Kärntens Naturarena: Entschleunigen im Wanderschritt

27.08.2012 15:59 Uhr
Wandern Naturarena
© Foto: nassfeld.at

In Kärntens Naturarena, im Schnittpunkt von Italien und Slowenien, finden Wanderer auf mehrtägigen Touren ihren Rhythmus – etwa auf dem Karnischen oder dem Gailtaler Höhenweg.

Mit einem Fuß in Italien, dem anderen in Österreich geht es auf dem Karnischen Höhenweg über 150 Kilometer Schritt für Schritt quer durch Kärntens Naturarena. Die Traumroute, die auf dem Kamm der Karnischen Alpen verläuft und damit dem italienisch-österreichischen Grenzverlauf folgt, führt von Sillian in Osttirol über den Plöckenpass und das Nassfeld bis nach Arnoldstein. Insgesamt sind für die gesamte Strecke acht bis elf Tagesetappen zu veranschlagen. Wanderer, die die Tour verkürzen wollen, wählen beliebig aus vielen „Zubringersteigen“ aus dem Gailtal und Lesachtal. Elf Hütten säumen den Weg und bieten den Wanderern Kost und Logis.

Unterwegs öffnet sich der Blick auf die Dreitausender der Hohen Tauern und die imposanten Gipfel der Dolomiten. Immer wieder begegnen die Bergfreunde stillen Bergseen wie dem Wolayer- oder dem Zollnersee, reizvoll eingebettet in das hochalpine Gelände. Wer sich für Erdgeschichte interessiert, klinkt sich etwa am Wolayersee in den gleichnamigen Geotrail ein, eine der spannendsten Routen im Geopark Karnische Alpen. Da schreiten Besucher durch eine versteinerte Meereswelt, die vor Millionen von Jahren ihre Spuren in Form von Korallen, Seelilien, urzeitlichen Tintenfischen und Krebsen im teilweise farbenprächtigen Gestein deutlich sichtbar hinterlassen hat. Die an Fossilien reiche Gesteinswelt können Wanderer auch am Nassfeld beobachten, über das der Karnische Höhenweg führt. Hier werfen sie zum Beispiel einen Blick auf Gesteinsschichten mit versteinerten Armfüßlern, auf die fossilen Reste von Farnblättern und andere Zeugen vergangenen Lebens. Im Bereich des Plöckenpasses erinnern den Wanderer Relikte aus dem Ersten Weltkrieg wie verrosteter Stacheldraht, Bunker, Stellungen oder ein Soldatenfriedhof an die einst erbitterten Kämpfe zwischen Österreichern und Italienern in dieser Region. Als Zeichen der heutigen Verbundenheit der beiden Länder heißt der Karnische Höhenweg auch „Friedensweg“ beziehungsweise „Via della Pace“.

Auf der nördlichen Seite des Gailtals findet sich das sanftere Gegenstück zum Karnischen Höhenweg: der Gailtaler Höhenweg, der immer wieder den Blick auf die dramatische Kulisse der Karnischen Alpen und der Dolomiten freigibt. Auf der Tour erfreuen zum Beispiel die Orchideen- und Lilienwiesen des Mussenstocks bei Kötschach-Mauthen das Auge. Der „Blumenberg“ ist Heimat von über 500 Pflanzenarten, darunter auch botanische Raritäten wie die Paradies- und die Trichterlilie. Von Maria Luggau im Lesachtal aus lässt sich eine fünf- oder siebentägige Trekkingtour mit einem Bergführer über den Gailtaler Höhenweg buchen. Während die Gäste von Naturschönheit zu Naturschönheit spazieren, wird ihr Gepäck zur nächsten Unterkunft transportiert.

Wer meditatives Gehen mit spirituellen Aspekten kombinieren möchte, begibt sich auf den Marienpilgerweg, der im Lavanttal in Kärnten seinen Ausgang nimmt und durch das Gail- und Lesachtal führt. Die 266 Kilometer lange Route verbindet die schönsten Marienkirchen Kärntens und endet bei der Wallfahrtskirche Maria Schnee mit angrenzendem Servitenkloster in Maria Luggau im Lesachtal. Der Protestantenverfolgung im 16. Jahrhundert gedenken Wanderer, die auf dem „Weg des Buches“ über den Weissensee, Weißbriach und Hermagor nach Slowenien unterwegs sind. Auf diesen Pfaden schmuggelten einst die Protestanten die Lutherbibel auch in entlegene Bergtäler. Mehr Informationen unter http://www.naturarena.com. (ah)

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