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AdBlue-Knappheit: bdo warnt, Ministerium sieht keine Gefahr

AdBlue brauchen fast alle Busse und Lkw sowie rund jeder zehnte Pkw - über die aktuelle Versorgungslage gehen die Meinungen auseinander
© Foto: picture alliance/dpa | Stefan Puchner

Seitdem beim größten AdBlue-Produzenten in Deutschland die Anlagen stillstehen, steigt die Sorge um einen akuten AdBlue-Mangel und stillstehende Bus-Flotten. Das Wirtschaftsministerium dagegen sieht aktuell keine Knappheit, ebenso wie der ADAC.


Datum:
08.09.2022
Autor:
Mareike Haus/Anja Kiewitt
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Seit rund zwei Wochen stehen bei Deutschlands größtem AdBlue-Produzenten in Deutschland, dem Stickstoff- und Ammoniakhersteller SKW Piesteritz in Wittenberg, wegen der hohen Gaspreise die Anlagen still. Während in Deutschland laut ADAC rund zehn Prozent aller Pkw auf den harnstoffbasierten Kraftstoffzusatz angewiesen sind, sieht es in der Busbranche anders aus: "Ohne die Dieselbeimischung AdBlue müssten 80 Prozent der 80.000 Busse in Deutschland stillliegen. Bei den knapp 3.000 privaten und mittelständischen Busunternehmen sind also rund 65.000 Busse von dem AdBlue-Mangel und der damit einhergehenden bizarren Preisentwicklung betroffen", erklärt Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmen (bdo).

bdo sieht Schulverkehr in Gefahr

"Ohne AdBlue wird der ÖPNV – gerade in den ländlichen Räumen – und der Schulverkehr insgesamt zusammenbrechen. Speziell auf dem Land fährt allein jeder dritte Grundschüler mit dem Bus zur Schule. Die Politik muss jetzt dringend handeln", fordert die Verbandschefin. Im laufenden Jahr habe sich der Preis von AdBlue bereits fast verachtfacht. Damit gehöre die AdBlue-Preisentwicklung und Versorgungsknappheit neben den explodierenden Energiekosten und dem Fahrpersonalmangel derzeit zu den größten Belastungen der Busbranche. Zwar erfülle der größte Teil der Busse die Abgasnorm Euro V oder höher, sei aber in Bezug auf die vorgeschriebene Abgasnachbehandlung bei den Dieselmotoren auf AdBlue angewiesen.

Wirtschaftsministerium und ADAC bleiben entspannt

Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums sind die Sorgen um akute Engpässe derzeit unbegründet. Man sehe derzeit keine Mangellage bei der Produktion von AdBlue, sagte ein Sprecher am Mittwoch gegenüber Reuters. Falls es wirklich dazu kommen sollte, werde man reagieren. Der Sprecher verwies auch darauf, dass es mehrere Hersteller in Deutschland gebe und zudem die Möglichkeit von Importen bestehe. Auch der ADAC sieht aktuell auf dem Markt keine Knappheit bei dem Kraftstoffzusatz. Dies sagte eine ADAC-Sprecherin am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Bevor eine flächendeckende Verknappung eintrete, müsse die Industrie auch bei hohen Gaspreisen eine Versorgung mit AdBlue sicherstellen, so die Sprecherin.

Kommunalpolitik und Transportbranche warnen vor Stillstand

Schwerwiegende Folgen für die Transportbranche und damit die gesamte Wirtschaft befürchtet dagegen Christian Tylsch, Landrat im Landkreis Wittenberg, Heimat der SKW Piesteritz. Der CDU-Politiker hält es für möglich, dass wegen akuten AdBlue-Mangels schon bald Lkw stillstehen könnten. Ins gleiche Horn stößt Dirk Engelhardt vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Er warnte am Mittwoch in der „BILD“-Zeitung vor Engpässen in Geschäften schon in zwei Wochen: „Kein AdBlue bedeutet keine Brummis. Und das bedeutet keine Versorgung in Deutschland“, so Engelhardt. Er forderte von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck einen runden Tisch für die Logistikbranche.

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