Zweiter Aktionstag in Berlin

© Foto: RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V.

Für die deutschen Busreiseveranstalter bringt das Konjunkturpaket der Bundesregierung keine Rettung. Aus diesem Grund demonstriert die Branche zum zweiten Mal für notwendige Nachbesserungen und die Zukunft klimafreundlicher Mobilität.


Datum:
16.06.2020
Autor:
Theresa Siedler
Lesezeit: 
5 min

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Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich die Lage für das Busgewerbe derart zugespitzt, dass die Branchenverbände bdo, gbk und RDA ihre Mitglieder innerhalb kurzer Zeit bereits zu einem zweiten Aktionstag rufen müssen. Dieser soll morgen, 17. Juni 2020, in Berlin stattfinden.

Auf die Hilferufe von Unternehmern, die für die Verbindung touristischer Wertschöpfungsketten und den Wiederaufbau eines europaweiten Reiseverkehrs nach der Corona-Krise unverzichtbar sind, hat die Politik bisher nicht angemessen reagiert, schreiben die Verbände in einer Pressemitteilung.

Vorsitzende äußern sich zur Lage der Busbranche

Zum drohenden Aus für hunderte Traditionsbetriebe in der Bustouristik und die Versäumnisse der bisherigen Rettungspolitik sagt Karl Hülsmann, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (bdo): „Das aktuelle Konjunkturpaket ist für die Busbranche eine große Enttäuschung: Statt der notwendigen Soforthilfe in Höhe von mindestens 170 Millionen Euro für das fast drei Monate währende Komplettverbot aller Reisebusfahrten, will man die Betroffenen mit Überbrückungshilfen abspeisen, die viel zu kurz und viel zu niedrig angesetzt wurden. Die Reisebusunternehmen sind schwerer und länger betroffen als fast alle anderen Wirtschaftszweige. Sie müssen jetzt endlich gerettet werden. Dabei geht es auch um die fast 240.000 Arbeitsplätze, die direkt und indirekt vom Bustourismus abhängen.“

Dass die Reisebeschränkungen in Europa nach und nach gelockert werden, kann die drohende Pleitewelle in der Bustouristik auch nicht abwenden. Zumal der Flickenteppich an Terminen und Auflagen den zeitnahen Start und die betriebswirtschaftlich sinnvolle Kalkulation von Busreisen verhindert. Mit der Aufweichung der Insolvenzregeln wird nach Auffassung von Benedikt Esser nur die Statistik geschönt. „Für die Busunternehmer, die mit KfW-Krediten in die unverschuldete Überschuldung getrieben werden, ist es schon fünf nach zwölf“, stellt Benedikt Esser, Präsident des RDA Internationaler Bustouristik Verband, fest. Die Versäumnisse der Politik muss nach seiner Auffassung nicht nur der Mittelstand ausbaden. Denn mit dem Verschwinden traditioneller Familienbetriebe, von denen viele auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken können, geht auch eine historisch gewachsene Reisekultur zugrunde. „Und das werden vor allem die ländlichen Regionen schmerzhaft zu spüren bekommen“, fürchtet Esser.

Hermann Meyering kritisiert die Ungleichbehandlung der Verkehrsmittel, die den Reisebus beim Neustart nach der Corona-Krise benachteiligt. „Während Bahn und Flieger ihre Beförderungskapazitäten voll auslasten dürfen, werden die Betreiber von Reisebussen immer noch mit kleinlichen Abstandsregeln gegängelt“, ärgert sich der Vorsitzende der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk). „Diese Ungerechtigkeit gipfelt darin, dass die Deutsche Bahn und die Lufthansa mit milliardenschweren Hilfsprogrammen gesponsert werden. Dagegen muss die Bustouristik darum betteln, ihre Vorhaltekosten und die Fixkosten für abgesagte Busreisen erstattet zu bekommen.“ Damit verspielt die Regierung laut Meyering auch die Chance, mit dem klimafreundlichen Reisebus nachhaltige Mobilität nach vorne zu bringen.

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