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9-Euro-Ticket: Pfingsten 2022 in vollen Zügen genossen

Symbolbild aus normalen Tagen. Am Pfingstwochenende mussten Bahnsteige teilweise gesperrt, Züge geräumt werden. Auch das Fahrrad musste aufgrund des hohen Fahrgastaufkommens vielerorts daheim bleiben.
© Foto: iStock/holgs

Mancher hat nun Zeitzeugen-Dokumente in seiner Handy-Galerie: unzählige Videos und Fotos gingen am vergangenen Wochenende durch die sozialen Netzwerke und feierten mit mehr als nur einem Augenzwinkern den "Voll-Zug" des aktuellen Reisegenusses mit dem 9-Euro-Ticket.


Datum:
08.06.2022
Autor:
Judith Böhnke
Lesezeit: 
2 min
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Dennoch sieht der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) einen vollen Erfolg in der Aktion. Das 9-Euro-Ticket habe auf vielen touristischen Verbindungen zu extrem hoher Auslastung geführt, Verkehrsunternehmen und Fahrgäste seien insgesamt jedoch gut vorbereitet gewesen, hieß es in einer Pressemitteilung.

Aus betrieblicher Sicht ziehe die Branche eine positive Bilanz zu den ersten Tagen des 9-Euro-Tickets, so der VDV. "Wir haben für das Pfingstwochenende mit sehr vollen Fahrzeugen und Bahnsteigen gerechnet, und das hat sich bestätigt", so VDV-Präsident Ingo Wortmann. "Mit der nötigen Geduld und Flexibilität haben unsere Mitarbeitenden und die Millionen von Kundinnen und Kunden vor allem die sehr große Nachfrage auf den Verbindungen zu den touristischen Zielen gut gemeistert.“

Elegante Worte für eine Realität, die sämtliche Skepsis in Bezug auf das 9-Euro-Ticket nicht zutreffender hätte bestätigen können. Die Züge des Regionalverkehrs, die mit dem 9-Euro-Ticket genutzt werden können, waren auf vielen touristischen Verbindungen derart überlastet, dass an den Bahnknotenpunkten der großen Städte - Köln etwa, Berlin oder Hamburg - Bahnsteige gesperrt werden mussten. Teilweise wurden sogar Züge geräumt (und nicht nur "an den Bahnknotenpunkten"). Das enorme Fahrgastaufkommen ließ es zudem vielerorts nicht zu, Fahrräder mitzunehmen. Ob also wirklich jeder sein ausersehenes Pingstreiseziel erreicht hat oder dort gar nicht oder nicht so ankam, wie geplant, steht in den Sternen. Die Begeisterung vieler Reisender dürfte sich in Grenzen halten oder bestenfalls auf den Bericht lustiger Geschichten aus dem Bahn-Abenteuerland beschränken. Für 9 Euro kann man mal was riskieren, wenn es ab Herbst wieder teuerer wird, aber wohl eher nicht nicht. Und ob man sich "für das Klima" dauerhaft "Geduld", "Flexibilität" und "gute Vorbereitung" abverlangen lässt, wird sich mancher vermutlich nochmal überlegen. Oder auch nicht. Der Verdacht liegt nahe, dass man Begeisterung für die Beförderungsart der Zukunft irgendwie anders wecken muss. Oder wenigstens sollte. Oder vielleicht braucht man das auch nicht, wenn der Sprit nur erst teuer genug ist, und die Fahrgäste keine Wahl mehr haben ... . Die Unternehmer haben dann allerdings auch keine mehr.

9-Euro-Ticket: alles großartig

Im städtischen Nahverkehr sei der Betrieb seit Start des 9-Euro-Tickets am 1. Juni und auch über das Pfingstwochenende weitgehend normal verlaufen, so der VDV. In den Großstädten habe es zwar ebenfalls messbar mehr Fahrgäste in Bussen und Bahnen gegeben (teilweise bis zu 10 Prozent mehr als vor dem 1. Juni), aber das zur Verfügung stehende Angebot habe ausgereicht, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten.

„Der deutsche ÖPNV ist in den Großstädten und Ballungsräumen gut ausgebaut und entsprechend leistungsfähig, um solche zeitlich begrenzten Spitzenlasten abzufangen. In Städten wie Berlin, Hamburg, München, Köln oder Dresden ist man gerade an reisestarken Wochenenden wie Pfingsten auf ein deutliches Mehraufkommen an Touristen und damit Fahrgästen vorbreitet. Die vergangenen Tage haben aber auch gezeigt, dass wir an den Bahnknoten in Deutschland erheblichen Ausbaubedarf haben. Wegen Überfüllung gesperrte Bahnsteige darf es an Hauptbahnhöfen in Millionenstädten eigentlich nicht geben. Das deutlich erhöhte Fahrgastaufkommen über Pfingsten macht deutlich, dass wir dringend die nötigen Investitionen in den Ausbau, in die Modernisierung und für Kapazitätserweiterungen unserer Angebote benötigen, wenn bis 2030 doppelt so viele Fahrgäste im öffentlichen Verkehr befördert werden sollen“, so Wortmann abschließend.

Aha. Dann wartet die Branche jetzt doch mal extra auf die Investitionen. Sie kommen bestimmt. Deutschlands "öffentliche Hand" kann ja aus dem Vollen schöpfen. In vollen Zügen.

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