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Busreisen & Preissteigerungen: Kunden buchen zögerlich

Bei Busreisenden kommt die Reiselust "nach Corona" eher schleppend in Fahrt. Neben einer noch immer bestehenden Angst vor Ansteckung sind es dier Ukraine-Konflikt und vor allem die aktuellen Preissteigerungen, die Kunden von Busreisen absehen lassen.
© Foto: iStock/Marko Rupena

Busreisen ohne Corona-Einschränkungen sind wieder möglich – doch werden Reiseangebote von den Kunden auch wieder wie vor „Corona“ angenommen? Dieser Frage ist der Verband Nordrhein-Westfälischer Omnibusunternehmen (NWO) e.V. im Rahmen einer Mitgliederbefragung nachgegangen.


Datum:
15.06.2022
Autor:
Judith Böhnke
Lesezeit: 
3 min
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Das Ergebnis: die Situation bleibt angespannt. Aber nicht nur „wegen Corona“. Den maßgeblichen Einfluss – der sich vermutlich noch weiter verstärken wird – üben Ukraine-Krise und vor allem die steigenden Preise aus.

Voran geht es also nur sehr, sehr langsam. Auf die Frage, in welchem Umfang die Unternehmen in NRW Fahrten seit Ende des Lockdowns durchgeführt haben, antworteten 

  • 38,5 Prozent mit bis 50 Prozent des Umsatzes vor Corona,
  • 32,3 Prozent bis 30 Prozent,
  • 11,5 Prozent bis 70 Prozent und
  • 8,3 Prozent bis 10 Prozent des Umsatzes vor Corona.

Diese Zahlen begründen einen kleinen Hoffnungsschimmer, denn in der vorherigen Abfrage Anfang Juli 2021 sahen sie noch ganz anders aus: 72,4 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie Fahrten nur bis zu einem Umfang von 10 Prozent durchgeführt hatten. 10,3 Prozent kamen auf 30 Prozent und 6,9 Prozent auf eine Auslastung von 50 Prozent.

Derzeit werden zum überwiegenden Teil werden Tagesfahrten gebucht (88,3 Prozent). Ein weiterer Trend ist, dass das Reisen innerhalb Deutschlands bevorzugt wird: 97,9 Prozent der befragten Unternehmen fahren innerdeutsche Reiseziele an, 35,1 Prozent auch Grenzregionen (Niederlande, Belgien, Frankreich).

Reisen mit dem Bus: wieder mehr Klassenfahrten

Bei den gebuchten Klassenfahrten haben sich die Zahlen ebenfalls etwas erholt, auch wenn sie noch nicht das Niveau vor „Corona“ erreicht haben. Zudem hatte das das NRW-Schulministerium wegen der Pandemie zwischenzeitlich Klassenfahrten untersagt. In der NWO-Umfrage gaben 22,9 Prozent der befragten Unternehmen an, bis 50 Prozent an Buchungseingängen bei Klassenfahrten im Vergleich zu 2019 zu verzeichnen, bei 20,8 Prozent der Unternehmen sind es bis 70 Prozent und bei 18,8 Prozent sogar über 70 Prozent. Auch bei Klassenfahrten haben inländische Ziele mit 97,4 Prozent die Nase vorn.

Busreisen: geht den Kunden das Geld aus?

Das Buchungsverhalten ihrer Kunden bezeichnen 45,8 Prozent der befragten Unternehmen als „spontan“, 32,3 Prozent als „zögerlich“ und 17,7 Prozent antworten mit „hängt von der Reisegruppe ab“. Dass sich die Kunden mit dem Reisen so schwertun, liegt nicht nur daran, dass sie etwa Angst vor einer Ansteckung mit dem Covid-Erreger haben. Vielmehr ist es nach Einschätzung der Umfrage-Teilnehmer die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage, die die Kunden dazu veranlasst, sich gegen Reisen zu entscheiden – ganz gleich, ob Tages- oder Mehrtagesfahrt. 43,8 Prozent der Unternehmen sind der Ansicht, dass der Ukraine-Krieg und seine Folgen für Kunden besorgniserregend sind – was sich möglicherweise aber nur auf Fahren ins Ausland auswirkt. 52,1 Prozent der Befragten denken, dass die Kunden sich weiterhin wegen Corona, besonders wegen Omikron, zurückhalten. 50 Prozent meinen, die massiv gestiegenen Preise sprechen gegen eine Reise.

Dabei haben die Kunden durchaus Verständnis für höhere Preise. „Verständnis“ kann man aber auch haben, wenn man sich Reisen nicht mehr leisten kann. Und gerade in der Zielgruppe der weniger Betuchten, beginnen die Dinge, prekär zu werden. Erst in der vergangenen Woche titelten u.a. Welt, Süddeutsche Zeitung, Focus und RTL, dass jeder sechste Deutsche – bzw. 16 Prozent der Deutschen – wegen der Preissteigerungen auf reguläre Mahlzeiten verzichten. Und selbst wer „mehr“ verdient, geht derzeit sicherheitshalber mit dem Taschenrechner einkaufen und überlegt sich „Spaßinvestitionen“ – zu denen eben auch Reisen zählen – einmal mehr. Da keine Aussicht auf Besserung der Situation besteht, ist zu erwarten, dass Kunden, die (noch) Preisanpassungen im Mietomnibus in Kauf nehmen, das vielleicht nicht mehr lange tun können. Immerhin haben in der NWO-Umfrage noch 54,2 Prozent der Befragten angegeben, dass die Kunden „überwiegend“ höhere Preise akzeptieren. 36,5 Prozent gaben „fast immer“ an.

Busreisen: was kommt 2023?

Vor dem Hintergrund des Gesagten ist wenig verwunderlich, dass das Geschäft mit Reisen für das kommende Jahr 2023 noch gar nicht angelaufen zu sein scheint – zumindest nach der Prognose der NWO-Umfrage. 46,9 Prozent der Unternehmen sagten, nur sehr wenige Buchungen für 2023 zu haben, 44,8 Prozent haben gar keine. Diese Zahlen könnten auch ein Indiz dafür sein, warum der Großteil der Unternehmen (56,3 Prozent) seine Reisen für das kommende Jahr noch gar nicht beworben hat. 32,3 Prozent haben einen Katalog oder Flyer erstellt, 25 Prozent nutzen digitale Werbemaßnahmen und 15,6 Prozent schalten Anzeigen in verschiedenen Medien.

An der NWO-Online-Abfrage hatten sich 23 Prozent der Mitgliedsunternehmen beteiligt.

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