„Wo man gut essen kann, fährt man gerne hin“, sagte Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), bei einer Anhörung des Ausschusses für Tourismus am Mittwoch, 25. Februar, im Bundestag, in der das Thema Kulinarik auf der Tagesordnung stand. Kulinarik sei nicht „Begleitprogramm“, sondern ein zentraler Erlebnis- und Identitätsanker des Reiselandes Deutschland, betonte Hedorfer. Viele Touristen legen Wert auf gute Kulinarik am Reiseziel.
Kulinarik als Faktor bei der Wahl des Reiseziels
Für jeden sechsten deutschen Urlauber sei das kulinarische Angebot sogar der entscheidendste Faktor bei der Wahl des Reiseziels, erklärte Professor Marco A. Gardini, stellvertretender Leiter des Bayerischen Zentrums für Tourismus. Gardini bezeichnete in der von der Vorsitzenden Anja Karliczek (CDU) geleiteten Anhörung die Kulinarik als „essenzielles Destinationsmerkmal Bayerns“. Das klassische bayerische Wirtshaus sei ein über die Landesgrenzen hinweg etabliertes gastronomisches Produkt und Kulturgut.
Fachkräftemangel, Bürokratie und Kostendruck
Klaus Fischer, Geschäftsführer der „Allgäu GmbH - Gesellschaft für Standort und Tourismus“, sagte, das Allgäu definiere sich über eine untrennbare Einheit aus Landschaft, Landwirtschaft und Genuss. Die gastronomischen Familienbetriebe seien die „Bewahrer und Botschafter“ des kulinarischen Erbes, indem sie Rezepte für regionale Spezialitäten wie den traditionellen „Allgäuer Kässpatzen“ bewahren und weitergeben würden. Die nächste Generation sei essenziell für die Weiterentwicklung der gastronomischen Betriebe. Genau wie Gardini nannte auch Fischer als große Probleme der Gastronomie die Betriebsnachfolge, den Fachkräftemangel sowie den Kosten- und Steuerdruck.
Einzelne Betriebe können Kreislauf nicht durchbrechen
„Unsere Region hat Natur. Wir haben Wälder, Ruhe, Landschaft. Das ist schön, aber davon allein bleibt kein Betrieb offen“, brachte es der Hotelier Brandon Thompson aus Südpfalz-Terrassen Gleiszellen auf den Punkt. Viele Anbieter würden nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr öffnen, „weil es sich schlicht nicht rechnet“. Dann passiere Folgendes: Gäste fänden nichts zu essen oder zu trinken, würden nicht bleiben und nicht mehr wiederkommen. Daraufhin verliere die Region weiter an Attraktivität. „Das ist ein Kreislauf, den einzelne Betriebe nicht durchbrechen können“, warnte Thompson.
Gastronom beklagt zunehmende Bürokratie
Aus der Sicht des Hoteliers fehlen echte Anreize, damit „aus einem Ausflug ein Aufenthalt“ werde. Es brauche eine praktische Infrastruktur mit sichtbaren Angeboten und eine klare Erzählung, warum man genau hier Urlaub machen solle. „Ohne etwas, das Gäste anzieht, überlebt niemand – weder Gastronomie noch Hotellerie“, warnte Thompson, der auch die zunehmende Bürokratie beklagte. Regionale Kulinarik scheitere nicht am Willen der Betriebe und nicht am Interesse der Gäste. „Sie scheitert dort, wo niemand dafür sorgt, dass Menschen überhaupt kommen.“
Ruf nach einer deutschlandweiten Strategie
Jan-Peter Wulf, Redakteur und Fachjournalist für Gastronomie, sagte, derzeit finde sich in Deutschland ein „Flickenteppich“ von Strategien und Initiativen – „engagiert, aber überregional nur wenig unterstützt und koordiniert“. Sehr zu begrüßen wäre aus seiner Sicht eine „deutschlandweite Identifizierung, Kartierung, Bündelung und Förderung“. In anderen Länder wie Österreich gebe es so etwas. Wulf kritisierte auch, dass die Familienbetriebe in der Landwirtschaft und Gastronomie zu wenig unterstützt würden.