Im Weingut Welzin auf Usedom reifen gerade die Trauben für den dritten Jahrgang des Naturweins „Kühn&Hell“, die Ernte soll in der ersten Septemberwoche beginnen. Christoph Kühne-Hellmessen, Kellermeister und Inhaber des Weinguts, sagt: „Das Wasser des nahen Stettiner Haffs wirkt im Frühjahr wie ein Kühlschrank, die Vegetation kommt nicht so schnell in Schwung wie in südlicheren Regionen“. Die Kühle mindere die Gefahr von Spätfrösten. Diese kommen beispielsweise in Süddeutschland immer wieder vor, wenn die Vegetation bei Wärme im Februar/März zu früh anspringt und dann Nachfröste auftreten. Kühne-Hellmessen ist vor rund 30 Jahren mit seiner Familie aus Bayern auf die Insel gezogen. Auch die weiteren Rahmenbedingungen sorgen für beste Voraussetzungen. Usedom gilt als eine der sonnenreichsten Regionen Deutschlands. „Es ist der Mix aus dem ausgeglichenen Klima, den kühlen Nächten und späten warmen Tagen, die ideal sind für unseren Wein.“ Auch der Boden sei exzellent. „Unsere ein Hektar große Anbaufläche, ein moderater Südhang, beginnt an einer Endmoräne“, sagt der gebürtige Münchner.
Weine aus Mecklenburg-Vorpommern
2021 holte sich der bayerische Ökolandwirt als Grundstock für das Weingut Welzin Stecklinge von sieben Rebsorten aus Rheinland-Pfalz: Sauvignac, Muscaris, Solaris, Rinot, Ravel blanc, Soreli und Fleurtai. „Wir machen alles mit der Hand und verzichten auf jegliche Art der künstlichen Verschönerung des Weins“, sagt der Winzer. Der Wein ist am Hof in der Vinothek zu haben und wird im ausgewählten Weinhandel und einigen Hotels auf der Insel verkauft. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Weinbau kaum verbreitet. Seit 2002 ist Schloss Rattey als „offizielles Landweingebiet“ anerkannt. Es umfasst den Angaben zufolge rund 35 Hektar mit etwa 175.000 Rebstöcken. Daneben gibt es unter anderem in Dorf Mecklenburg bei Wismar den Weinberg Dähn, wo auf 0,5 Hektar rund 2000 Rebstöcke stehen, oder Hohmann Weinanbau Rügen in Lancken-Granitz mit 4100 Rebstöcken auf rund einem Hektar.
Das kleinste Weinanbaugebiet Bayerns
Die zweite Weinregion ist Ostbayern, in der Regel eher für sein Bier weltbekannt. Doch zwischen der Donau und bis an den Alpenrand, an Isar und Inn und abwärts bis nach Passau wächst bis heute auch Wein. Es gibt viele Belege dafür, dass bereits die Römer vor 2000 Jahren den Wein nach Ostbayern brachten und an den sonnenverwöhnten Hängen des heutigen Altbayerns Weinreben anpflanzten. Vor den Toren Regensburgs liegt das kleinste Weinanbaugebiet Bayerns. Zwischen Regensburg und Wörth an der Donau wird auf insgesamt vier Hektar Land der Regensburger Landwein erzeugt. Man kann ihn ganzjährig als Flaschenwein direkt vom Winzer kaufen oder in den Straußenwirtschaften und Weinstuben verkosten – solange der Vorrat reicht.
Weinmuseum und Weinlehrpfad
In Bach an der Donau gibt es außerdem das Baierwein-Museum. Das kleine Spezialmuseum im historischen Biethaus (Presshaus) aus dem 14. Jahrhundert dokumentiert den Weinbau in Altbayern von der Römerzeit bis heute. Zentraler Bestandteil ist die Baumpresse aus dem Jahre 1615, die zu den ältesten Weinpressen Deutschlands zählt. Ganz neu und aktuell ist der neu konzipierte Ausstellungsraum – modern und multimedial gestaltet. Hier werden verschiedene Exponate wie unter anderem der rund 2000 Jahre alte Bacchus aus Bronze, ausgestellt. Ein Weinlehrpfad führt zu den wichtigsten Weiß- und Rotweinsorten der Region.