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Neoplan Tourliner: Die Reiseprüfung

© Foto: Sascha Böhnke

Der neue Neoplan Tourliner ist mit jeder Menge Erwartungen in den Markt gestartet. Mittlerweile fährt der Bus bei einigen Unternehmen. Und auch die OMNIBUSREVUE konnte diesen Bus beim Supertest bereits zum dritten Mal beurteilen. Zeit für eine umfassende Analyse.


Datum:
14.07.2017
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Mit dem Neoplan Tourliner ist MAN tatsächlich etwas ganz Besonderes gelungen, nämlich eine Art Metamorphose. Vom unscheinbaren Gesellen hin zum strahlenden Prinzen vollzog dieser Bus eine erstaunliche Wandlung. Erstaunlich deswegen, weil es sich beim aktuellen Fahrzeug keineswegs um eine komplette Neukonstruktion handelt, sondern weil die vorhandene Basis clever genutzt wurde, um darauf einen Bus zu setzen, der Bewährtes mit Innovation verknüpft. Dass man bei einer solchen Vorgehensweise nicht sämtliche Schwachstellen ausmerzen kann, liegt auf der Hand.

Nachdem die OMNIBUSREVUE den Tourliner bereits im vergangenen Jahr Probe fahren durfte und dabei dem Bus jede Menge Potenzial sowohl optisch als auch technologisch attestierte, musste sich das Fahrzeug Anfang des Jahres im Rahmen einer Fernfahrt aus dem Norden Schwedens bis nach Kopenhagen bewähren. Ein typischer Einsatz bei Schnee, Regen, Wind und Sonne, gefahren wurde hauptsächlich auf Schnellstraßen und Autobahnen. Zwei Tage ausreichend Zeit, den Bus in Ruhe kennenzulernen. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeigte sich, dass die neuen Assistenzsysteme nahezu perfekt arbeiten. „Nahezu“ aus dem Grund, da sich der Abstandsregeltempomat bei Regen zuverlässig abschaltete, was aber laut MAN am Prototypen Status des Busses liegen und in der Serie nicht mehr vorkommen soll. Die neuen, serienmäßigen Schaltoptionen Idle-Speed-Driving und Speed Shifting sind eine sinnvolle Ergänzung der MAN TipMatic. Den Fahrer besonders in Stop-and-go-Situationen entlasten soll Idle-Speed-Driving. Dabei fährt der Bus lediglich in der Leerlaufdrehzahl von 600 U/min, wobei die Kupplung nur für den Moment des Gangwechsels geöffnet wird. Das schont die Kupplung und erhöht deutlich den Fahrkomfort, da mögliche Schaltrucke fast komplett entfallen. 

Besonders schnell wird zwischen den Gängen 10, 11 und 12 geschaltet, das soll Geschwindigkeitsverluste verringern. In der Praxis scheint das sehr gut zu funktionieren, so richtig getestet werden konnte das mangels direktem Vergleich nicht, das subjektive Empfinden jedenfalls sprach für äußerst schnelle Gangwechsel. Die beiden neuen Getriebeprogramme gehören zum Gesamtpaket Euro 6C, bei dem die Kraftstoffeffizienz noch einmal erhöht wurde. Dazu zählt auch ein neuer Taumelscheibenkompressor, den der Testbus zwar nicht besaß, der aber bei aktuellen Kundenfahrzeugen bereits verbaut wird. Überhaupt stellt der gesamte Kraftstrang eine konsequente Weiterentwicklung dar, die sukzessive am  rollenden Objekt durchgeführt wird. Dazu gehören auch neue Spannrollen, die derzeit getestet werden und die eine höhere Lebensdauer besitzen sollen. Der Tourliner wird von MAN gerne als neues Fahrzeug bezeichnet, in Anbetracht der Veränderungen, die dieser Bus erfahren hat, soll diese Aussage mal so stehen gelassen werden.


