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ÖPNV in Flächenregionen: Die Taktung ist der Schlüssel

DIe Taktung im ÖPNV an den Bedürfnissen der Fahrgäste auszurichten, ist insbesondere in Flächenregionen wichtig. Fährt der Bus zu selten und macht er zu viele Umwege, fährt keiner mit ... .
© Foto: iStock/Peter Vahlersvik

Eine gute Taktung ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal im Öffentlichen Personennahverkehr. Darauf hat der VCÖ, der Österreichische Verband „Mobilität mit Zukunft“ (früher Verkehrsclub Österreich) hingewiesen. Der Verband beruft sich dabei auf ein Planungskonzept der Region Potsdam-Mittelmark in Brandenburg aus dem Jahr 2017, dessen Ergebnisse eine Studie aus Kärnten bestätigt hat.


Datum:
20.06.2022
Autor:
Judith Böhnke
Lesezeit: 
3 min
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In Brandenburg hatte man in der Region Belzig ein „Downsizing“ auf der einen mit einem „Upsizing“ auf der anderen Seite realisiert:

Der vorher bestehende 60-Minutentakt mit einem 12 Meter Standardlinienbus war aufgespalten und durch einen 30-Minutentakt ersetzt worden. Dadurch verkürzten sich die Umläufe, die vorher viele Schleifenfahrten und große Umwege unumgänglich gemacht hatten. Durch die Verkürzung des Taktes konnte eine verbesserte Anbindung an die Bahn (Regionalexpress) erreicht werden. Außerdem wurden anstelle des 12 Meter Standard-Linienbusses Niederflur-Minibusse eingesetzt. Die Fahrtzeiten orientierten sich darüber hinaus nicht mehr an Unterrichtsbeginn und -ende an den Schulen, sondern wurden Wochentags stündlich gesetzt, konsequent von 4 bis 20 Uhr.

Das Ergebnis war, dass sich Fahrtzeiten signifikant reduzierten und je nach Linie zwischen 20 und 50 Prozent mehr Fahrgäste verzeichnet werden konnten, was nicht unerhebliche Mehreinnahmen generierte.

Ähnliche Auswirkungen hatten verkürzte Taktzeiten in anderen Regionen Deutschlands und Österreichs. So erneuerte etwa die Kleinstadt Braunau am Inn in Oberösterreich mit 17.400 Einwohnern 2014 ihr Busverkehrsnetz. Man verbesserte und vereinfachte die Linienführung und führte einen halbstündigen Takt wurde ein, verbesserte zusätzlich den Anschluss an andere öffentliche Verkehrslinien. Teile der Strecken wurden nachfragebasiert via „Rufbus“ bedient. Was nach viel Aufwand klingt, reduzierte tatsächlich die Kosten und ließ die Fahrgastzahlen um 10 Prozent ansteigen.

Im Südburgenland weitere man im Jahr 2021 das Busverkehrsangebot aus. Fahrzeiten wurden hier auch an die Bedürfnisse Jugendlicher angepasst, die den ÖPNV nutzen, um zu ihren Ausbildungsstätten zu gelangen.

Fazit: Gerade in Flächenländern bzw. Flächenregionen scheint die Strategie „viele Fahrgäste auf einmal“ zu befördern, keine zu sein, mit der sich Kosten einsparen lassen. Im Gegenteil. Denn die Menschen nutzen Öffentliche Verkehrsmittel nicht, weil sie das müssen, sondern wenn und weil die Angebote mit ihren individuellen Bedürfnissen korrespondieren. Das tun sie nicht, wenn „sinnlos“ Zeit auf Umwegen verfahren wird. Von Bedeutung ist dieser Umstand vor allem in den Regionen, wo Schüler den ÖPNV nutzen, um zur Schule zu kommen. Nicht wenige Kinder sind morgens und nachmittags jeweils mehr als eine Stunde unterwegs, obwohl die Schule vielleicht nur 15 Kilometer von zu Hause entfernt liegt. Der Bus fährt dann jedoch nicht direkt, sondern u.U. weite Umwege, um alle Kinder „einzusammeln“. Und wenn in Flächenregionen auch noch das Einkaufen, das Berufspendeln oder der Ganz zum Arzt oder auf eine Behörde insgesamt einer Tagesreise gleichkommen, macht das den Bus für keine Bevölkerungsgruppe attraktiver.

Neue Strategien braucht also das Land – insgesamt und nicht nur punktuell.

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