-- Anzeige --

Fahrermangel: Branchenverbände rufen nach grundlegenden Reformen

Fahrermangel: Branchenverbände rufen nach grundlegenden Reformen
Ohne genügend Berufskraftfahrer würden Verkehrswende und Deutschlandticket zur Utopie, warnt der bdo
© Foto: iStock/olaser

Vier Verbände der Bus- und Güterverkehrsbranche machen in einem gemeinsamen Papier Vorschläge für eine einschneidende Reform der Berufskraftfahrer-Ausbildung.


Datum:
23.02.2023
Autor:
Thomas Burgert
Lesezeit:
5 min
1 Kommentare

-- Anzeige --

Mit Blick auf den immer stärker zunehmenden Fahrermangel in der Bus- und Güterverkehrsbranche haben vier Branchenverbände in gemeinsames Positionspapier für eine grundlegende Reform der Berufskraftfahrer-Ausbildung erstellt und sich in einem Brief an Brief an Oliver Luksic, den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium (BMDV) gewandt. Das Papier finden Sie hier.

Ohne zügige Reformen werde sich der Berufskraftfahrermangel in der Güterkraftverkehrs- und Busbranche „gravierend verschärfen und noch deutlichere Auswirkungen auf Wirtschaft, Versorgung und Personenverkehr entfalten“, schreiben der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo), der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) und der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE). Gemeinsam werden sie für eine Reform der Berufskraftfahrer-Ausbildung.

„Eine Hauptursache des enormen Fahrpersonalmangels und der unzureichenden Gewinnung neuer Busfahrer- und Busfahrerinnen ist die komplizierte Umsetzung der europäischen Berufskraftfahrer-Richtlinie, die in Deutschland noch getrennt von der Fahrausbildung unterrichtet und geprüft werden muss. Durch eine Integration der Berufskraftfahrerqualifikation in die Fahrausbildung als ‚2-in-1‘- Modell wäre die Ausbildung weniger zeitaufwändig und deutlich günstiger, aber die Qualität bliebe erhalten“, erklärte Christiane Leonard, bdo-Hauptgeschäftsführerin. „Zudem müssen jetzt zügig die Bürokratiehürden und Sprachbarrieren abgebaut werden. Sonst kann die Mobilität in Deutschland nicht in der bewährten Form aufrechterhalten werden. Verkehrswende und Deutschlandticket werden zur Utopie.“

Im Jahr 2030 fehlen 87.000 Busfahrer

In der Bus- und Güterverkehrsbranche besteht ein gravierender Fahrpersonalmangel: Derzeit fehlen etwa 70.000 Lkw-Fahrer. Da pro Jahr etwa 30.000 Lkw-Fahrer altersbedingt ausscheiden, jedoch nur circa 15.000 den Beruf neu ergreifen, verschärft sich allein durch diese Differenz der Fahrermangel jährlich um etwa 15.000 fehlende Lkw-Fahrer. Auch in der Busbranche folgen zu wenig Nachwuchskräfte auf altersbedingte Abgänge. Laut aktueller bdo-Umfrage vom Januar 2023 fehlen heute bereits 7768 Busfahrer. Aufgrund der zunehmenden altersbedingten Personalabgänge und der geplanten Verkehrswende wird dieser Bedarf bis 2030 auf 87.000 Busfahrer steigen. Die Schienenersatzverkehre für die geplanten, umfangreichen Bahnsanierungsmaßnahmen sind laut bdo „hier noch gar nicht berücksichtigt“.

In ihrem Brief an Staatssekretär Oliver Luksic sichern bdo, BGL, DSLV und BDE ihre vollumfängliche Unterstützung bei der zügigen Umsetzung umfassender und unverzichtbarer Reformen zu. Für einen konstruktiven und lösungsorientierten Austausch schlagen die Branchenverbände dazu kurzfristig einen Runden Tisch vor, um den Interessen der einzelnen Branchen ausgewogen gerecht zu werden.

Konkret schlagen die vier Branchenverbände folgende Maßnahmen vor: Integration der Berufskraftfahrerqualifikation in die Fahrausbildung („2 in 1") unter Beibehaltung der Ausbildungsqualität, Abbau der Sprachbarrieren bei der Berufskraftfahrerqualifikation, Führerscheinerwerb in zusätzlichen Fremdsprachen, Öffnung des Prüfmonopols zur Bekämpfung des Mangels an Prüfterminen, unbürokratische Anerkennung ausländischer Führerscheine, Aufhebung des Wohnortprinzips für den Führerschein und die Berufskraftfahrerqualifikation, Digitalisierung von Aus- und Weiterbildung (E-Learning) sowie der Verwaltung, die Anpassung der Mindestalter-Regelung für Lkw- und Busfahrer und die Reduktion der Führerscheinpflichtstunden für den Busführerschein der Klasse D.

Forderung nach grundlegenden Reformen

„Es braucht grundlegende und einschneidende Reformen, damit eine echte Fachkräftewende gelingen kann. Ein Beharren auf Besitzstände können wir uns nicht länger leisten“, warnte Dirk Engelhardt, BGL-Vorstandssprecher. Jens Loschwitz, BDE-Geschäftsführer, ergänzte: „Es ist unerklärlich, warum es bislang nicht möglich ist, theoretische und praktische Führerscheinprüfungen in unterschiedlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu absolvieren. Die EU-weit einheitlichen Ausbildungsstandards stellen eine qualitativ hochwertige Fahrausbildung sicher. Das bisherige Wohnortprinzip muss daher auf europäischer und nationaler Ebene in ein ‚Unionsprinzip‘ umgewandelt werden. Dafür spricht nicht zuletzt, dass viele Berufskraftfahrer EU-weit im Einsatz sind und nur wenige Sprachen der von ihnen durchquerten Länder sprechen. Niemand käme auf die Idee, darin eine Gefahr für die Sicherheit des Straßenverkehrs zu sehen.“

-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --

KOMMENTARE


venter

23.02.2023 - 21:02 Uhr

Sie können noch so viele "Papiere" vorlegen, noch mehr wischiwaschi verbreiten, der Hauptgrund für den Fahrermangel sind zu niedrige Löhne und bescheidene Arbeitszeiten.


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

-- Anzeige --

WEITERLESEN




NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


www.omnibusrevue.de ist das Online-Portal der monatlich erscheinenden Zeitschrift OMNIBUSREVUE aus dem Verlag Heinrich Vogel, die sich an Verkehrsunternehmen bzw. Busunternehmer und Reiseveranstalter in Deutschland, Österreich und der Schweiz richtet. Sie berichtet über Trends, verkehrspolitische und rechtliche Themen sowie Neuigkeiten aus den Bereichen Management, Technik, Touristik und Handel.