Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos

© Foto: Sascha Böhnke

Die deutsche Busbranche hat unter den Auswirkungen der Ausbreitung des Corona Virus zu leiden. Dabei lässt sich treffend feststellen: Wer Panik sät, der wird nichts Gutes ernten.


Datum:
05.03.2020

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Dabei sind es weniger die tatsächlichen Erkrankungen, die für massenhafte Stornierungen gebuchter Reisen sowie die Nichtbuchung bevorstehender Reisen sorgen, als vielmehr die teilweise Endzeit-schürende Berichterstattung in vielen Medien, die die Menschen massiv verunsichern. So mag es hilfreich für das Generieren von Klickzahlen sein, wenn wieder und immer wieder von Einschränkungen im täglichen Leben, von Hamsterkäufen, von möglicher Überforderung im Gesundheitswesen im Zusammenhang mit dem Corona Virus geschrieben oder im Fernsehen berichtet wird, einer sachlichen Vermittlung von Fakten ist es gewiss nicht dienlich. Würde man dem Duktus der Panik-Medien folgen, befänden wir uns doch an anderer Stelle längst in der Apokalypse: Während in Deutschland noch niemand an Corona gestorben ist, gibt es laut Arbeitsgemeinschaft Influenza vom Robert Koch Institut  in dieser Grippe-Saison schon über 200 Grippe-Tote.  119.280 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle wurden an das Robert-Koch-Institut übermittelt, bei 19.819 (17 Prozent) Fällen wurde angegeben, dass die Patienten hospitalisiert waren. 

Dabei ist natürlich zu beobachten, dass Behörden und Politik alles unternehmen, um eine flächendeckende Ausbreitung des neuartigen Corona Virus zu verhindern, was im Einzelfall durchaus zu bemerkenswerten Situationen führt. Dazu zählen beispielsweise die Schließung ganzer Betriebe, die Absage großer Veranstaltungen wie der ITB in Berlin oder das vereinzelte Schließen von Schulen. Das alles ist richtig und wichtig, dient es doch der Corona-Prävention und zeugt gerade von einem handlungsfähigen Staat. Wann in solchen Fällen jedoch von einer kontraproduktiven Berichterstattung zu sprechen ist, ist dann gegeben, wenn solche Maßnahmen benutzt werden, um möglichst viele Leser und Zuschauer zu binden. In dieser Situation seitenweise Anleitungen und Listen für eine Bevorratung zu Hause zu veröffentlichen, hilft keinem. Im Gegenteil, es beraubt beispielsweise diejenigen, die wirklich auf Desinfektionsmittel angewiesen sind, lebenswichtiger Dinge. 

Das Ergebnis einer solchen Verunsicherung erlebt die Busbranche derzeit hautnah. Wer sich aufmerksam bei Busunternehmern umhört, stellt fest, dass die Sorgen der Reisenden nicht an konkreten Fällen festgemacht werden können, dennoch ernst genommen werden müssen. Was Deutschland derzeit durchmacht, ist die Angst vor Kontrollverlust, die Angst vor der eigenen Hilflosigkeit und natürlich auch die Angst vor Tod und Leiden, so abstrakt das auch wirken mag. Wenn es in einem Land wie Deutschland, in dem so gut wie jede nur denkbare Situation per Gesetz und Bestimmungen geregelt ist, zu einer Situation wie der derzeitigen kommt, für die es eben noch keine abschließende Lösung gibt, dann fällt es dem Menschen extrem schwer, damit umzugehen. Die Folge sind das Einigeln, der Verzicht auf jede Art gesellschaftlichen Lebens. 

Im Reiseverkehr besonders betroffen sind derzeit Touren nach Italien, wobei es keine Rolle spielt, ob dort nur Ziele angesteuert werden, die nicht als Hochrisiko-Gebiet gelten. Dennoch gibt es zurzeit immer noch zahlreiche Unternehmen, die auch Italien anfahren, und zwar durchaus mit Erfolg. Das lässt hoffen, dass noch nicht alle Menschen in den Panik-Modus verfallen sind, so, wie es leider viele Medien versuchen darzustellen. Doch die klassische Mehrtagesfahrt ist nur die eine Seite der Medaille. Wegbrechende Incoming-Verkehre, abgesagte Klassenfahrten oder fallende Buchungszahlen im Fernbusgeschäft sind die andere Seite. Wie ernst es insgesamt bestellt ist, lässt sich unter anderem an der eiligen Umfrage des RDA zu Schäden durch das Coronavirus festmachen, welche Anfang dieser Woche landesweit gestartet wurde.  So hieß es am 3. März in einer Presseverlautbarung: „Die Rückmeldungen aus den Unternehmen erreichen uns im Minutentakt. Es ist zu erkennen, dass die gesamte Branche erheblich betroffen ist. Der Buchungsrückgang liegt zwischen 20 bis 35 Prozent zum Vorjahr. Die wirtschaftliche Herausforderung für die Betriebe ist beispiellos. Der RDA wird sich bei der Bundesregierung für rasche und unkomplizierte Hilfsmaßnahmen einsetzen“, so RDA Präsident Benedikt Esser. Anfang kommender Woche will der RDA erste Schlüsse aus den Unternehmensmeldungen ziehen und konkrete Forderungen an die Regierung verabschieden. Längst ist die Brisanz des Themas bei sämtlichen Busverbänden angekommen, welche teils unterschiedliche Herangehensweisen zeigen. Dabei geht es sowohl um konkrete Handlungsanweisungen und Hilfsmittel wie Aussteigekarten, Coronavirus-Infoblätter oder Hygiene-Informationen, die den Fahrgästen in die Hand gegeben werden, als auch um Treffen der Verbände mit der Politik.

Anfang dieser Woche war Anja Ludwig, Stellvertretende Hauptgeschäftsführerin vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) e.V. im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, um mit verantwortlichen Politikern dringende Themen wie die finanzielle Unterstützung der Busunternehmen zu erörtern. Wie diese konkret ausfallen muss, soll in der nächsten Zeit beraten werden. Klar ist, es geht um außergewöhnliche Maßnahmen, die dafür sorgen, dass der Branche schnell geholfen wird. Immerhin erreicht das Corona-Virus die Busbranche in einer denkbar ungünstigen Zeit. Besonders im Winter ist die finanzielle Decke vieler Busunternehmen noch nicht stark ausgeprägt, das gerade anlaufende Frühlings-Geschäft wird mit voller Wucht getroffen. Zu bedenken gilt auch, es sind nicht nur die Stornobelastungen, die ausbleibende Buchungen oder die Fixkosten, die auch stehende Busse produzieren, die problematisch sind: Wenn Unternehmen in ihrer Ausrichtung sehr einseitig aufgestellt sind, kann es zu einer beachtlichen Schieflage kommen. 

Dabei lässt es sich beim besten Willen derzeit nicht voraussagen, in welche Richtung sich die Verbreitung des Corona-Virus bewegen wird. So kann es durchaus sein, dass mit den ersten wärmenden Frühlingssonnenstrahlen das Ganze zum Erliegen kommt. Aber auch, wenn das nicht der Fall ist, kann durch schnelles, energisches und vor allem sinnvolles Handeln gerade von Seiten der Politik die Reisebranche geschützt und gestützt werden.

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KOMMENTARE


Michael

11.03.2020 - 13:25 Uhr

Hoffen wir das Beste!


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