„Der ÖPNV gewinnt wieder an Vertrauen, die Nutzung wächst und die Kundenzufriedenheit stabilisiert sich“, kommentiert Ingo Wortmann, Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Ergebnisse des VDV-Kundenbarometers. Demnach hat sich die Zufriedenheit der Fahrgäste mit dem ÖPNV in Deutschland 2026 leicht verbessert. Im aktuellen VDV-Kundenbarometer steigt die Globalzufriedenheit auf 2,90, nach 2,95 in der letzten Messung 2024. Zugleich erreicht der Anteil der regelmäßigen ÖPNV-Nutzer mit mindestens monatlicher Nutzung mit rund 50 Prozent einen Höchststand, so der VDV.
ÖPNV wird stärker genutzt
Die Ergebnisse des Kundenbarometers zeigen, dass der öffentliche Verkehr stärker genutzt wird. Der Anteil der Menschen, die Busse und Bahnen mindestens monatlich nutzen, liegt inzwischen bei rund 50 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der Nicht-Nutzer, die seltener als einmal pro Jahr mit dem ÖPNV fahren, von 32 auf 28 Prozent gesunken. Auch das Deutschlandticket habe dazu beigetragen, neue Kunden an den ÖPNV heranzuführen: Sein Anteil sei „von 2024 bis 2026 um fast fünf Prozentpunkte gestiegen“, so der VDV. Das VDV-Kundenbarometer 2026 basiert auf 2213 Interviews, darunter 1671 ÖPNV-Nutzer und 664 Nicht-Nutzer. Die Befragung wurde vom 16. bis 30. April 2026 durchgeführt.
"Bund und Länder müssen die ÖPNV-Finanzierung jetzt zukunftsgerichtet ausrichten."
VDV-Präsident Ingo Wortmann
Stabilisierungserfolge trotz hoher Belastungen
„Diese Entwicklung ist ein Erfolg der Verkehrsunternehmen und ihrer Beschäftigten“, sagte Wortmann. Die Branche habe in den vergangenen Jahren trotz hoher Belastungen Stabilisierungserfolge erzielt. Damit diese Entwicklung nicht wieder verloren geht, müssten Bund und Länder die „ÖPNV-Finanzierung jetzt zukunftsgerichtet ausrichten“, sagte Wortmann. „Verkehrsunternehmen brauchen die finanziellen Voraussetzungen, um ihr Angebot zu stabilisieren, qualitativ bestmöglich zu gestalten und dort auszubauen, wo die Nachfrage wächst.“
Verbesserungen im Angebot zahlen sich aus
Die Studie zeigt zugleich, dass sich wesentliche Leistungsmerkmale verbessert haben. Positiv bewertet werden insbesondere digitale Angebote wie Chipkarte und Handyticket, die Freundlichkeit des Personals sowie Verbesserungen bei Linien- und Streckennetz, Anschlüssen und Taktfrequenz. In Metropolen hat sich die Globalzufriedenheit auf 2,65 verbessert. Das unterstreiche, dass „betriebliche Stabilisierung und Verbesserungen im Angebot bei den Fahrgästen ankommen“, so der VDV. „Die Verbesserungen bei Angebot, digitalen Zugängen und Service zeigen, dass sich gezielte Anstrengungen auszahlen“, so Wortmann.
Der ÖPNV braucht eine verlässliche Finanzierung
Qualität entstehe aber „nicht von selbst“, betonte Wortmann. „Sie braucht verlässliche Finanzierung, Planungssicherheit und Investitionen über mehrere Jahre. Nur dann können Verkehrsunternehmen Personal gewinnen, Fahrzeuge modernisieren, digitale Angebote weiterentwickeln und das Leistungsangebot für die Fahrgäste zuverlässig sichern.“ Gleichzeitig mache das VDV-Kundenbarometer deutlich, wo die Risiken liegen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist das einzige Merkmal, das sich signifikant verschlechtert hat. Besonders kritisch bewerten dies Nutzer des Deutschlandtickets. Dort sank die Zufriedenheit beim Preis-Leistungs-Verhältnis von 2,85 auf 3,11.
"Die Entwicklung der Ticketpreise darf nicht dazu führen, dass Verkehrsunternehmen Leistungen ausdünnen."
VDV-Präsident Ingo Wortmann
VDV sieht Bund und Länder in der Pflicht
Auffällig ist laut VDV zudem, dass wöchentliche Nutzer deutlich unzufriedener sind als in der letzten vom VDV beauftragten Messung 2024. Gerade diese Gruppe reagiert sensibel auf Preisänderungen und auf die Frage, ob sich der regelmäßige Kauf eines Tickets noch lohnt. „Daraus ergibt sich eine klare verkehrspolitische Schlussfolgerung: Wenn Bund und Länder einen stabilen, attraktiven und wachsenden ÖPNV wollen, müssen sie auch die finanziellen Voraussetzungen dafür schaffen. Die Entwicklung der Ticketpreise darf nicht dazu führen, dass entweder Verkehrsunternehmen Leistungen ausdünnen, Modernisierung verschieben oder notwendige Angebotsausweitungen unterlassen oder Fahrgäste in größerer Anzahl auf andere Verkehrsmittel umsteigen“, so der Verband.
Ausbau dort ermöglichen, wo Kapazitäten gebraucht werden
Die Finanzierung des ÖPNV müsse sich „an den realen Anforderungen eines wachsenden Systems orientieren“, fordert der VDV. Mehr Nachfrage, höhere Qualitätsansprüche, zusätzliche Investitionen in Digitalisierung und Fahrzeuge sowie ein verlässlicher Betrieb erfordern eine langfristig tragfähige Finanzierung. Ziel müsse es sein, das bestehende Angebot zu stabilisieren, die Qualität für die Fahrgäste weiter zu verbessern und den Ausbau dort zu ermöglichen, wo zusätzliche Kapazitäten gebraucht werden. „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Fortschritte möglich sind. Jetzt kommt es darauf an, diese Erfolge nicht zu verspielen, sondern mit einer zukunftsgerichteten Finanzierung in dauerhafte Qualität und weiteres Wachstum zu übersetzen“, sagt Wortmann.