Verkehrsunternehmen betreiben heute vielfach Busflotten mit Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. „Wir brauchen standardisierte, direkt zugängliche Fahrzeugdaten. Nur so lassen sich digitale Betriebsprozesse verlässlich und effizient organisieren, Abhängigkeiten von herstellerspezifischen Cloud-Systemen verringern und faire Wettbewerbsbedingungen bei der Fahrzeugbeschaffung sichern“, sagte Ingo Wortmann, Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).
Daten über eine physische Schnittstelle bereitstellen
Proprietäre Cloud-Lösungen und herstellerspezifische Schnittstellen würden einen hohen Integrations- und Pflegeaufwand erfordern, so der VDV. Daten sollten daher vorrangig über eine physische Schnittstelle direkt im Fahrzeug bereitgestellt werden. Der VDV Fordert in seinem neuen Positionspapier „Datensouveränität und Effizienzsteigerung durch standardisierten, fahrzeugseitigen Datenzugang im ÖPNV“ die konsequente Umsetzung der VDV-Schrift 238 als einheitliche, fahrzeugseitige Schnittstelle für den Zugang zu Fahrzeugdaten bei Bussen.
Eine einheitliche Schnittstelle reduziert IT-Komplexität
Der VDV betont, dass mit dem EU Data Act der direkte Zugang zu Produktdaten europarechtlich gestützt wird. Nur durch Standardisierung der Daten lassen sich Echtzeitanwendungen, stabile Betriebsabläufe und Datenverfügbarkeit auch bei Störungen der Mobilfunkverbindung absichern. Mit der VDV-Schrift 238 liegt dafür ein Branchenstandard vor. „Eine einheitliche Schnittstelle reduziert IT-Komplexität, senkt Wartungsaufwand und verringert die Fehleranfälligkeit im Betrieb“, so Wortmann.
Zugang zu umfangreichen Daten
Für einen wirtschaftlichen und sicheren Busbetrieb, insbesondere bei emissionsfreien Antrieben, reiche ein begrenzter Datensatz nicht aus, so der VDV. Verkehrsunternehmen benötigen den in der VDV-Signalliste definierten Datenumfang, darunter auch Daten zum elektrischen Antriebsstrang und zu Fahrzeugdiagnosen. Diese Informationen sind für Wartung, Verfügbarkeit und Betriebssteuerung erforderlich.
Voraussetzung für faire Vergabeverfahren
Ein herstellerneutraler, standardisierter Datenzugang sei zugleich Voraussetzung für faire Vergabeverfahren. Wenn bei jedem Fahrzeugwechsel neue proprietäre Schnittstellen integriert werden müssen, entstünden zusätzliche Kosten und neue Abhängigkeiten. Die VDV-Schrift 238 schafft die Grundlage, um Fahrzeuge verschiedener Hersteller in bestehende IT-Systeme einzubinden und Wahlfreiheit bei der Beschaffung zu sichern.
VDV sieht Position der Verkehrsunternehmen gestärkt
„Der EU Data Act stärkt die Position der Verkehrsunternehmen. Für einen verlässlichen und wirtschaftlichen Betrieb brauchen wir standardisierte, direkt zugängliche Fahrzeugdaten und keine neuen Abhängigkeiten von proprietären Cloud-Systemen“, so Wortmann abschließend. Das Positionspapier „Datensouveränität und Effizienzsteigerung durch standardisierten, fahrzeugseitigen Datenzugang im ÖPNV“ ist hier abrufbar.