Autonomes Fahren: Drei private Unternehmen schließen strategische Partnerschaft

04.09.2026 11:30 Uhr | Lesezeit: 3 min
Partnerschaft_autonomes_Fahren_Vetter_MoPla_Bliq
Julian Glaab (Bliq), Professor Sebastian Trojahn von der Hochschule Anhalt), Thomas Vetter (Vetter Verkehrsbetriebe), Professor Jörg Bagdahn (Präsident der Hochschule Anhalt), Landrat Andy Grabner und Marcus Gleau, Projektleiter Autonomes Fahren, MoPla Solutions/Vetter Verkehrsbetriebe (v.l.n.r.)
© Foto: Vetter Verkehrsbetriebe / MoPla Solutions GmbH / Bliq GmbH

Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld wollen drei Partner im kommenden Jahr autonome Fahrzeuge auf die Straße bringen. Ziel ist die Integration in den ÖPNV-Regelbetrieb.

Im Rahmen ihrer strategischen Partnerschaft wollen die drei Unternehmen Vetter Verkehrsbetriebe, MoPla Solutions und die Bliq autonome Shuttle-Lösungen als „festen, sicheren und skalierbaren Bestandteil künftiger Mobilitätskonzepte“ etablieren. Mit einem sogenannten Letter of Intent (LOI) bekräftigen die Unternehmen ihre Absicht, die Einführung des autonomen Fahrens im öffentlichen Nahverkehr voranzutreiben. Alle drei Partner sind privatwirtschaftlich organisiert, dies soll die Kooperation „besonders schlank und umsetzungsstark“ machen, so der selbst formulierte Anspruch.

Kompetenzen der drei Unternehmen bündeln

Mit dem LOI sollen die jeweiligen Kompetenzen gebündelt werden. Die Vetter Verkehrsbetriebe bringen ihre Expertise im ÖPNV- und On-Demand-Betrieb sowie den Zugang zu Einsatzgebieten, Leitstellen und Fahrgästen ein. MoPla Solutions steuert die eigene digitale Mobilitätsplattform bei, über die Linienverkehr, Rufbusse, On-Demand-Fahrten und Ticketing gebündelt werden, und bringt über die MoPla myway-Flotten Erfahrung in Ride-Pooling, Disposition und Abrechnung mit. Bliq bringt die fahrzeug- und softwareseitige Technologie für autonomes Fahren ein. Nach eigenen Angaben ist Bliq „das erste Unternehmen mit einer EU-Zulassung für den Betrieb ohne Sicherheitsfahrer im Fahrzeug“.

Autonome Shuttles der Automatisierungsstufe SAE Level 4

Ausgangspunkt ist ein gemeinsames Pilotprojekt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, das die Vetter Verkehrsbetriebe seit Mai 2026 vorbereiten. Langfristiges Ziel ist die Integration autonomer Shuttles der Automatisierungsstufe SAE Level 4 in den ÖPNV-Regelbetrieb. Parallel dazu eröffnet der von Bliq entwickelte Ansatz einer fernüberwachenden technischen Aufsicht (Remote Supervision) bereits jetzt die Möglichkeit, autonome Shuttles im Landkreis kommerziell einzusetzen – während die aufwändigere L4-Zulassung vorbereitet wird, kann so schon kurzfristig ein realer Fahrgastbetrieb entstehen. Das Projekt wird wissenschaftlich von der Hochschule Anhalt begleitet.

Partner planen einen ambitionierten Hochlauf

Konkretes Ziel ist es, 2027 fünf autonome Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, die für Fahrgäste im Landkreis buchbar sind. Als Basisfahrzeuge dienen der Hyundai Ioniq 5 mit 800-V Ladepower und mit dem KIA PV5 sogar ein 7-Sitzer. In den Folgejahren ist ein ambitionierter und skalierter Hochlauf vorgesehen, der auch weitere Bediengebiete einschließen soll. Tests, Demonstratoren und Feldversuche sollen gemeinsam geplant und ausgewertet werden.

Betriebsmodell für autonome Mobilität

Nach der Fördermittelzusage im Juli und der politischen Abstimmung mit dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld sowie dem Land Sachsen-Anhalt ist mit Bliq nun ein technologischer Systempartner benannt, mit dem die weiteren Schritte konkretisiert und umgesetzt werden. „Mit der Partnerschaft von Vetter, MoPla und Bliq gehen wir einen entscheidenden Schritt hin zu einem übertragbaren Betriebsmodell für autonome Mobilität im ländlichen Raum“, sagte Andy Grabner, Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld. Es gehe darum, „Mobilität dort zu sichern, wo klassische Linienangebote an ihre Grenzen stoßen“. Anhalt-Bitterfeld wolle hier Vorreiter für Sachsen-Anhalt sein.

Auf Mobilitätsbedürfnisse im ländlichen Raum ausrichten

„In einigen Großstädten, insbesondere in den USA und China, ist das autonome Fahren bereits Normalität und auch in Deutschland sollen demnächst Modellprojekte starten. Bislang fehlen jedoch Projekte, die die Potenziale des autonomen Fahrens gezielt auf die Anforderungen und Mobilitätsbedürfnisse ländlicher Räume ausrichten“, sagte Professor Jörg Bagdahn, Präsident der Hochschule Anhalt, der abschließend hinzufügte: „Wir von der Hochschule Anhalt freuen uns, das Projekt mit unserem wissenschaftlichen Know-how zu unterstützen.“

HASHTAG


#Autonomes Fahren

MEISTGELESEN


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


www.omnibusrevue.de ist das Online-Portal der monatlich erscheinenden Zeitschrift OMNIBUSREVUE aus dem Verlag Heinrich Vogel, die sich an Verkehrsunternehmen bzw. Busunternehmer und Reiseveranstalter in Deutschland, Österreich und der Schweiz richtet. Sie berichtet über Trends, verkehrspolitische und rechtliche Themen sowie Neuigkeiten aus den Bereichen Management, Technik, Touristik und Handel.