Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Testbetrieb, erklärten Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), Deutsche Bahn und Holon, die gemeinsam an dem Projekt beteiligt sind, in einer Erklärung. „Mit Kira+ knüpfen wir an die bisher gesammelten Erfahrungen zum autonomen Fahren an und erproben die weiterentwickelte Technologie in Fahrzeugen, die für den Einsatz im ÖPNV entwickelt wurden. Wir kommen damit der von uns anvisierten Modellregion im RMV einen entscheidenden Schritt näher“, sagte Knut Ringat, Vorsitzender der RMV-Geschäftsführung, laut Mitteilung. Das Ziel sei es, in naher Zukunft autonome Angebote in den regulären ÖPNV zu integrieren.
Holon stellt das Fahrzeug
Bei Kira+ kommt der barrierefrei ausgelegte Holon urban zum Einsatz, der mit autonomer Fahrtechnologie von Mobileye ausgestattet ist. Das für den öffentlichen Nahverkehr entwickelte Fahrzeug bietet im Testbetrieb fünf Sitzplätze für Fahrgäste sowie einen Rollstuhlplatz. Wird der Rollstuhlplatz genutzt, stehen drei Fahrgastsitze zur Verfügung. Das vorgesehene Betriebsgebiet baut auf dem bis Ende 2026 laufenden Vorgängerprojekt Kira auf. Dadurch sollen bereits vorhandene Kompetenzen für den autonomen Betrieb, wie die Leitstelle, weiter genutzt werden. Auch sonst fließen Erfahrungen aus Kira und weiteren Projekten zum autonomen Fahren ein. Auf dieser Basis will man mit Kira+ „weitere Erkenntnisse für den künftigen Einsatz autonomer Fahrzeuge im regulären ÖPNV“ gewinnen werden, so die Beteiligten.
Eine Modellregion für autonomes Fahren im ÖPNV
Ziel ist die Vorbereitung einer Modellregion für autonomes Fahren im ÖPNV. Gemeint ist laut den Projektbeteiligten „damit ein definiertes Gebiet, in dem autonome Mobilitätsangebote nicht mehr nur in einzelnen Pilotprojekten getestet werden, sondern Teil des regulären öffentlichen Nahverkehrs sind“. Dafür erprobe und untersuche Kira+ den Betrieb der selbstfahrenden Fahrzeuge und die On-Demand-Buchungsprozesse insbesondere mit Blick auf ihre Skalierbarkeit. Die Buchung wird über die projekteigene App von Ioki erfolgen. Während der Fahrten wird stets Sicherheitspersonal dabei sein, das die autonomen SAE Level 4 Fahrten überwacht.
Autonome Fahrzeuge in großer Zahl als Teil des ÖPNV
„Kira+ ist für uns ein wichtiger Schritt in Deutschland“, sagte Sven Herzig, Geschäftsführer bei Holo. Entscheidend sei dabei die Zielrichtung. „Mit dem RMV und DB Regio arbeiten hier zwei der großen Akteure des deutschen ÖPNV auf eine Modellregion hin, in der autonome Fahrzeuge in großer Zahl Teil des regulären Angebots werden sollen. Diese Größenordnung ist der Maßstab, an dem sich autonome Mobilität messen lassen muss.“ Kira+ ist eines von fünf Testfeldern im Förderprojekt „MILA.mobility“, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird. Als Halter der Fahrzeuge verantwortet Holon die fahrzeugbezogenen Genehmigungen sowie die Instandhaltung, bei der DB Regio unterstützt. DB Regio ist für die personenbeförderungsrechtlichen Genehmigungen und für den Betrieb der autonomen Fahrzeuge verantwortlich.
Betriebsgenehmigungen deutlich beschleunigen
Apropos Genehmigungen zum autonomen Fahren: Ein Partnerkonsortium aus Verkehrsunternehmen, Technologieanbietern und Behörden will gemeinsam Grundlagen entwickeln, um eine Betriebsbereichsgenehmigung „schnell und effizient“ auf den Weg zu bringen, sobald die ersten Fahrzeuge auf den Markt kommen. Die Ergebnisse sollen direkt in künftige Genehmigungsverfahren in Hessen und Bayern einfließen, damit will man den Übergang vom Pilotbetrieb in den Regelbetrieb deutlich beschleunigen. Zum Partnerkonsortium gehören neben der DB Regio, der Rhein-Main- Verkehrsverbund (RMV), der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV), das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), die Landesbaudirektion Bayern München, Hessen Mobil – Straßen- und Verkehrsmanagement, Dekra, die Unternehmen Holon und Mobileye, der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), UnternehmerTUM mit MCube Consulting, sowie die RödlL Beratungsgesellschaft.
Zwei Genehmigungsstufen notwendig
Der Weg zum fahrerlosen Betrieb führt über zwei Genehmigungsstufen. Die erste ist die Typgenehmigung des Fahrzeugs. Mit dem Projekt bereitet das Konsortium die zweite entscheidende Stufe vor: die Betriebsbereichsgenehmigung durch die zuständigen Landesbehörden. Diese Genehmigung definiert unter anderem, auf welchem Straßennetz ein Fahrzeug aufgrund der Fähigkeiten seines Selbstfahrsystems fahrerlos eingesetzt werden darf. Konkret umfasst das Vorhaben vier Arbeitsschritte:
- Erstens wird die Beschreibung der Fahrzeugfähigkeiten für eine Typgenehmigung am Beispiel des Holon urban vereinheitlicht.
- Zweitens werden zwei Betriebsbereiche – einer in Hessen und ein weiterer in Bayern – detailliert beschrieben.
- Drittens erfolgt ein automatisierter Abgleich des gewünschten Betriebsbereichs mit den Fähigkeiten des Fahrzeugs auf Basis realer Straßeninfrastrukturdaten.
- Viertens wird ein vollständiger Genehmigungsdurchlauf inklusive Prüfung durch einen Technischen Dienst bis hin zum behördlichen Bescheid exemplarisch durchgespielt und dokumentiert. Ein rechtsverbindlicher Bescheid ist damit nicht verbunden.
Leitplanken für Verkehrsunternehmen
Das Projekt startet im Oktober 2026 und läuft bis zum Sommer 2027. In diesem Zeitraum sollen neben den technischen Beschreibungen auch Genehmigungsformulare, Abläufe und formale Anforderungen an die eingereichten Unterlagen erarbeitet werden, so die Beteiligten. Verkehrsunternehmen soll damit künftig „klare Leitplanken“ erhalten, welche Informationen in welcher Struktur notwendig sind. Für die Fahrzeugseite ist die Wiederholbarkeit des Verfahrens der entscheidende Punkt. Erst wenn ein einmal beschriebenes Fahrzeug in verschiedenen Regionen nach demselben Verfahren genehmigt werden kann, entsteht die Planbarkeit, die Serienfertigung und ein Hochlauf in der Fläche voraussetzen.