Stornopauschale von 40 Prozent in der Eingangsstufe bei Pauschalreiseverträgen unzulässig

10.05.2011 17:24 Uhr

Das Landgericht Köln sprach sich in einem rechtskräftigen Urteil vom 3. November 2010 gegen eine überhöhte Stornopauschale eines Reiseveranstalters aus.

Es verurteilte den Reiseveranstalter, es zu unterlassen, gegenüber Verbrauchern in allgemeinen Geschäftsbedingungen Stornopauschalen in Höhe von 40 Prozent in der Eingangsstufe bei Rücktritt des Verbrauchers bis 30 Tage vor Reisebeginn zu verwenden. Das LG Köln teilte damit die Auffassung der Wettbewerbszentrale, dass eine solche Stornopauschale in der Eingangsstufe überhöht und damit rechtswidrig sei. Der Veranstalter hatte in seinen allgemeinen Reisebedingungen eine Klausel verwendet, nach der die pauschalierten Rücktrittskosten bei Flugreisen bis zum 30. Tag vor Reisebeginn 40 Prozent des Reisepreises pro Person betragen. Hiergegen reichte die Wettbewerbszentrale Klage ein. Das Gesetz sieht vor, dass ein Reiseveranstalter zwar grundsätzlich mit dem Reisenden vertraglich eine Pauschalierung einer angemessenen Entschädigung für den Fall der Stornierung vereinbaren kann (§ 651 i Abs. 3 BGB). Jedoch muss sich die Pauschale an dem branchentypischen Durchschnittsschaden orientieren. Die Vereinbarung einer Pauschale, die den nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge zu erwartenden Schaden übersteigt, ist unwirksam (§ 309 Nr. 5 a BGB). Der Veranstalter verteidigte sich mit dem Hinweis, dass es sich bei den durch die Stornopauschale betroffenen Reisen nicht um normale Kontingentreisen, sondern um solche Reisen handle, die im Wege des „Dynamic Packaging“ zusammengestellt werden (individuelle Zusammenstellung von Einzelleistungen zu tagesaktuellen Preisen). Das Landgericht ließ dieses Argument jedoch nicht gelten. Auch bei dieser Konstruktion von Pauschalreisen sei eine sachliche Rechtfertigung einer Stornopauschale in Höhe von 40 Prozent nicht festzustellen. Der Veranstalter musste nach dieser Entscheidung seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen bis zum 01. April 2011 ändern. (ah) LG Köln, Urteil vom 03.11.2010, Az. 26 O 57/10

MEISTGELESEN


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

WEITERLESEN



NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


www.omnibusrevue.de ist das Online-Portal der monatlich erscheinenden Zeitschrift OMNIBUSREVUE aus dem Verlag Heinrich Vogel, die sich an Verkehrsunternehmen bzw. Busunternehmer und Reiseveranstalter in Deutschland, Österreich und der Schweiz richtet. Sie berichtet über Trends, verkehrspolitische und rechtliche Themen sowie Neuigkeiten aus den Bereichen Management, Technik, Touristik und Handel.