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Voller Kraft nach vorn

© Foto: Sascha Böhnke

So langsam hebt sich der Schleier über dem Dickicht voller Vermutungen: Den Neoplan Cityliner wird es auch zukünftig geben. Zahlreiche Maßnahmen sorgen dafür, dass nicht nur die ECE R66.02 erreicht wird, auch in Sachen Effizienz fährt der Edel-Liner ganz weit vorn mit. Die OMNIBUSREVUE hat sich schlau gemacht.


Datum:
10.04.2017
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Das Erste, was auffällt, fällt eigentlich kaum auf. Denn diese Veränderung ist recht unscheinbar. Gemeint sind die dunklen Blenden, die nun die Frontscheinwerfer zieren: Der Cityliner fährt ab sofort leicht geschminkt vor. Dazu ein LED-Tagfahrlicht-Leuchtring, das kann sich sehen lassen. Optisch war es das dann aber auch schon mit den Veränderungen. Ein Cityliner war ein Cityliner, ist ein Cityliner und wird wohl immer ein Cityliner bleiben. Und das ist gar nicht mal so schlecht, denn nach wie vor funktioniert sein Designkonzept, dessen Hauptmerkmal seine gestreckte, flache Erscheinung ist. Innen geht es aufgeräumt mit einem Hauch edler Anmutung zu. Alles, was ein Reisebus der gehobenen Kategorie braucht, bringt der Cityliner mit. Und beim Blick auf die walzenförmigen Lüftungsdüsen über den Fahrgastsitzen kommt ein unerklärliches Gefühl von Wehmut auf, zeigt sich doch, dass auch die Vergangenheit Bestand haben kann. Dieser Bus ist schon oft beschrieben worden, seine Vor- und Nachteile wurden herausgestellt, auch die OMNIBUSREVUE hat über die Sicht in die Außenspiegel gemeckert und sich über das grandiose Fahrverhalten gefreut. All das ist geblieben und dennoch ist der aktuelle Cityliner nun der Beste, den es je gab. Und das hängt damit zusammen, dass seine Entwickler diesen Bus nie aufgegeben haben, verkörpert er doch DEN Neoplan-Geist überhaupt. Wer Omnibus-Geschichte verstehen will, der muss Cityliner gefahren sein.

Bei Neoplan (MAN) ist es ja meist so, dass dort tolle Dinge entwickelt und verbaut werden, man aber nicht so viel Aufhebens darum macht. Das überlassen die Münchner lieber dem Wettbewerb. Ein wenig schade ist das schon, denn was die Busse können, ist Weltklasse. Das beginnt beispielsweise ganz hinten im Heck, beim Antrieb. Der 460 PS-starke D26 fährt in der Schadstoffklasse Euro 6c vor, dabei handelt es sich um eine Art verschärfte, optimierte Euro 6-Norm, bei der auch gleich die Leistung angepasst wurde. So wurde die Nennleistung auf 338 kW angehoben, das maximale Drehmoment um 200 Nm auf nun 2.300 Nm erhöht. Das setzt schon bei niedrigen 930 Umdrehungen pro Minute ein und das spürt man deutlich. Nicht nur beim Überholen, sondern erst recht auf der Autobahn, wo selbst sichtbare Steigungen ohne zu murren im zwölften Gang genommen werden. Rückschaltungen erfolgen nun deutlich seltener. Mehr Kraft hat auch der neue beziehungsweise optimierte ZF Intarder IT 3 Power Bus erhalten. Das maximale Bremsmoment wurde von 3.200 Nm auf 4.000 Nm erhöht. Die Bremsleistung beträgt 500 kW statt vorher 420 kW, das sind nur 20 kW weniger als sie der Konkurrent Voith mit dem ebenfalls sehr guten Aquatarder schafft. Der Intarder hat die Motorbremse EVBec integriert beziehungsweise vorgeschaltet. Dabei handelt es sich um eine Art verstärkte Motorbremse. Sie ermöglicht durch die elektronische Regelbarkeit des Abgasgegendrucks eine bessere Bremswirkung über das gesamte Betriebsdrehzahlband und schafft damit eine hohe Bremsleistung auch bei niedrigen Geschwindigkeiten. Im praktischen Fahrbetrieb spürt man das Mehr an Leistung auf jeden Fall. Sehr schön ist auch, dass es keine Bremskraftunterbrechungen während des Kuppelns gibt. Und angenehm ist eben auch, dass in der ersten Retarder-Stufe erst die EVBec sanft einsetzt – damit ist ein Bremsen mit hohem Fahrgastkomfort möglich.

