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9-Euro-Ticket: Untersuchung zeigt Verlagerungseffekte

Bei 44 Prozent der Fahrten hat durch das Billigticket eine Verlagerung von anderen Verkehrsmitteln stattgefunden
© Foto: Oliver Dietze/dpa/picture-alliance

Eine Rogator-Studie zur Nutzung des 9-Euro-Tickets zeigt, dass tendenziell ÖPNV-affine Personen das Ticket nutzen. Es gibt aber auch eine Verlagerung von Fahrten mit dem Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel.


Datum:
17.06.2022
Autor:
Thomas Burgert
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Die Studie Opiniontrain hat speziell die Nutzung des 9-Euro-Tickets zum Start im Juni untersucht. Befragt wurden eine Woche nach Start der Aktion rund 3200 Personen in Deutschland. Neben dem hohen Bekanntheitsgrad des Angebotes von etwa 97 Prozent berichten bereits 29 Prozent der Befragten, dass sie ein 9-Euro-Ticket besitzen und etwa zehn Prozent haben sogar schon Tickets für Juli und August gekauft. Ein Anteil von 26 Prozent hält den Ticketkauf in der nächsten Zeit für möglich, 38 Prozent halten ihn für unwahrscheinlich.

Die Untersuchung zeigt, dass die Besitzer des 9-Euro-Tickets tendenziell ÖPNV-affine Verbraucher sind. Wie die Befragung belegt, handelt es sich bei etwa einem Viertel der Besitzer des 9-Euro-Tickets um Personen, die den ÖPNV vor Juni 2022 gar nicht oder nur sporadisch genutzt haben. Insgesamt 66 Prozent der Ticketbesitzer gaben an, das 9 Euro-Ticket sei ein Grund, den ÖPNV häufiger als zuvor zu nutzen, 89 Prozent halten das 9-Euro-Ticket für einfach und unkompliziert zu erwerben.

„Alle Augen richten sich auf das 9-Euro-Ticket“, sagte Andreas Krämer, CEO von Exeo Strategic Consulting und Co-Autor der Studie. „Umso wichtiger ist es, möglichst schnell belastbare Zahlen zur Nutzung und den konkreten Erfahrungen bzw. möglichen Verkehrsmittelverlagerungen bereitzustellen.“

Etwa zwei Drittel der Fälle sind Fahrten am Wohnort

Die Untersuchung zeigt auch, dass neun von zehn Besitzern das Ticket während der ersten sieben Geltungstage genutzt haben. Dabei sei ein eindeutiger Schwerpunkt erkennbar, wenn die Befragten über ihre letzte Nutzung berichten: Etwa zwei Drittel der Fälle betreffen dabei Fahrten am Wohnort, 30 Prozent gehen über die Grenzen des Wohnorts hinaus, bleiben aber unter 100 Kilometer Reisedistanz. Weniger als zehn Prozent der Nutzung entfallen auf Reisen von mehr als 100 Kilometer Entfernung.

In Hinblick auf die berichtete Fahrt wurden die Nutzer danach gefragt, wie die Verkehrsmittelwahl ohne das 9-Euro-Ticket ausgesehen hätte. 47 Prozent der Fahrten wären auch sonst mit Bussen und Bahnen unternommen worden (aber mit einem anderen Fahrschein), bei 44 Prozent hat eine Verlagerung von anderen Verkehrsmitteln stattgefunden – wobei mehr als die Hälfte davon auf den Pkw entfällt und etwas weniger als zehn Prozent der Fahrten sind induzierter Neuverkehr, also Fahrten, die ohne das 9-Euro-Ticket nicht unternommen worden wären.

Unzufriedenheit mit der Sitzplatzsituation bei langen Fahrten

Die Befragungsergebnisse unterstreichen zudem, dass die Erfahrungen insbesondere beim Aspekt Verfügbarkeit von Sitzplätzen, vergleichsweise kritisch sind. So zeigt sich jeder zweite Kunde auf Fahrten von mehr als 100 Kilometer Streckenlänge unzufrieden mit der verfügbaren Sitzplatzkapazität. Unter Einbeziehung des extrem niedrigen Preises von 0,3 Euro pro Tag geben 48 Prozent der Ticketbesitzer allerdings an, bei Fahrten mit dem 9-Euro-Ticket auch volle Busse, Bahnen und Bahnhöfe gern in Kauf zu nehmen. Dies zeigt, dass zumindest ein Teil der Kundschaft Komfortverluste im Zusammenhang mit der Ticketnutzung in Kauf nimmt. 55 Prozent der Ticketbesitzer würden das Ticket auch nutzen, wenn der Preis höher als neun Euro wäre, hingegen lehnen dies 17 Prozent ab.

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