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49-Euro-Ticket: Neue Debatte zur Kundenfreundlichkeit

Das bundesweit nutzbare Nahverkehrsticket soll im neuen Jahr zum Einführungspreis von 49 Euro pro Monat kommen und an das beliebte 9-Euro-Ticket aus dem Sommer anknüpfen
© Foto: iStock/Eplisterra

Inzwischen ist klar: Das Sommer-Schnäppchenticket für den Nahverkehr soll einen Nachfolger bekommen - gut fünfmal so teuer, aber jetzt als dauerhaftes Lockangebot. Wird 2023 zum Jahr der "Öffentlichen"?


Datum:
28.12.2022
Autor:
Sascha Meyer/dpa
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Für Millionen Fahrgäste in ganz Deutschland soll das 49-Euro-Ticket Busse und Bahnen günstiger und attraktiver machen - und Neugierde bei vielen Noch-Nicht-Kunden wecken gleich mit dazu. Nach langem Streit ums Geld haben Bund und Länder den Weg endgültig geebnet. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) spricht von der "größten Tarifreform" im bisher regional geprägten Nahverkehrssystem. Doch viele praktische Modalitäten sind jetzt erst noch zügig zu regeln, damit der angestrebte Start im Frühjahr 2023 klappt.

Die Verbraucherzentralen fordern eine möglichst flexible Ausgestaltung. Die Chefin des Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir plädieren für einen breiten Zugang zum 49-Euro-Ticket, das auf allen Vertriebswegen gekauft werden kann und bei dem man sich nicht mindestens für ein Jahr an ein Abo binden muss." Inzwischen habe man indes den Eindruck, "dass das Gezerre dem Vorhaben nicht gutgetan hat". Man wisse nicht genau, wann das Ticket komme und wer es wie bekomme. Es sehe so aus, als ob Bund und Länder "eine möglichst schmale Variante" auf den Weg bringen wollten.

Kündigungsoption möglichst einfach gestalten

Das bundesweit nutzbare Nahverkehrsticket soll im neuen Jahr zum Einführungspreis von 49 Euro pro Monat kommen und an das beliebte 9-Euro-Ticket aus dem Sommer anknüpfen. Der Starttermin ist offen, die Länder peilen den 1. April an. Vorgesehen ist ein digital buchbares, monatlich kündbares Abo. Bund und Länder hatten letzte Finanzfragen geklärt. Sie wollen Milliardenkosten zum Ausgleich von Einnahmeausfällen bei Verkehrsbetrieben 2023 je zur Hälfte tragen. "Der Schwung, den es im Sommer mit dem 9-Euro-Ticket gab, ist unter die Räder gekommen", sagte Verbraucherschützerin Pop. "Wenn es ein digitales Abo-Modell wird, ist es kein Zeichen dafür, dass möglichst viele Menschen Bus und Bahn nutzen sollen. Man darf nicht vergessen, dass es Haushalte gibt, die nicht mal eben so ein Jahresabo abschließen können oder sich diese finanzielle Verpflichtung nicht auferlegen möchten." Wenn es zu einem Abo kommen solle, brauche es "einen dicken, großen Kündigungsbutton, der auch sichtbar ist. Der ist gesetzlich vorgeschrieben, und darauf werden wir genau schauen."

Auch andere Verbände fordern, das neue Ticket ebenfalls an Automaten und Verkaufsschaltern anzubieten. Wissing sieht es aber ausdrücklich auch als einen wichtigen Schritt hin zur Digitalisierung. Niemand solle ausgegrenzt werden, argumentierte der Minister. Man müsse kein Smartphone haben, es könne auch eine einfache Chipkarte sein. Anders als Papierfahrscheine liefere ein digitales Ticket aber Daten, wie viele Menschen zu welcher Uhrzeit von wo nach wo fahren. Das seien wichtige Information für eine präzisiere Planung des Angebots. Diskutiert wird auch über den Preis.

Bundesweites Sozialticket gefordert 

Mit 49 Euro wird das Ticket für Millionen Pendlerinnen und Pendler billiger als jetzige Monatskarten und Jahresabos. "Gerade in Zeiten, in denen alle Preise steigen, ist eine Preisdämpfung bei der Mobilität ein wichtiges Vorhaben", sagte Pop. Klar ist allerdings auch, dass es sich bei den 49 Euro um einen "Einführungspreis" handeln soll - spätere Erhöhungen möglich. "Weil es eben kein 9-Euro-Ticket mehr ist, muss es auch ein bezahlbares Angebot für diejenigen geben, die kein hohes Einkommen haben", sagte Pop. Viele Verkehrsverbünde hätten heute Sozialtickets. "Aus unserer Sicht ist es notwendig, dass es im nächsten Schritt, der schnell zu erfolgen hat, auch ein bundesweites Sozialticket für 19 Euro gibt."

Die Branche bereitet eine Großoperation für die Umsetzung vor. Denn anders als bei der befristeten 9-Euro-Sonderaktion geht es nun um einen dauerhaften und nahezu kompletten Systemwechsel im gesamten Nahverkehrstarif, wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen erläuterte. Bisher gibt es diverse Fahrpreise und Konditionen je nach Region. Deswegen müssen quer durch die Republik Tarifbestimmungen, Verkaufsprozesse, Kontrollen und die Einnahmenaufteilung neu geregelt werden. Auch eine große Informationskampagne soll vor dem Start her. Die Erwartungen an einen kräftigen Impuls für die "Öffentlichen" sind hoch. "Zu einer richtigen Nahverkehrswende gehört mehr als nur ein neues Ticket", sagte Pop. Dazu gehöre ebenso ein weiterer Ausbau der Infrastruktur und des Angebots.

Verbraucherschützer für Verbesserung der Fahrgastrechte

Druck machen die Verbraucherzentralen überhaupt für mehr Verlässlichkeit und erweiterte Fahrgastrechte. "Die vergangenen Monate haben leider gezeigt, dass die Deutsche Bahn und deren Infrastruktur sich in einem verheerenden Zustand befinden", sagte Pop. Probleme mit Verspätungen hätten drastisch zugenommen. "Angesichts dessen sollte das Recht auf Entschädigung schon bei 30 Minuten Verspätung greifen", bekräftigte die Verbandschefin. Hier könnte man unbürokratisch mit 10-Euro-Gutscheinen arbeiten. "Es muss dringend eine Verbesserung der Fahrgastrechte kommen, wenn schon die Verbesserung der Infrastruktur noch einige Jahre auf sich warten lässt." Derzeit haben Fahrgäste ab 60 Minuten Verspätung am Ziel Anspruch auf eine Entschädigung von 25 Prozent des Fahrpreises. (Sascha Meyer/dpa)

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