© Foto: Sascha Böhnke

Neoplan Cityliner gehört nicht zum alten Eisen

Wo gebremst wird, ist das Schalten nicht weit. Auch in diesem Bereich hat MAN Verbesserungen verbaut. Im Getriebe MAN TipMatic kommt eine neue Anfahr und Schaltstrategie zum Einsatz, die auf die D26-Motoren angepasst ist. Außerdem sind einige neue Funktionen enthalten: Die neue Getriebefunktion SmartShifting optimiert die Effizienz und den Komfort beim Schalten, sie kombiniert einen neuen, schnellen Schaltablauf in allen Gängen, die Hochschaltunterstützung sowie das Schalten passend zur Fahrsituation. So werden zwischen den Gängen 10 und 11 sowie 11 und 12 durch das sogenannte Speed Shifting die Gänge schneller eingelegt. In der Fahrpraxis ist auch das zu spüren, wenngleich besonders schaltkritische Situationen ja häufig am Berg bei geringeren Geschwindigkeiten und damit eher etwas niedrigeren Gängen vorkommen. Ausgereift wirkt der topografiebasierte Tempomat MAN EfficientCruise mit der neuen Funktion EfficientRoll. Dabei handelt es sich um eine Freilauffunktion, die den Bus in passenden Situationen mit Leerlaufdrehzahl rollen lässt. Per Schalter kann der Fahrer die Hysterese bestimmen, also die Werte, die die maximale Verlangsamung unter den eingestellten Tempomat-Wert beziehungsweise die maximale Erhöhung über diesen festlegen. Auf dem gefahrenen Teststück der Autobahn A8 tauchte entsprechend im Display nicht nur sehr oft die kleine Eco-Mitteilung über einen aktiven Efficient-Cruise auf, sondern auch sehr oft ein zweites, zusätzliches Eco-Symbol, welches die „Segelfunktion“ anzeigte. Gut zu beobachten dabei auch immer am Drehzahlmesser, dessen Zeiger dann auf die Leerlaufdrehzahl schwenkte. Akustisch kann man die Drehzahlabsenkung übrigens kaum wahrnehmen, der Cityliner fährt sensationell leise. Dazu trägt sicher auch die neue viscose geregelte Kühlmittelpumpe bei, die gerade im Fernbetrieb 80 Prozent der mechanischen Leistung reduziert. Das ist sozusagen eine echte Bedarfsgemeinschaft. Unser Urteil: So schnell wird der Neoplan Cityliner nicht zum alten Eisen gehören. Optisch spielt er ohnehin in einer, seiner eigenen Liga und technisch wurden dem Bus zahlreiche „Jung-Zellen“ eingepflanzt. Sein Fahrwerk inklusive Fahrverhalten zählt nach wie vor zum Besten am Markt, die verbauten Sicherheitssysteme entsprechen aktuellen Anforderungen. Dazu gehört auch die aktuelle Überrollnorm, die in den Fahrzeugen ab Juni dieses Jahres ihre technische Entsprechung findet. Natürlich gibt es noch zu bemängelnde Kleinigkeiten, die sind aber bekannt und werden echte Cityliner Fans nicht abschrecken. Jetzt erst recht nicht, denn dieser Bus ist auf dem besten Weg, ein moderner Klassiker zu werden. (sab)
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