Studie: Mobilität ohne fossile Kraftstoffe

31.03.2026 15:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
reFuels Rahmenbedingungen gefordert
Synthetische Kraftstoffe werden am KIT bereits hergestellt und getestet, mit erprobten Verfahren ließen sich große Mengen Kraftstoff erzeugen
© Foto: Markus Breig und Amadeus Bramsiepe, KIT

Europa könnte laut einer Studie seinen gesamten Kraftstoffbedarf für den Straßenverkehr bis zum Jahr 2040 aus erneuerbaren Quellen decken – bis 2030 bereits mehr als zur Hälfte.

Dies geht aus einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hervor, die das KIT im Auftrag von BMW erstellt hat. Laut der Studie verfügt die Europäische Union über ausreichend Rest- und Abfallstoffe, um den gesamten Straßenverkehr mit klimaneutralen flüssigen Energieträgern zu versorgen. „Europa verfügt langfristig über ausreichend nachhaltige Ressourcen, um ohne fossiles Öl mobil zu sein“, erklärte Professor Thomas Hirth, Vizepräsident Transfer und Internationales des KIT. „Angesichts der aktuellen Unsicherheiten auf den internationalen Energiemärkten ist das eine gute Nachricht. Wenn wir Rest- und Abfallstoffe effizient nutzen, können wir den Straßenverkehr unabhängiger von Energieimporten machen.“

KIT-Studie sieht eine stabile Rohstoffbasis

Für die Studie wurde untersucht, welche Mengen biogener Rohstoffe – also pflanzliche Reststoffe, Holzreste oder Bioabfälle – in Europa vorhanden sind, wie sie sich technisch zu erneuerbaren Kraftstoffen umwandeln lassen und welchen Kraftstoffbedarf der Straßenverkehr künftig haben wird. Die Studie zeigt, dass besonders große Mengen an Rest- und Abfallstoffen genutzt werden können – zum Beispiel Stroh aus der Landwirtschaft, Holzreste aus der Forstwirtschaft oder biogene Abfälle. Hinzu kommen Zwischenfrüchte, also Pflanzen, die zwischen zwei Ernten angebaut werden, sowie Energiepflanzen, die auf wenig ertragreichen Böden wachsen und nicht mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren. Diese Vielfalt sorge dafür, dass die Rohstoffbasis stabil bleibt und nicht von einem einzelnen Stoff abhängt.


"Viele glauben, dass Alt-Speiseöl die zentrale Quelle für erneuerbare Kraftstoffe ist. Tatsächlich macht es nur etwa ein Prozent des Rohstoffportfolios aus."

Professor Thomas Koch vom Institut für Kolbenmaschinen


Potenziale bei Pflanzenresten und Holzfasern

„Viele glauben, dass Alt-Speiseöl die zentrale Quelle für erneuerbare Kraftstoffe ist. Tatsächlich macht es nur etwa ein Prozent des Rohstoffportfolios aus“, erklärte Professor Thomas Koch vom Institut für Kolbenmaschinen (IFKM) des KIT, der die Studie geleitet hat. „Die wirklich großen Potenziale liegen beispielsweise in Pflanzenresten und Holzfasern. Diese Stoffe fallen ohnehin an – und können ausreichend klimafreundliche Kraftstoffe liefern. Das kann aber nur gelingen, wenn der Herstellung von fortschrittlichen reFuels-Biokraftstoffen von Politik und Gesellschaft die notwendige Priorität eingeräumt wird.“

Hochwertige Kraftstoffe aus unterschiedlichen Reststoffen

Untersucht wurden auch mehrere technische Wege, um aus Biomasse nutzbare Kraftstoffe herzustellen. Dazu zählt laut dem KIT das HVO-Verfahren, bei dem ölhaltige Reststoffe zu Dieselersatz hydriert werden, sowie methanolbasierte Verfahren. Bei diesen entsteht aus Pflanzenresten als Zwischenprodukt zunächst ein Gas, das anschließend zu Benzin- oder Dieselersatz weiterverarbeitet wird. „Mit diesen Verfahren können wir aus sehr unterschiedlichen Reststoffen hochwertige Kraftstoffe herstellen“, erklärte Professor Nicolaus Dahmen vom Institut für Katalyseforschung und -entwicklung des KIT. „Das ist wichtig, weil Europa über eine breite Palette an Biomassen verfügt. Die Technologien funktionieren auch dann, wenn der Rohstoffmix sich ändert.“

Flüssige Kraftstoffe trotz Elektrifizierung

Während es HVO bereits heute an der Zapfsäule gibt, sind Kraftstoffe aus anderen Verfahren noch in der Entwicklung. Sie würden am KIT bereits hergestellt und getestet und mit den erprobten Verfahren ließen sich auch große Mengen Kraftstoff erzeugen, so das KIT. Denn auch wenn Europa sehr ambitioniert elektrifiziere, bleibe ein großer Bedarf an flüssigen Kraftstoffen bestehen, erklärte Olaf Toedter vom IFKM und betonte: „Viele Fahrzeuge bleiben noch lange im Einsatz. Für diese Bestandsflotte bieten erneuerbare Kraftstoffe eine direkte Möglichkeit, CO2-Emissionen zu vermeiden.“

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#alternative Kraftstoffe

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