenträgern und Tourismuswirtschaft zu behandeln. Der Bund soll nach Vorstellung des Verbandes verlässliche Rahmenbedingungen und Finanzierungsmöglichkeiten schaffen. Länder und Aufgabenträger sollen unter anderem Angebotsqualität und Anschlüsse absichern. Auf kommunaler Ebene nennt der Verband beispielsweise Gästekarten, Kurbeiträge, Parkraumbewirtschaftung und Besucherlenkung als mögliche Instrumente.

Das Positionspapier zum touristischen ÖPNV im ländlichen Raum stellt der VDV auf seiner Internetseite zur Verfügung.

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