„Eine verlässliche und flächendeckende Ladeinfrastruktur im NVV-Gebiet ist Grundvoraussetzung für die Antriebswende im Linienbusverkehr“, betonte Marian Volmer, Geschäftsführer des Nordhessischen VerkehrsVerbunds (NVV) bei einer zweitägigen Veranstaltung in Rotenburg an der Fulda zum Thema alternative Antriebe. Der Workshop fand Ende Oktober statt. Daran nahmen Vertreterinnen und Vertreter von 13 Busverkehrsunternehmen teil. Darüber hinaus waren Beratungsunternehmen, Energieversorger, Infrastrukturanbieter und lokale Nahverkehrsorganisationen an dem Workshop beteiligt.
Man prüfe, „welche Möglichkeiten es für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrobusse in der Region gibt. Dazu befinden wir uns im engen Austausch mit Institutionen und Unternehmen aus der Region und über die Region hinaus. Die finale Umsetzung steht und fällt mit der finanziellen Förderung durch den Bund“, sagte Marian Volmer weiter.
Voraussetzungen für die Umstellung auf alternative Antriebe
Aktuell sind 97 Prozent der Linienbusse im NVV-Gebiet mit Dieselantrieb unterwegs – Elektrobusse kommen bislang nur in den Stadtverkehren in Kassel (Kasseler Verkehrs-Gesellschaft) sowie in Eschwege und Melsungen (Frölich-Linie) zum Einsatz.
In den kommenden Jahren soll der Anteil an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben im NVV-Gebiet jedoch steigen. Welche Voraussetzungen hierfür geschaffen werden müssen, welche Chancen die Antriebswende bietet und welche Herausforderungen dabei zu bewältigen sind, darum ging es bei der vom NVV ausgerichteten Workshopveranstaltung. Denn die Rahmenbedingungen für den Linienbusverkehr werden sich durch den vermehrten Einsatz alternativer Antriebstechnologien verändern – dies betrifft Fahrzeugbeschaffung, Energieversorgung, Betriebshöfe, Werkstätten, Personalqualifikation, Betriebsplanung, Finanzierung und Vergabe.
Mittelständler sollen weiterhin zum Zug kommen
Langfristiges Ziel des NVV sei es, dass auch „unter diesen veränderten Bedingungen kleine und mittelständische Verkehrsunternehmen weiterhin im Wettbewerb in der Region bestehen§ können. „Um eine Anbietervielfalt im Markt zu erhalten, ist es notwendig, die Antriebstransformation gemeinsam mit den Unternehmen zu gestalten. Wir sind deshalb froh, in diesem Workshop die Stimme der Unternehmen mit einbringen zu können“, sagte Volker Tuchan als Geschäftsführer des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmen (LHO).
Laut Tuchan tragen solche Formate tragen dazu bei, „sich rechtzeitig mit den Aufgaben und Herausforderungen auseinanderzusetzen und faire Lösungen für den Wettbewerb zu finden.” Konstantin Frölich, einer der Geschäftsführer des Busunternehmens Frölich-Linie, fügte hinzu: „Die Antriebstransformation macht uns zu einer sehr innovativen Branche, die an Attraktivität gewinnen wird.”
Betriebskosten von Diesel- und Elektroantrieb nähern sich an
Die Veranstaltung sei einer von mehreren Bausteinen, mit denen man die Antriebswende im Linienbusverkehr begleite, so der Verkehrsverbund. Fabien Laurent vom Beratungshaus KCW, der den Workshop mitgestaltete, sagte: „Es werden spannende Zeiten. Wir sehen heute schon, dass die Gesamtbetriebskosten von Diesel- und Elektroantrieben sich annähern. Die Entwicklung bei Fahrzeug- und Energiepreisen soll die Attraktivität elektrischer Antriebe gegenüber Dieselantrieben in den kommenden Jahren weiter steigern.”
Umfassende Tests mit alternativen Antriebsformen
In den vergangenen Monaten hat der NVV begonnen, in Zusammenarbeit mit Busunternehmen und Fahrzeugherstellern den Einsatz alternativer Antriebsformen im Linienbusbetrieb zu testen. Bei den ersten Tests hätten sich die beteiligten Verkehrsunternehmen überrascht über die große Reichweite der Elektrobusse gezeigt – trotz der bergigen Topografie in Nordhessen, so der NVV. Auch die Rückmeldungen der Fahrer seien insgesamt positiv ausgefallen.