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9-Euro-Ticket: Große Nachfrage nach dem Billigticket

Verkehrsminister Wissing erhofft sich vom 9-Euro-Ticket dauerhafte Umsteiger vom Pkw auf den ÖPNV
© Foto: Oliver Dietze/dpa/picture-alliance

Rund sieben Millionen 9-Euro-Tickets wurden bisher verkauft, angesichts des erwarteten Andrangs warnen die Verkehrsverbände vor zu großen Erwartungen.


Datum:
31.05.2022
Autor:
Thomas Burgert
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Seit den ersten regionalen Verkaufsstarts des 9-Euro-Tickets am 20. bzw. 23. Mai wurden bis zum 31. Mai bundesweit bereits rund sieben Millionen der Billigtickets verkauft. Wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mitteilte. VDV-Präsident Ingo Wortmann sieht die Branche so gut wie möglich auf den Start am 1. Juni vorbereitet: „Wir arbeiten seit Wochen an der rechtzeitigen Umstellung unserer Vertriebssysteme und an einer umfassenden Kundenformation. Die aktuell sehr hohe Nachfrage nach dem Ticket wundert uns daher nicht, denn wir informieren und verkaufen auf allen Kanälen.“ Allerdings wisse man aufgrund der aktuellen Verkaufszahlen noch nicht, wie viele Menschen das Ticket wie oft nutzen werden, sagte Wortmann.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) erklärte, man verspreche sich von dem 9-Euro-Ticket „zusätzliche Fahrgäste, die dauerhaft umsteigen und den ÖPNV stärken“. Er zeigte sich fest davon überzeugt, dass „das ein hervorragendes Angebot ist, um Menschen vom ÖPNV zu begeistern, ohne dass wir Verzicht einfordern.“ Man werde die drei Monate jetzt genau auswerten, um „den ÖPNV langfristig noch besser an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen und damit attraktiver zu machen“.

VDV erwartet starke Nutzung im Ausflugsverkehr

Trotz aller Vorbereitungen sei klar, dass es in den kommenden drei Monaten aufgrund der steigenden Nachfrage hier und da zu sehr vollen Zügen, Bussen oder Bahnen kommen kann, erklärten VDV sowie Bund und Länder bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Vor allem auf den Verbindungen zu touristischen Zielen sei mit deutlich mehr Fahrgästen zu rechnen. Es werde im Juni, Juli und August Strecken geben, „auf denen es richtig voll wird.“, sagte Wortmann und ergänzte: „Denn auch wenn das 9-Euro-Ticket eigentlich nicht als touristisches Angebot gedacht war, sondern als Entlastung für die Menschen aufgrund der gestiegenen Energiepreise, werden viele Fahrgäste damit in den Sommermonaten zu Ausflugs- und Urlaubszielen fahren. Es ist daher wichtig, dass alle Beteiligten in solchen Fällen mit der richtigen Erwartungshaltung an die Bus- und Bahnnutzung herangehen.“ Man könne nur dafür sensibilisieren, „bei Fahrten zu beliebten Ausflugszielen möglichst flexibel zu planen, eher mit weniger Gepäck und lieber ohne Fahrrad zu reisen“, so der VDV-Präsident.

Darüber hinaus müsse allen Fahrgästen klar sein, dass diese drei Monate ein einmaliges Angebot seien, ab September gelten dann wieder die regulären Ticketpreise und Rahmenbedingungen. Denn eigentlich, so Wortmann, sei der ÖPNV in Deutschland aufgrund gestiegener Kosten und notwendiger Angebotsausweitungen nicht nur auf ausreichend öffentliche Mittel, sondern dringend auch auf die Fahrgeldeinnahmen angewiesen. Auch Maike Schaefer erklärt, dass der öffentliche Nahverkehr grundsätzlich mehr Finanzmittel benötigt: „Ich betone erneut, dass bereits ab 2022 die Regionalisierungsmittel dringend erhöht werden müssen, um dauerhaft mehr Fahrgäste im ÖPNV befördern zu können.“

Begrenzte Platzkapazitäten im Nahverkehr

Der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) sieht das 9-Euro-Ticket mit gemischten Gefühlen. „Bei aller Euphorie aus Nutzersicht über das ÖPNV-Geschenk sehen wir Aufgabenträger und Land in der Pflicht, die Branche bei den hohen Energiepreisen zu entlasten. Die hohen Spritpreise sorgen für Krisenstimmung im Gewerbe“, erklärte WBO-Geschäftsführer Witgar Weber. Mit dem Land wird seit Mitte März ein Stützungspakt verhandelt. Es geht um 37 Millionen Euro für den ÖPNV von März bis Juli – rein für die Dieselmehrkosten. Ein Verhandlungsergebnis wurde erst für Ostern, jetzt für Pfingsten angekündigt. „Der Krisenmodus hält schon zu lange an: erst die Corona-Krise, dann die Dieselkrise. Das Fass ist voll. Die Unternehmen brauchen die Unterstützung jetzt!“

Mit dem 9-Euro-Ticket werde in den Sommermonaten die Auslastung in Bus und Bahn steigen, weshalb der WBO in diesem Zusammenhang auf begrenzte Platzkapazitäten hinweist. Insbesondere bei Schulausflügen, Vereinsausfahrten, Tagestouren könne es eng im Linienbus werden. „In etlichen Verbünden können im Aktionszeitraum keine Gruppenvoranmeldungen im ÖPNV vorgenommen werden“, so Weber. Hierfür bitte man um Verständnis.

Bei großen Gruppen sei es ratsam, beim Busunternehmen in der Region einen Bus für die jeweilige Ausflugsfahrt anzumieten, statt das neun-Euro-Ticket zu nutzen. Etwa für Klassenfahrten würden die WBO-Mitglieder Reisebusse vorhalten, die individuell und auf die Bedürfnisse der Reisegruppe zugeschnitten eingesetzt werden können. „Schließlich“, ergänzte Witgar Weber, „wollen wir im Linienbus wie auch im Reisebus zufriedene Fahrgäste befördern“.

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