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MAN Lion's Coach Supreme: Alte Liebe rastet nicht

© Foto: Sascha Böhnke

Ein überzeugendes Konzept findet mit neuer Technik und einer gemeinsamen Plattform seine Fortsetzung. Der Lion’s Star hat seinen Kundenkreis gefunden, lange suchte MAN nach Wegen, um sein Luxusprodukt auch weiterhin zu vertretbaren Produktionskosten anbieten zu können. Nun hat man einen gefunden.


Datum:
29.03.2007
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Der Lion's Star ist tot – es lebe der Lion's Star! Zumindest im Ansatz stimmt diese Aussage, denn MAN hat sein bisheriges Flaggschiff zwar tatsächlich aufs Abstellgleis geschickt, doch gleichzeitig den erfolgreichen Lion's Coach um eine Edel-Variante aufgestockt, der unter dem Namen Lion's Coach Supreme recht nah an den nun verblichenen Luxus-Boliden aus türkisch/deutscher Produktion heranreicht. Auf der IAA im Herbst 2006 wurde er angekündigt, nun ist er da und die OMNIBUSREVUE hat ihn gefahren. Rein äußerlich ist er ein Star. Sogar die geschlossenen Radkästen an der Hinterachse sind vorhanden. Genauso, wie der angedeutete Kühlergrill. Auch die Alu-Schwinge an der B-Säule fehlt nicht. Und natürlich kann sich das Herz an den niedlichen Abdeckungen der Scheibenwischer erfreuen. Ganz wie in alten Zeiten, die so antik aber gar nicht sind, schließlich hatte der Lion's Star gerade mal einige Jährchen auf dem Buckel. Weshalb also nun ein „getunter“ Coach? Um es kurz zu machen: Es sind die Kosten gewesen. Den Lion's Star zu produzieren, war einfach zu aufwändig, denn er hatte nicht genügend Gleichteile mit dem wesentlich erfolgreicheren kleinen Bruder, und dabei nicht ausreichend Stückzahlen. Ob andere Klimaanlage oder eine unterschiedliche Bodengruppe – man erinnere sich, beim Lion's Star war der Motor in einem Cradle gelagert, das war zwar schick und praktisch beim Motortausch, letzteres ist aber sicherlich nicht allzu häufig der Fall gewesen – zu viel Eigenständigkeit kann wirtschaftlich tödlich sein. Heute produziert man nach dem Baukastenprinzip und fährt dabei gar nicht mal schlecht. Es reicht, beim Lion's Coach einfach mal die nackten Zahlen sprechen zu lassen. So wurden seit Produktionsstart im Jahr 2002 über 1.500 des Lion's Coch in der zweiachsigen und als L-Version in der dreiachsigen Variante verkauft. Dabei fand ein Viertel der Fahrzeuge in Deutschland einen Abnehmer.

Lions Coach Supreme

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Barocker Charme

Dennoch hatte und hat auch der Lion's Star seine Fans. Und die schwören auf den barocken Charme des Fahrzeuges, das nicht ohne Grund einen Design-Preis eingefahren hat. Wo der Coach mit sachlicher, zeitloser Eleganz punktet, gefällt der Star durch verspielt-solides Auftreten. Und nicht vergessen, der Star heißt jetzt Supreme. Unter der ersten Seitenfensterkante prangt der Schriftzug, doch wer dort nicht hinschaut, wird spätestens beim Betreten des Innenraumes erkennen, dass er hochwertig reisen wird. Aus dem Lion's Star wurde die Innendecke übernommen. Helle Materialien bestimmen das Ambiente und leiten gekonnt auf die geschlossenen Gepäckablagen über. Welcher Bus hat die heute noch? Der Neoplan Starliner – und sonst? Sicherlich gibt es Befürworter und Kritiker beider Varianten. Doch in Sachen Sicherheit geht der Punkt eindeutig in Richtung geschlossene Ablage. Wem nämlich schon einmal die Jacke, der Regenschirm oder eine Zeitschrift auf den Kopf gedonnert ist, weiß die Vorzüge der Klappen zu schätzen. Im Falle des Supreme sind die Klappen übrigens ausgezeichnet gearbeitet. Sie lassen sich auch von busunerfahrenen Gästen leicht öffnen und schließen; unsichtbar angebrachte Gasdruckstoßdämpfer unterstützen den Passagier dabei. Insgesamt wirkt der Innenraum des Supreme sehr frisch und hochwertig. Neu ist die Verkleidung des Flachbildschirmes am Mitteleinstieg, die stark an Colani'sche Linien erinnert, aber leider auch einen starken Hauch von Kunststoff versprüht. Eine edle Brise findet sich dagegen im Cockpit-Bereich. Wurzelholz-Applikationen am Fahrer- und Beifahrer-Platz signalisieren unmissverständlich die Wertigkeit und Stellung des Supremes, den MAN übrigens unterhalb des Neoplan Cityliners aber oberhalb des Tourliners sieht. Als gelungen kann auch die indirekte Beleuchtung des Innenraums bezeichnet werden. Zwei Leuchtbänder ziehen sich oberhalb der Gepäckablagen durch das Fahrzeug und erzeugen ein sehr warmes Licht. Schick sind auch die Leselampen, die statt Glühlampen nun mit blau/weiß leuchtenden LEDs ausgerüstet sind.