Der Neoplan Tourliner im Supertest

Bildergalerie

© Foto: Sascha Böhnke

Verändertes Design innen wie außen

Großer Wert wurde ja auf ein verändertes Design gelegt im Hinblick auf eine verbesserte Aerodynamik. So etwas geschieht ja bekanntlich nicht zum Selbstzweck, sondern soll primär den Kraftstoffverbrauch bei höheren Geschwindigkeiten senken. Verbrauchstechnisch braucht sich der Tourliner nicht zu verstecken. Die relativ ebenen Autobahn-Etappen schlugen mit Verbräuchen zwischen 18 und 20,5 Litern/100 km zu Buche. Am Testtag herrschte recht starker Wind, was sicher zu berücksichtigen ist. Die beiden Stadtetappen wurden mit deutlich unter 40 Litern/100 km bewältigt und die schwere Landstraße leistete sich mit knapp 38 Litern/100 km auch keinen Ausreißer. Beeindruckend ist übrigens die Drehzahl von gerade einmal 1.080 U/min, was sicherlich auch der Achsübersetzung von i=2,73 geschuldet ist. Der Tourliner muss auf die adaptiven Stoßdämpfer CDC verzichten, seine Einzelradaufhängung in Verbindung mit Stabilisatoren und konventionellen Stoßdämpfern sorgt für den notwendigen Dämpfungs- und Federungskomfort. Das klappt recht gut, lediglich auf der schnell durchfahrenen Schlechtweg Kopfsteinpflaster-Strecke fuhr sich der Bus ein wenig unruhiger als beispielsweise ein Neoplan Cityliner. Durch das neue Design wanderten auch die Außenspiegel ein Stück nach innen, was ein wenig übertrieben wurde, da man sich, um die rechte Positionsleuchte sehen zu können, weit nach rechts neigen muss. Doch hier soll laut MAN Abhilfe geschaffen werden. Die Spiegelsicht ist grundsätzlich gut, auf den Weitwinkelspiegel links oben kann locker verzichtet werden, zumal dieser auch noch ein Stück der vorderen unteren Ecke abbildet, mehr aber leider auch nicht. Ein vollwertiger Rampenspiegel würde mehr Sinn machen. Als Fahrer kann man dennoch recht zufrieden sein mit diesem Bus, denn der Arbeitsplatz ist sinnvoll gestaltet. Sehr schön wurden die Ablagemöglichkeiten auf der linken Seite umgesetzt. Sehr große Fahrer könnten Probleme mit der unzureichenden Sitzverstellmöglichkeit nach hinten bekommen, der OMNIBUSREVUE-Testredakteur mit seinen 1,88 m hatte dagegen für seine Größe nichts zu bemängeln. Das gilt auch für das Multimedia-Center mit seinem 7 Zoll-Touchscreen. Sämtliche Eingaben lassen sich gut tätigen, ein echter Fortschritt im Vergleich zu den lediglich per Drehschalter oder Fernsteuerung zu bedienenden Centern. Kleiner Nachteil des Touch-Systems: Fettfinger sieht man überdeutlich, das übrigens auch auf den schönen, in schwarzem Klavierlack gehaltenen Oberflächen beim Lenkrad oder dem Instrumententräger. Ein Läppchen sollte in Griffweite liegen.
© Foto: Sascha Böhnke

Ein echter Überraschungskandidat

Eine deutliche Verbesserung hat sich beim Licht ergeben. Bei den Hauptscheinwerfern handelt es sich nun um Bi-Xenon-Scheinwerfer, durch verbesserte Reflektoren ist zudem die Lichtausbeute mittlerweile nicht mehr zu beanstanden. Dazu kommen sehr praktische Abbiegeleuchten. LED Hauptscheinwerfer sollen ab Ende 2017 optional zu ordern sein. Die Spiegelungen in der Frontscheibe halten sich in Grenzen, lediglich die Gestelle der Fahrgastsitze sind bei voller Innenbeleuchtung zu erkennen. Die Service-Sets leuchten in LED-Technik und das zweistufig. Sind die Leseleuchten aktiviert, dann glimmen sie, auf Touch-Berührung reagieren sie dann mit voller Helligkeit. Die Leseleuchten werden übrigens komplett angeschaltet, wenn das Innenraumlicht auf volle Stufe gestellt wird und die Servicesets aktiviert sind. Eine durchaus durchdachte Sache. Wie aus der Zeit gefallen wirken dagegen die mit Glühlampen bestückten klobigen Leuchten für die Kofferräume. Aber letztlich machen sie Licht und nur das zählt. Die Fahrgäste erwartet ein durchdachter, heller, in neuen Farben gehaltener Innenraum mit bequemen, langstreckentauglichen Sitzen. Am ruhigsten sitzt es sich hinten. Die Motorgeräuschdämmung ist Neoplan ausgezeichnet gelungen. Bei Tempo 100 zeigt das Schallpegelmessgerät gerade mal einen Wert von 62 dBA an, das ist ein exzellenter Wert. Anders sieht das im Bereich der Mitteltür und der Front aus. Während vorn der Wind einen großen Einfluss auf das Geräuschniveau hat, gemessen wurden 68 bzw. 67 dBA, werden in der Mitte sowohl die Roll- und Außengeräusche als auch das Lüftergeräusch vom Kofferraum übertragen. 66 bzw. 67 dBA sind nicht so ideal. Möglicherweise hatten aber auch die verbauten Conti-Reifen ihren Anteil an der Lautstärke, die fabrizierten nämlich auf Beton-Untergrund ein lautes, fast unangenehm zu nennendes Rollgeräusch, während sie auf Asphalt fast lautlos liefen. Insgesamt überwiegen selbstverständlich die positiven Faktoren, der Tourliner ist ein mehr als spannendes Fahrzeug in einem heiß umkämpften Segment. Sein geringes Gewicht bei gleichzeitig gelungener Umsetzung aktiver und passiver Sicherheitssysteme zeugt von hoher Wirtschaftlichkeit. Dazu kommt ein attraktiver Preis. Wenn ihm nicht wieder der kommende neue MAN Lion's Coach dazwischen grätscht, dürfte der Tourliner nicht bloß Alternative, sondern Ideenträger und Mess-latte für viele andere sein. Unser Urteil: Der Neoplan Tourliner ist ein echter Überraschungskandidat. Mit viel Tamtam auf der letztjährigen IAA präsentiert, zeigt sich nun auch nach mehreren Monaten auf der Straße, dass nicht zu viel, aber eben auch nicht zu wenig versprochen wurde. Für den Bereich der preiswerten Reisehochdecker bewegt sich dieser Bus auf einem derart hohen Niveau, dass es für den Wettbewerb nicht leicht ist, dran zu bleiben. Das alles ist umso bemerkenswerter, da es sich beim Tourliner nicht um eine Neukonstruktion handelt. Vielmehr hat man sämtliche zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt, um den Bus fit zu machen für die nächsten Jahre. Dazu kommt eine frische Optik, die endlich wieder Lust auf Tourliner macht. (sab)
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