In den vergangenen Monaten hat der Bushersteller MAN einen Lion’s City 12 E in enger Zusammenarbeit mit seinem neuen Partner ADASTEC mit einem Automated Driving System (ADS) ausgestattet und dieses in die Elektronikarchitektur des Fahrzeugs integriert. Man habe mit dem Bus „einen wichtigen Meilenstein im Bereich des automatisierten Fahrens erreicht“, so MAN Truck & Bus. „Damit machen wir einen weiteren wichtigen Schritt hin zur automatisierten urbanen Mobilität“, sagte Barbaros Oktay, Head of Bus bei MAN Truck & Bus. ADASTEC ist ein spezialisierten Anbieter für automatisierte Fahrsysteme. Das Unternehmen entwickelt Softwarelösungen für automatisiertes Fahren auf SAE-Level 4.
E-Bus geht auf Testfahrt im Münchner Stadtverkehr
Im Rahmen des Forschungsvorhabens MINGA soll die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) das Fahrzeug ab Herbst im Münchner Stadtverkehr testen. Der Bus verfügt über fünf Lidar-Sensoren, sechs Radare, acht Kameras und GNSS (Global Navigation Satellite System) und sei damit „technisch in der Lage, automatisiert zu fahren“, erklärte MAN. Aktuell würden erste Erprobungsfahrten auf dem MAN-Gelände stattfinden, bei denen unter anderem spezifische Fahrmanöver wie das Heranfahren an Bushaltestellen getestet werden. Ziel dieser Phase sei „die Feinjustierung des Systems, die Gewinnung von wichtigen Betriebsdaten sowie die weitere Optimierung der automatisierten Fahrfunktionen“.
"Das Fahrzeug wird dabei unter anderem eigenständig lenken, Gas geben, bremsen und blinken."
Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN
Sicherheitsfahrer ist an Bord des Busses
Im Anschluss an die Erprobung auf MAN-Gelände soll der automatisierte Elektrobus im Straßenverkehr in München unterwegs sein – zunächst ohne Fahrgäste. Diese Fahrten sollen als finale Testphase unter realen Bedingungen dienen. Im Herbst soll die MVG dann den offiziellen Pilotbetrieb mit einer geschlossenen Nutzergruppe starten. „Das Fahrzeug wird dabei unter anderem eigenständig lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Ein Sicherheitsfahrer ist an Bord, um die Systeme zu überwachen“, erklärte Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN. Dabei ist auch vorgesehen, das Feedback der Testnutzer systematisch auszuwerten.
MAN plant ein vollautomatisiertes Serienfahrzeug
Insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Städte und eines zunehmenden Fahrermangels in der Nutzfahrzeugbranche würden automatisierte Systeme großes Potenzial zur Sicherstellung und Verbesserung des Mobilitätsangebots bieten, betonte MAN. „Darüber hinaus kann autonomes Fahren dazu beitragen, Verkehrsunfälle auf den Straßen zu reduzieren und damit die Sicherheit zu erhöhen“, so Roth. Die Erkenntnisse aus dem MINGA-Projekt sollen direkt in die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeuggenerationen einfließen. MAN plane, „in der nächsten Dekade ein vollautomatisiertes Serienfahrzeug auf SAE-Level 4 auf den Markt zu bringen“, so der Bushersteller. Das Interesse von Verkehrsunternehmen an autonomen Bussen sei „riesig“, sagte Oktay.
Förderung durch das Bundesverkehrsministerium
Das Forschungsvorhaben MINGA (Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons) wird seit 2023 mit insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft umgesetzt. Ziel ist es, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren und zentrale Fragestellungen zu Technik, Regulierung, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit und Betrieb zu beantworten. Gefördert wird das Projekt dabei bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro durch das Bundesverkehrsministerium (BMV) im Rahmen der Förderrichtlinie „Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren“. Projekte wie der vollelektrische, automatisierte Stadtbus von MAN in München seien „wegweisend für den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland. Wir unterstützen solche Vorhaben ausdrücklich“, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU).