Der Internationale Bustouristikverband RDA hat vor einer einseitigen Antriebswende gewarnt. „Der Reisebus ist weit mehr als ein Verkehrsmittel. Er ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und kulturellen Austausch“, sagte RDA-Präsident Benedikt Esser. In diesem Zusammenhang fordert Esser „Technologieneutralität und eine Umsetzung der Klimaschutzziele, die für die mittelständischen Busunternehmen wirtschaftlich tragbar ist“.
„Die Investitionskosten für E-Reisebusse werden fast doppelt so hoch sein wie für Dieselbusse“, führte Esser aus und erklärte weiter: „Ladepunkte an Hotels und touristischen Zielen fehlen fast vollständig. Auf langen Streckenabschnitten könnten Ladezeiten mit den Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer kollidieren.“
RDA spricht sich für den Einsatz von HVO100 aus
Der RDA fordert daher, den Kraftstoff HVO100 bei den Flottengrenzwerten für Reisebusse anzuerkennen und seine Produktion zu fördern. HVO100 senke die „Treibhausgasemissionen mit der vorhandenen Flotte sofort um rund 89 Prozent“, so der RDA. „Die Mobilitätskosten einer Busreise dürfen nicht weiter steigen, sonst wird das Reisen mit dem Bus für große Teile der Gesellschaft unerschwinglich“, warnte Esser. „Wenn es die Möglichkeit gibt, die Klimaschutzziele mit der bestehenden Reisebusflotte und HVO100 zu erreichen, dann sollte der Gesetzgeber den notwendigen Rechtsrahmen dafür schaffen.“
Die Bus- und Gruppentouristik als Wirtschaftsfaktor
In diesem Zusammenhang weist der RDA darauf hin, dass die Bus- und Gruppentouristik ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist. Busurlaubsreisen und Buskurzreisen erzielten nach Angaben des Verbandes 2025 einen Umsatz von rund 4,33 Milliarden Euro. Hinzu kämen rund 1,52 Milliarden Euro, die die Gäste am Reiseziel für Gastronomie, Handel, Museen und Freizeit ausgeben. Zusammen fließen so jährlich rund 5,9 Milliarden Euro in die Destinationen im In- und Ausland. Das zeige eine Auswertung des RDA Internationaler Bustouristik Verband auf Basis der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen.
Entwicklungen der Bustouristik seit 2019
Die Deutschen unternahmen 2025 rund 2,92 Millionen Busurlaubsreisen ab fünf Tagen und rund 2,15 Millionen Buskurzreisen von zwei bis vier Tagen. Von den Ausgaben profitieren besonders ländliche Destinationen, die laut RDA „ohne Reisebus kaum Gruppen erreichen würden“. Getragen wird die Branche laut RDA von rund 2560 überwiegend mittelständischen Unternehmen im Gelegenheitsverkehr, viele davon Familienbetriebe mit durchschnittlich fünf Reisebussen.
Gegenüber 2019 fehlen laut RDA „rund 22 Prozent der Busurlaubsreisen und 36 Prozent der Kurzreisen“. Eine Busurlaubsreise kostete 2025 im Schnitt 1081 Euro und damit rund 35 Prozent mehr als 2019. Die Gäste reagieren darauf laut RDA mit kürzeren Reisen. Die durchschnittliche Dauer einer Busurlaubsreise sank von 10,7 Tagen im Jahr 2024 auf 9,5 Tage im Jahr 2025.