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Deutschlandticket: Branchenverbände sehen Probleme nur aufgeschoben

23.01.2024 11:40 Uhr | Lesezeit: 4 min
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Der VDV sieht beim Deutschlandticket weiterhin große finanzielle Unsicherheiten für die Verkehrsunternehmen
© Foto: NVV

Der Preis des Deutschlandtickets soll zumindest in diesem Jahr nicht erhöht werden, die grundlegenden Finanzierungsprobleme sind aber weiter ungelöst.

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Nach der Einigung der Verkehrsminister vom Montag, 22. Januar, den Preis des Deutschlandtickets im laufenden Jahr nicht zu erhöhen, sprach Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) mit Blick auf die Preisstabilität von einer „gute Nachrichtt“. Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz (VMK) sagte am Dienstag im „Morgenecho“ von WDR 5 allerdings auch: „Ich würde jetzt keine Prognose für die nächsten Jahre abgeben.“

Die Verkehrsminister der Länder hatten in einer Sonderkonferenz festgelegt, dass der Preis von monatlich 49 Euro für das Deutschlandticket im Gesamtjahr 2024 stabil bleiben soll. Ganz bewusst habe man bei der Konferenz aber die Preise für die Folgejahre nach 2024 für dieses Abo-Ticket noch nicht festgelegt, berichtete Krischer. Man könne nicht sagen, dass es auch nach 2024 immer beim Monatspreis von 49 Euro bleiben werde. Krischer zufolge wird zunehmend an Verfahren gearbeitet, um die Preisfindung künftig automatisierter zu gestalten – damit es nicht jedes Mal große politische Diskussionen gebe oder die Grundsatzfrage zum Deutschlandticket gestellt werde.

„Jedes vernünftig wirtschaftende Unternehmen würde bei solchen Zahlen die Reißleine ziehen und eine moderate Preisanpassung auf den Weg bringen“, warnt bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard
© Foto: bdo

bdo: Probleme werden nur vertagt

Kritik am Beschluss der VMK kommt vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen. Ohne eine Preisanpassung bleibe das Hauptproblem des deutschlandweit gültigen Nahverkehrsticket ungelöst, denn das Deutschlandticket sei weiterhin nicht auskömmlich finanziert, so der bdo. Gleichzeitig fehle die „Nachschusspflicht“. Die Aufgabenträger „haben damit keine Garantie, dass sie die Mindereinnahmen durch das Deutschlandticket ausgeglichen bekommen“, kritisierte der bdo.

„Die Prognosen sprechen eine klare Sprache. Ohne Preisanpassung werden beim Deutschlandticket 2025 bis zu zwei Milliarden Euro fehlen. Entsprechend stark wird der Ticketpreis im nächsten Jahr steigen müssen, um das Defizit auszugleichen“, sagte bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard. „Jedes vernünftig wirtschaftende Unternehmen würde bei solchen Zahlen die Reißleine ziehen und eine moderate Preisanpassung auf den Weg bringen.“

Falls das Deutschlandticket 2024 teurer werde als die prognostizierten vier Milliarden Euro würden die Aufgabenträger auf den Kosten sitzen, warnte Leonard. „Denn die sogenannte Nachschusspflicht wird weiterhin ausgeschlossen. Dabei wäre es ganz einfach. Die Länder müssten den Tarif nur verbindlich vorgeben. Das tun die allermeisten Länder jedoch nicht und weigern sich, damit das Risiko zu übernehmen. Ohne Ausgleichsgarantie werden viele Aufgabenträger aber aus dem Ticket aussteigen müssen. Somit wäre das Deutschlandticket Geschichte“, führte die bdo-Hauptgeschäftsführerin aus.

„Niemand überbringt gerne schlechte Nachrichten. Aber mit dem gestrigen Beschluss hat die VMK kein einziges Problem gelöst, sondern nur vertagt. Im Laufe des Jahres werden sich Bund und Länder mit Sicherheit wieder über die Finanzierung des Tickets streiten. Das Deutschlandticket bekommt wieder schlechte Presse und die Politikverdrossenheit der Menschen wird weiter zunehmen“, sagte Leonard.

„Wer das Deutschlandticket dauerhaft will, muss wirtschaftliche Planungssicherheit und ein Ende der Unsicherheiten über die Zukunft Tickets sicherstellen“, betont VDV-Präsident Ingo Wortmann
© Foto: VDV

VDV: Finanzierungsrisiken bleiben

Als einen „richtigen Schritt, um die Attraktivität des Deutschlandtickets zu erhalten und somit weitere Fahrgäste dafür zu gewinnen“, bezeichnete der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) den Beschluss der Verkehrsministerkonferenz. Es gebe allerdings keine Zusage, dass Einnahmeverluste, auch wenn sie über die zwischen Bund und Ländern vereinbarten Mittel hinausgehen, vollständig ausgeglichen werden, sieht der VDV weiterhin bestehende Finanzierungsrisiken. Die Länder fordern hierzu zwar den Bund auf, seiner Zusage zur Übertragung der Restmittel aus dem vergangenen Jahr nachzukommen. Dies sei „aber keine Garantie, die die komplette Finanzierung des Tickets sicherstellt“. Für die Verkehrsunternehmen bedeute dies ein Risiko durch eine mögliche Finanzierungslücke von bis zu einer Milliarde Euro im Jahr 2024.

„Für die Fahrgäste ist der Beschluss zur Preisstabilität beim Deutschlandticket eine gute Nachricht. Der Branche fällt es damit leichter, das Ticket weiterhin stark zu vermarkten und die Nachfrage zu steigern“, sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann, fügte aber hinzu: „Aber es fehlen noch die haushalterischen Schritte, die Finanzierungslücke, die uns durch Einnahmeausfälle entsteht, vollumfänglich auszugleichen. Erst wenn aus den bisherigen Prognosen zu möglichen Einnahmeverlusten die Ergebnisse auf Basis der harten Verkaufszahlen vorliegen, wissen wir, ob die Ausgleichszahlungen ausreichen. Das bedeutet bis dahin weitere große finanzielle Unsicherheiten für die Branche.“

Wortmann betonte daher: „Wer das Deutschlandticket dauerhaft will, muss wirtschaftliche Planungssicherheit und ein Ende der Unsicherheiten über die Zukunft Tickets sicherstellen.“

Bernreiter: Preis wird nicht zu halten sein

Aus Sicht von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) wird sich die Einigung der Länder, das Deutschlandticket bis Ende 2024 bei 49 Euro zu halten, voraussichtlich nicht wiederholen. „Der Preis wird dauerhaft nicht zu halten sein, aber er wird nicht exorbitant steigen“, sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2 Radiowelt am Morgen). Dass bisher etwa 10,5 Kunden das Angebot nutzen, ist laut Bernreiter kein großer Erfolg. „Da ist mit weit höheren Nutzungszahlen gerechnet worden“, sagte der Landesverkehrsminister. Um das Ticket auch in Zukunft zu finanzieren, seien etwa eine Million neue Nutzer nötig.

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