In technischer Hinsicht lässt der Lion's Star kaum etwas vermissen

Der Fahrer kann sich über einen ergonomischen Arbeitsplatz freuen, auch in technischer Hinsicht lässt der Supreme kaum etwas vermissen. So spielt der Bus in der Sicherheits-Liga ganz weit vorn mit. Neben der verwindungssteifen Karosserie schützen aktive und passive Sicherheitssysteme die Insassen vor Unfällen. Serienmäßig an Bord sind sowohl das elektronische Bremssystem EBS 2 mit Bremsassistent und dem Höchstgeschwindigkeitsbegrenzer MSC sowie das elektronische Stabilitätsprogramm ESP. Wie alle MAN-Reisebusse ist der Supreme mit der Funktion „Bremsomat“ ausgestattet, bei Bergabfahrten reicht ein einmaliges Antippen der Bremse, um die augenblicklich gefahrene Geschwindigkeit beizubehalten. Das funktioniert zuverlässig und lässt sich intuitiv bedienen. Etwas mehr Einfühlungsvermögen muss man dagegen bei der Bedienung der MAN-TipMatic aufwenden. So kann es trotz automatisierten Schaltgetriebes passieren, dass bei versehentlich gesetztem manuellem Schaltmodus der Motor abgewürgt wird, das kann unter Umständen zu kritischen Verkehrssituationen führen. Hier wäre eine eindeutige Warnung oder aber ein automatisches Umschalten in den Automatikmodus wünschenswert. Vom Handling her verhält sich der Supreme vorbildlich. Die Mehrlenkerachse vorn in Verbindung mit der elektronisch geregelten Fahrwerksregulierung durch die ECAS-Luftfederanlage mit Wegsensoren lässt keine Wünsche offen. Schlechtwegstrecken auf Allgäuer Nebenstraßen meisterte der Bus vorbildlich ebenso wie harte Querrillen, deren Schläge sauber über die Karosserie abgeleitet wurden. Den Supreme gibt es derzeit nur in der 12-m-Variante, der 13,6 m lange Dreiachser ist Ende dieses Jahres geplant.

Ein echtes Highlight sind die Motoren, die den Supreme antreiben

Verbaut sind der D20 beziehungsweise der D26, beides Common-Rail-Motoren von MAN. Diese Aggregate erreichen die Euro-4-Norm mit dem serienmäßigen MAN-PM-Kat. Auf AdBlue kann verzichtet werden. Die neuen Motoren mit einem Gehäuse aus hochfestem und leichtem Vermikulargraphit, bieten Leistungen von 400 und 440 PS (max. Drehmomente 1.900 Nm und 2.100 Nm) und somit zehn PS mehr als die liegenden Varianten aus den Stadt- und Überlandbussen der Marke. Als Topmotorisierung bleibt dem MAN Lion’s Coach Supreme die D26-CR-Version mit 12,4 l Hubraum und 480 PS vorbehalten, die beachtliche 2.300 Nm an maximalem Drehmoment leistet und nur in Verbindung mit dem Zwölfgang-Automatikgetriebe TipMatic verbaut wird. So viel Power wird es aber ausschließlich im Dreiachser geben. Wer mit der 12-m-Schönheit unterwegs ist, dem reichen aber die 440 PS locker. Davon konnten wir uns ebenfalls im Allgäuer Hochland überzeugen. Serienmäßig wird der Bus übrigens mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe geliefert. Bei so viel heißem Reifen sollte man natürlich eine kühlen Kopf bewahren. Dafür sorgt die aus dem Lion's Coach bekannte Klimaanlage, die im Supreme als Heißland-Anlage mit einer Kälteleistung von 35 kW ordentlich Wind durch den Fahrgastraum drückt. Im Testbus machte die Klimaanlage zwar im vorderen Bereich der geschlossenen Ablagen noch ordentlich Windgeräusche, doch MAN versicherte, es handelt sich nicht um einen künftigen Windjammer, hier wird nachgebessert.

Fazit

Insgesamt ist es schön, dass MAN den Lion’s Coach mit dem Supreme aufwertet. Die Umsetzung ist gelungen und das Konzept stimmt. Für etwa 30.000 Euro Aufpreis zum Lion’s Coach kann man also auch weiterhin etwas ganz Besonders seinen Gästen anbieten.
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