Corona-Krise: Unternehmen sitzen auf dem Trockenen

Laut der Präsidentin des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren, Ilona Jarabek, ist für die Umsatzausfälle während des derzeit geltenden Lockdowns bisher kaum Geld geflossen
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Die Bundesregierung müsse bei den versprochenen Hilfen Wort halten, verlangte der Berliner Reisebus-Unternehmer Ulrich Bastek, der einen Umsatzrückgang um 83 Prozent beklagt.


Datum:
18.12.2020
Autor:
Anja Kiewitt

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In der seit Anfang November erneut verschärften Corona-Krise sitzen viele Unternehmen der Reise-, Beherbungs- und Veranstaltungswirtschaft finanziell auf dem Trockenen, weil zugesagte staatliche Hilfen ausbleiben. In einer Anhörung vor dem Tourismusausschuss war am Mittwoch, dem 16. Dezember, von einem existenzgefährdenden "Vollzugsdefizit" die Rede. Der Berliner Reisebus-Unternehmer Ulrich Bastek beklagte einen Umsatzrückgang seiner Firma um 83 Prozent bei unverminderten Kosten. Er habe im Sommer noch das Risiko gewagt, für 100.000 Euro ein Winterprogramm drucken zu lassen: "Das war ein Katalog für die Tonne." Die Bundesregierung müsse Wort halten, verlangte Bastek: "Das, was versprochen wurde, was ins Schaufenster gestellt wurde, das Geld muss kommen. Ich weiß bald nicht mehr, wie ich die Rechnungen bezahlen soll."

Bislang kaum Gelder geflossen

Laut der Präsidentin des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren, Ilona Jarabek, ist für die Umsatzausfälle während des derzeit geltenden Lockdowns bisher kaum Geld geflossen. In vielen Fällen seien die Regelungen auch so mangelhaft ausgestaltet, dass die gezahlten Beträge die Verluste bei weitem nicht deckten. Es sei eine "absolute Katastrophe", wenn für November und Dezember zugesagte Hilfsgelder womöglich erst im Januar oder Februar ausgezahlt würden. Der Inhaber der Hamburger Gröninger-Brauerei Jens Stacklies, der auch Veranstaltungssäle und Restaurants betreibt, bemängelte außerdem, dass staatliche Mittel zur Kompensierung der Umsatzausfälle im Monat November erst vom 20. Dezember an beantragt werden könnten. 

Stigmatisierung einer Branche

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) Michael Frenzel beklagte darüber hinaus eine "Stigmatisierung" seiner Branche durch die Politik. Tourismus und Gastronomie würden vielfach als Infektionstreiber dargestellt, ohne dass es dafür nachweisbare Anhaltspunkte gebe. Frenzel forderte eine rationale Diskussion: "Wir müssen deutlich machen, dass Reisen nicht der Pandemietreiber ist." Er kritisierte auch den "Wirrwarr" und das "Durcheinander" der verhängten Schutzmaßnahmen als Folge des Föderalismus.

Filialen werden nicht einzeln berücksichtigt

Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes (Dehoga), ergänzte, dass die Konzeption der Corona-Hilfen auf die besondere Problematik "verbundener" Unternehmen mit mehreren Filialen nicht zugeschnitten sei, da nicht jede einzelne Betriebsstätte sondern lediglich die Firma als Ganzes den Anspruch geltend machen könne. Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), nannte als Beispiel die kürzlich erfolgte Insolvenz einer Reisebürokette mit 40 Filialen. Sie habe dieselben 50.000 Euro an Überbrückungshilfen bezogen, auf die auch jedes selbständige Reisebüro einzeln Anspruch habe, obwohl sie allein an Mietkosten die 40-fache Belastung tragen müsse. Auch hier müsse dringend nachgebessert werden.

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