Verstopfte Straßen, verspätete Busse, überfüllte Straßenbahnen – in vielen Ballungsräumen und Städten wird der tägliche Weg zur Arbeit zur Zerreißprobe. Bielefeld ist Koordinator eines Großprojektes, das mit 16 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert wird. Das ehrgeizige Vorhaben will die Mobilität in Nordwesteuropa nachhaltig verbessern. Gleichzeitig soll die Effizienz des ÖPNV erhöht werden. Neben der Ostwestfalen-Metropole beteiligen sich neun weitere Städte und Regionen an dem Verkehrsprojekt „Boosting Advanced Public Transport Systems (BAPTS)“. „Bielefeld wurde ausgewählt, weil wir ein sehr gutes und differenziertes Angebot besitzen“, sagt Ingeborg Grau. Die Abteilungsleiterin des Amtes für Verkehr vertritt mit ihrer Dienststelle die Stadt Bielefeld als Koordinatorin. „Im Rahmen von BAPTS werden wir uns auf gemeinsame Projekte und den Erfahrungstausch untereinander konzentrieren.“ Als Partner sind Frankfurt, Liège, Lille, Dublin, Nantes, Darlington, Southend-on-sea, Luxemburg und Eindhoven dabei. „Die Aufgabe der Bielefelder wird es sein, Treffen zu organisieren, die Etats zu verwalten und den Programmverantwortlichen regelmäßig Bericht zu erstatten“, so Grau. In Kooperation mit dem ostwestfälischen Mobilitätsdienstleister moBiel beteiligt sich Bielefeld mit insgesamt vier Konzepten an dem europäischen Vorhaben. „Wir beschäftigen uns zum Beispiel mit der Frage, welche Auswirkungen der demografische Wandel auf den Öffentlichen Personennahverkehr hat. So wollen wir etwa erforschen, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit wieder mehr ältere Menschen Bus und Bahn fahren.“ Generell hat das Thema Kommunikation und Marketing einen großen Stellenwert. Grau: „Viele Menschen halten öffentliche Verkehrsmittel für dreckig und unpünktlich. Wir fragen, wie man diesem Vorurteil begegnen kann. Welche Anreize müssen wir bieten?“ Darüber hinaus beschäftigen sich die Bielefelder Verkehrsexperten mit Events wie Weihnachtsmarkt oder Mitternachtsshopping. „Um einen drohenden Verkehrskollaps zu verhindern, wollen wir die Leute dazu bewegen, bei solchen Veranstaltungen auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Auch das Fahrrad soll stärker eingebunden werden“. Ein weiteres Thema der Bielefelder ist das Dynamische Verkehrsmanagement. Rund 1,6 Millionen Euro stehen jeder Stadt zur Verfügung. Davon werden 50 Prozent von der EU gefördert. Die restlichen 800.000 Euro müssen die Städte selbst finanzieren.
Bielefelder Amt für Verkehr koordiniert EU-Projekt
Projekt zur Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs in Nordwesteuropa.