Autonomes Fahren: Eine große Chance für den ÖPNV?

09.06.2026 12:36 Uhr | Lesezeit: 3 min
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Das Potenzial fahrerloser Kleinbusse liege vor allem darin, das Angebot des ÖPNV zu erweitern, so die Agora Verkehrswende
© Foto: MVG/SWM

Die Bundesregierung will gemeinsam mit anderen europäischen Ländern den grenzüberschreitenden Einsatz von autonom fahrenden Fahrzeuge koordinieren. Große Chancen sieht man darin gerade für den ÖPNV.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat am Rand des Verkehrsministerrats der Europäischen Union eine gemeinsame Absichtserklärung mit sechzehn weiteren Mitgliedstaaten unterzeichnet, um die Entwicklung und den Einsatz autonom fahrender Fahrzeuge im regulären Verkehr europaweit besser zu koordinieren. „Autonomes Fahren ist nicht nur eine technische Neuerung, sondern eine zentrale Zukunftstechnologie für unsere Mobilität. Gerade im öffentlichen Personennahverkehr und im Gütertransport entstehen dadurch neue Chancen für mehr Effizienz, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Teilhabe“, sagte Schnieder anlässlich der Unterzeichnung.

Großflächiger Einsatz automatisierter Fahrzeuge

Mit der Initiative könne man gemeinsam mit den Nachbarn Frankreich und Luxemburg die „bestehenden trilateralen Testfeldaktivitäten aufbauen“, sagte Schnieder. Gemeinsam mit allen anderen unterzeichnenden Mitgliedstaaten wolle man „den großflächigen Einsatz automatisierter Fahrzeuge im regulären Verkehr und über nationale Grenzen hinweg ermöglichen“, sagte Schnieder. Die Testfelder sollen den Betrieb autonomer Fahrzeuge unter realen Bedingungen ermöglichen. Dabei sollen laut Ministerium einheitliche europäische Standards für Technik, Sicherheit und Infrastruktur entwickelt werden. Als Anwendungsfälle ist laut Bundesverkehrsministerium unter anderem der ÖPNV – inklusive Robotaxis – vorgesehen. Auf nationaler Ebene sind neben dem Kraftfahrtbundesamt die Länder Baden-Württemberg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Saarland an der Initiative beteiligt.

Autonomes Fahren als Chance für den ÖPNV

Autonom fahrende Fahrzeuge würden für den ÖPNV vielversprechende neue Möglichkeiten eröffnen, meint auch die Denkfabrik Agora Verkehrswende. So könnten autonome und hochautomatisierte Straßenfahrzeuge die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Nahverkehrs erhöhen und ländliche Regionen besser anschließen, schreibt die Agora Verkehrswende in einem aktuellen Papier. In ihrem Papier empfiehl die Denkfabrik den Regelbetrieb von Fahrzeugen in großen Modellregionen und für eine bundesweite Allianz der beteiligten Akteure aus Politik, Wirtschaft und Forschung für die koordinierte Umsetzung.

Neue ÖPNV-Angebote im ländlichen Raum

Das Potenzial fahrerloser Kleinbusse liege vor allem darin, das Angebot des ÖPNV zu erweitern. Als On-Demand-Shuttles, die per App angefordert werden, sei „ihr Betrieb teils wirtschaftlicher und flexibler als konventioneller Linienbusverkehr“, so die Denkfabrik. Das ermögliche insbesondere dünn besiedelten Gebieten besseren Zugang zum ÖPNV-Netz. Die Erprobung solcher Systeme beschränke sich in Deutschland aber noch auf kleine lokale Projekte.

Übergang von Pilotprojekten in den Regelbetrieb

„Autonome Fahrzeuge können insbesondere auf dem Land allen Menschen eine saubere Mobilität garantieren – sofern sie ins ÖPNV-System integriert werden“, sagte Yannick Thoma, Projektleiter Digitalisierung und Autonomes Fahren bei Agora Verkehrswende. „Die Bundesregierung hat in dieser Frage den richtigen Kurs eingeschlagen, doch bislang bleibt es bei kleinteiligen Erprobungsprojekten. Es braucht jetzt mehr Tempo, wenn Deutschland im internationalen Wettbewerb nicht den Anschluss verlieren will. Mit wenigen, aber großen Modellregionen kann jetzt der Übergang zum Regelbetrieb gelingen und ausreichend Nachfrage für eine Fahrzeugproduktion in Deutschland erzeugt werden.“

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