Die Rufbusse in Mecklenburg-Vorpommern wurden im vergangenen Jahr von etwa 370.000 Menschen Jahr genutzt, wie aus Daten der Landesregierung hervorgeht. Im Vergleich zu 2024 bedeutet dies teilweise deutliche Zuwachsraten. In Nordwestmecklenburg etwa hat sich die Zahl der beförderten Passagiere zwischen 2024 und 2025 von 41.311 auf 86.473 mehr als verdoppelt. Aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen wird gar eine Verzehnfachung der Fahrgastzahlen gemeldet – dort war das Rufbussystem „VVR-Surfer“ im Juni 2024 an den Start gegangen. Auch der Landkreis Rostock legt Wachstumszahlen vor: Von 27.531 Fahrgästen 2024 wuchs die Zahl auf 63.953 im vergangenen Jahr. Der Rufbus war im März 2024 gestartet.
Ziel ist ein flächendeckendes Netz
Das Netz an Linien und Angebotszeiten ist in MV seit dem Start der sogenannten „Mobilitätsoffensive“ der Landesregierung 2023 deutlich gewachsen. Ziel ist ein flächendeckendes, stündliches Angebot, das die Menschen überall im Land zuverlässig buchen können. Eine 100-Prozent-Flächenabdeckung melden bisher die Landkreise Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg, Rostock und die Mecklenburgische Seenplatte. In Vorpommern-Greifswald waren per 1. November vergangenen Jahres 54 Prozent der Fläche abgedeckt, in Vorpommern-Rügen 78 Prozent, wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage im Landtag hervorgeht.
Starke Nachfrage sorgt für Mangel bei Fahrern und Fahrzeugen
Das Rufbus-Konzept für den ländlichen Raum hat bei näherer Betrachtung allerdings ein paar Haken. So musste im Landkreis Ludwigslust-Parchim im vergangenen Jahr fast jede fünfte Anfrage (19 Prozent) abschlägig beschieden werden, weil kein Fahrzeug oder Fahrer für den angefragten Zeitpunkt verfügbar war. In den Landkreisen Rostock und Vorpommern-Greifswald war es laut Landesregierung sogar etwa jede vierte Anfrage (26 Prozent bzw. 23 Prozent). Der Geschäftsführer des Verkehrsbetriebs des Landkreises Ludwigslust-Parchim (VLP), Stefan Lösel, sagt, von Absagen betroffen seien vor allem stark nachgefragte Zeitfenster. Zwei Stunden später gehe es dann oft. „Das hilft jetzt dem Azubi oder Pendler nicht“, räumt er ein. Aber die ältere Dame, die zum Einkaufen in die Stadt wolle, könne ausweichen.
Zuschussbedarf steigt
Lösel hat in MV die längste Erfahrung mit Rufbussen. Schon vor zehn Jahren startete er mit den ersten Linien in Ludwigslust-Parchim. Er kann auch die meisten Fahrgäste vorweisen: gut 130.000 waren es 2025 nach rund 119.000 im Jahr davor und 112.000 im Jahr 2023. Mit wachsenden Nutzerzahlen wird der zweite Haken des Rufbus-Systems größer: der Zuschussbedarf. Die Gesamtkosten stiegen bei Lösel zwischen 2023 und 2024 von 4,8 auf 6,7 Millionen Euro. Für 2025 liegen die Zahlen noch nicht vor. Das Land stellte 2,4 beziehungsweise 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. 2025 waren es 2,6 Millionen Euro. Die Lücke muss aus eigenen Einnahmen und Zuschüssen des Landkreises gefüllt werden. Sie wird bisher mit jedem zusätzlichen Nutzer größer.
VLP sieht weiteres Potenzial
Der zur Verfügung gestellte Zuschuss des Landes zum Rufbus-System stieg landesweit von 13 Millionen Euro (2023) über 13,5 Millionen (2024) auf zuletzt gut 14,1 Millionen Euro. Dieses Jahr soll das System überprüft werden. VLP-Chef Lösel wünscht sich dabei auch eine Überprüfung, „ob sich das Land angesichts der deutlich gestiegenen Inanspruchnahme nicht stärker beteiligen muss“. Denn Lösel geht davon aus, dass der Zuspruch zu den Rufbussen weiter wachsen wird. „Wir haben bei uns im Landkreis derzeit etwa 1.000 Anfragen pro Tag. Ich sehe das Potenzial für 25.000.“ Dafür werde es nicht annähernd genügend Fahrer geben. Lösel setzt deshalb auf autonome Rufbusse. In bundesweiten Modellprojekten, an denen die VLP beteiligt ist, werde an der Einführung gearbeitet.