In einem vom Bayerischen Zentrum für Tourismus (BZT) organisierten Online-Dialog mit Tourismuspraktikern aus Grainau, Füssen, München und dem Internationalen Bustouristikverband RDA zum Thema „Overtourism“ wurde deutlich: Zu viele Gäste sind in Bayern kein flächendeckendes Problem, aber in einigen Regionen ein zeitlich und räumlich beschränktes Phänomen. Es erfordere daher „differenzierte, regionale und gemeinwohlorientierte Ansätze“, so das BZT. Anders als an Hotspots wie Barcelona, Venedig und Mallorca werde dabei ein Zuviel an Gästen in Deutschland medial weniger als Krise, sondern immer häufiger als Management- und Steuerungsproblem dargestellt, so das BZT.
Veränderungen des Reiseverhaltens
„Auffällig ist, dass sich der Diskurs seit den Corona-Jahren von einer reinen Branchenfrage hin zu einer politisch-gesellschaftlichen Debatte verschiebt“, sagte Professor Alfred Bauer, Leiter des BZT. Laut einer aktuellen Studie des BZT unter der Bevölkerung in Deutschland kennen 55 Prozent den Begriff Overtourism bzw. Übertourismus. 46 Prozent haben das Phänomen bereits auf eigenen Reisen – und/oder an ihrem Wohnort – erlebt. Diese persönlichen Erfahrungen wiederum führen bereits bei mehr als der Hälfte der Personen (55 Prozent) zu Veränderungen des eigenen Reiseverhaltens: In der Nebensaison verreisen (61 Prozent), touristische Hotspots meiden (56 Prozent) und anderswo Urlaub machen (49 Prozent) sind inzwischen gängige Anpassungsstrategien.
RDA gegen pauschale Busbeschränkungen
Die Verantwortung zur Lösung des Problems sehen die Befragten sowohl bei den Reisenden (67 Prozent) als auch bei Unternehmen und Politik (40 Prozent). In der Diskussion forderte Stefan Fredlmeier, Geschäftsführer Füssen Tourismus und Marketing, mit Blick auf die Overtourism-Thematik und Schloss Neuschwanstein „ein gemeinwohlorientiertes Destinationsmanagement“ und mehr Formate zur Bürgerbeteiligung. Benedikt Esser, Präsident des Internationalen Bustouristikverbandes RDA, plädierte dafür, dass es auch in der Hauptsaison keine pauschale Busbeschränkungen geben dürfe. Es brauche stattdessen eine „intelligente, datenbasierte Verkehrslenkung“.