24.08.2018Ein Überflieger macht sich auf

Setra S 531 DT, Supertest

Mit Spannung hat unsere Testredaktion den Setra S 531 DT auf der Superteststrecke erwartet. Optisch und technisch mit zahlreichen Überraschungen versehen, konnte der Bus bei seinen ersten Vorstellungen jede Menge Vorschusslorbeeren einsammeln. Ob die berechtigt waren, zeigt sich spätestens hier. Doch lesen Sie selbst.

Der Kosmos ist unendlich und die Erfolgsgeschichte von Setra kratzt an ähnlichen Sphären. Entsprechend kam Setra mit seinem neuen Flaggschiff, dem S 531 DT in der Farbe Kosmosrot metallic, vorgefahren. Dabei ist die Farbe eigentlich egal, denn in welcher Farbe auch immer sich Setras neuester Gipfelstürmer bisher zeigte, er überzeugt immer. Schuld oder, besser gesagt, Grund dafür ist die neue Optik, die den Bus auf Anhieb und völlig kompromisslos in die optische Moderne katapultiert. Beim Supertest parkte der Bus neben seinem älteren Bruder, dem S 431 DT, und – man will so etwas ja eigentlich nicht schreiben – dieser sah so richtig alt dagegen aus. Besonders die Front des Neuen strahlt eine ungeahnte Leichtigkeit und Filigranität aus, die man einem Setra gar nicht zugetraut hätte. Mut zur Form zeigt der Bus auch am Heck, aus zwei Lüftungs­gittern, von denen ja ohnehin nur eines eine echte Funktion hat, wurde ein großes. Das funktioniert und verleiht dem Bus eine tolle technische Griffigkeit. Denn bei aller Schönheit darf auch ein Bus zeigen: Er ist eine schwere, starke Maschine, ein Kraftpaket für die Personen­beförderung. Einige Setra-Liebhaber vermissen beim S 531 DT die geschwungene La Linea, sie gibt es zwar immer noch, allerdings erstreckt sie sich nun eher unauffällig gerade gestreckt unterm Dach. Den Aufschwung übernimmt nun eine untere Linie, die an ihrem Beginn an eine Comfort-Class erinnert und über der Antriebsachse den Bogen ins Oberdeck bekommt. Dadurch und durch ein Designelement mittig zwischen Ober- und Unterdeck entsteht der Eindruck eines riesigen Glaskörpers – durchaus geschickt.

Dermaßen optisch aufgeputscht betritt der Fahrgast das Innere, wo er in der Regel gleich den Weg nach oben nimmt. Auch hier hat sich einiges geändert. So haben die Entwickler dem Aufgang ein zusätzliches Fenster spendiert, wodurch der Treppenbereich heller und freundlicher wirkt. Oben angekommen, erwartet den Fahrgast ein lichtdurchfluteter Innenraum – ein segmentiertes Glasdach macht’s möglich. Wer das Glück hat, ganz vorn zu sitzen, kommt in den Genuss einer neu gestalteten Front. Statt schon längst nicht mehr in die Zeit passender Decke, mit der die Front beim Vorgänger verkleidet ist, haben die Neu-Ulmer Busbauer hier nun endlich einen passenden, modernen Abschluss gefunden. Der Rest ist mehr oder weniger zum S 431 DT gleich geblieben. So werden nach wie vor die Setra Voyage-Ambassador-Sitze verbaut, auf denen es sich hervorragend auch lange Fahrten verbringen lässt. Die Service-Sets sind alte Bekannte – im wahrsten Wortsinne. Der Testbus hatte LED-Leuchten verbaut – die gab es bisher allerdings auch schon – wie gehabt gegen einen Aufpreis. Auch die Innendecken und die Seitenverkleidung wurden keiner Auffrischung unterzogen, hier hat Setra anscheinend den Rotstift angesetzt. Ein wenig schade ist das schon, denn der Wettbewerb hat beispielsweise in Form eines Neoplan Skyliners oder eines VDL Futura FDD2 Doppeldecker im Programm – die Innenraumgestaltung auf allerhöchstem Niveau lustvoll zelebrieren.

Dafür aber bietet der Setra nun im Unterdeck eine starke Modularität. So lassen sich sowohl rechts als auch auf der linken Seite die Podeste teilweise entfernen (muss entsprechend bei der Fahrzeugkonfiguration bestellt werden), sodass Platz für Rollstühle oder Kinderwagen entsteht, der ohne Stufen erreicht werden kann. Dafür gibt es dann entweder die Möglichkeit, eine im Fahrzeug innen versenkte Klapprampe zu nutzen oder alternativ Alu-Auffahrschienen, die bei Nichtgebrauch im Kofferraum verstaut werden. Voraussetzung jeweils ist dann natürlich eine breite Mitteltür. Der Testbus hatte diese Ausstattung nicht, er war als reiner Reisebus konfiguriert. Durch die Podeste im Unterdeck gibt es auch auf der rechten Seite zwei Staufächer sowie einen Platz für das Reserverad. Fehlen die Podeste und will der Unternehmer auf ein Reserve­rad nicht verzichten, kann dieses im Kofferraum transportiert werden. Das quittierte der Testfahrer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn die Möglichkeit, Ersatz mitführen zu können und gleichzeitig eine Lösung an die Hand zu bekommen, wie das Rad aus dem hohen Kofferraum hinaus- und wieder hineinzubekommen ist, ist gut, andererseits geht noch mehr Kofferraum verloren, der ohnehin eher spärlich ausfällt. 8,5 Kubikmeter sind leider nur unterer Durchschnitt. Wer den Bus mit rund 80 Fahrgästen fahren will, die alle mit üblichem Reisegepäck unterwegs sind, kann sich ausmalen, dass es eng wird. Abhilfe kann hier ein Skikoffer schaffen, der Testwagen hatte auf Wunsch der OMNIBUSREVUE einen dabei. Und da ein Skikoffer selbstverständlich auch mit anderen Dingen als nur mit Skiern beladen werden darf, gibt’s hier also Koffer­raum extra. Der darf mit bis zu 500 Kilogramm beladen werden. Ehrlicherweise muss aber auch erwähnt werden: Wirklich ergonomisch ist das Ganze nicht. Dafür kann die Entnahmevorrichtung für das Reserverad umso mehr überzeugen. Ein kleines Krangestell wird in zwei Ösen eingehängt und daran kommt ein manueller Flaschenzug. Allerdings sollte man das Reserverad im Kofferraum dann auch eher in der Nähe der Vorrichtung lagern, das macht es einfacher. In der Regel aber dürften Busse, die in Fernbusausstattung unterwegs sind, allerdings auf ein Reserverad verzichten – genau: Diese Möglichkeit gibt es auch noch.




 

« Zurück › An die Redaktion › Artikel empfehlen › Drucken
 



Kommentare verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der OR veröffentlicht.
Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter den Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

* Pflichtfeld

› Aktuelles Heft

OMNIBUSREVUE 12/18


Mehr zu den Inhalten!

Aktuelles Heft

Frage des Monats

Bilder
MAN, Lion's City, Premiere 2018
Premiere MAN Lion's City
Mercedes-Benz Sprinter/Modell 2018
Mercedes-Benz Sprinter/Modell 2018


AKTUELLE VIDEOS

Mit dem Bus durch Patagonien

Mit dem Bus durch Patagonien

Kleiner Bus ganz groß: Temsa MD9

Der Mercedes-Benz eCitaro

Kamera läuft, Bus fährt: VDL Futura FHD mit neuem Kraftstrang

VDL Futura FHD - Die neue Generation

ADVERTORIALS

Neu: Weihrauchmuseum in Altötting

Neu: Weihrauchmuseum in Altötting

Swarovski Kristallwelten

Innsbruck Tourismus

Therme Erding: The Big Wave

Bus Simulator 18

› EU-BKrFQG

Aus- und Weiterbildung

Sie suchen eine Aus- und Weiterbildungsstätte zum EU-BKrFQG? Dann sind Sie hier richtig!

Weiterbildung nach EU-BKrFQG
Logo Omnibusrevue Test und Technik