ITB und IT-Trans abgesagt

Die weltgrößte Touristik-Messe ITB in Berlin sowie die Nahverkehrsmesse IT-Trans in Karlsruhe wurden aufgrund der Entwicklung im Zusammenhang mit dem Corona-Virus abgesagt.


Datum:
29.02.2020

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Beide Veranstaltungen sollten in der kommenden Woche stattfinden.

Die ITB Berlin 2020 findet nicht statt. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung des neuartigen Coronavirus COVID-19 haben sich das Bundesgesundheits- und das Bundeswirtschaftsministerium dafür ausgesprochen, die ITB Berlin abzusagen. Das zuständige Gesundheitsamt von Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin hat die Auflagen zur Durchführung der Veranstaltung am frühen Freitag Abend stark erhöht. Unter anderem ordnet die Behörde an: Jeder Messeteilnehmer muss der Messe Berlin belegen, nicht aus den definierten Risikogebieten zu stammen oder Kontakt zu einer Person aus den Risikogebieten gehabt zu haben. Die Auflagen insgesamt seien von der Messe Berlin nicht umsetzbar.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Messe Berlin Wolf-Dieter Wolf erklärt: „In ihrer mittlerweile 54-jährigen Geschichte haben die ITB Berlin und die Messe Berlin noch keine vergleichbare Situation erlebt. Wir danken allen Ausstellern und Partnern auf der ganzen Welt, die der ITB Berlin in den vergangenen Tagen und Wochen beigestanden haben und freuen uns auf eine weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Partnern im Markt.“ Noch einen Tag zuvor ging der Veranstalter von einer Durchführung der Messe aus, wenn auch mit deutlich geringeren Besucherzahlen. So hieß es auf der ITB-Website: "Der Veranstalter rechnet aufgrund der aktuellen Ausbreitung des Coronavirus in Europa mit niedrigeren Besucherzahlen auf der ITB Berlin. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aufgrund der dynamischen Lage derzeit keine Aussage über konkrete Besucherzahlen machen können. Bitte planen Sie genügend Zeit im Voraus für den Einlass bei der ITB Berlin ein, da ggfs Sicherheitsmaßnahmen zu Verzögerungen führen können."

Dass die Absage der Messe nun so kurz vor dem Start der Veranstaltung am 4. März erfolgt, ärgert zahlreiche Aussteller und Teilnehmer, denen bereits hohe Kosten für Stände und Hotelunterkünfte entstanden sind. Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin sagte am Abend, die Entscheidung, die ITB abzusagen, verdiene Respekt. Gleichwohl sei die Absage der Leitmesse mit sieben Milliarden Euro Umsatz ein schwerer Schlag. "Es ist zu befürchten, dass Aussteller und Messebauer auf ihren Kosten sitzen bleiben. Hotels, Gaststätten, dem Handel und dem Taxi-Gewerbe werden in jedem Fall beträchtliche Umsätze entgehen", so Eder. Die für Mai geplante ITB China in Shanghai war vergangene Woche abgesagt worden. Für Berlin habe es bereits deutlich im Vorfeld ernste Anzeichen gegen eine Machbarkeit gegeben. In den Tagen und Wochen zuvor hatten sich immer mehr Aussteller abgemeldet, nicht nur aus China. Die Bundesregierung empfahl Großveranstaltungen von bestimmten Bedingungen abhängig zu machen. Bei der Risikobewertung sollten unverzüglich die Prinzipien des Robert Koch-Instituts (RKI) berücksichtigt werden, teilten Gesundheits- und Innenministerium mit. Bei Anwendung dieser Prinzipien sollten aus Sicht des Krisenstabs "unmittelbar bevorstehende internationale Großveranstaltungen wie die Reisemesse ITB abgesagt werden".

Von der Reisebranche erhielt die Messegesellschaft Rückendeckung. Für den Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft ist laut Presseberichten der Schritt "eine schmerzliche aber auch die einzig richtige Entscheidung und ein Gebot der Verantwortung". Die Absage der Messe stelle auch wirtschaftlich einen harten Einschnitt für die Branche dar. Nach einer Umfrage der Veranstalter schloss die Branche auf der ITB 2019 Geschäfte mit einem Umsatzvolumen von rund sieben Milliarden Euro ab.

Ebenfalls Freitag Abend abgesagt wurde die internationale Messe "IT-TRANS", die kommende Woche in der Karlsruher Messe stattfinden sollte. Wie die Veranstalter in einer Pressemitteilung erklärten, hätten die Anfragen und gesundheitlichen Bedenken der IT-TRANS-Teilnehmer in dieser Woche deutlich zugenommen, da die Medienberichte immer alarmierender wurden. Darüber hinaus hat eine wachsende Zahl wichtiger Unternehmen mit Sitz in der EU eigene Geschäftsreisebeschränkungen für ihre Mitarbeiter erlassen bis hin zu Verboten, sich an Messen oder Kongressen zu beteiligen. Auch namhafte Aussteller der IT-TRANS, wichtige Redner, sowie Konferenzteilnehmer und einige der unterstützenden Verbände haben sich von ihrer Teilnahme an der Veranstaltung zurückgezogen. Dazu gehören auch Siemens Mobility gemeinsam mit den Tochterunternehmen HaCon und eos.uptrade, sowie dem Partner Padam Mobility, die entschieden, den Auftritt auf der IT-Trans 2020 kurzfristig abzusagen. Bereits erworbene Konferenz- und Fachmesse-Tickets sollen ihre Gültigkeit behalten. Der neue Veranstaltungstermin soll baldmöglichst kommuniziert werden.

ZUdem ist in Karlsruhe ein erster Corona-Fall aufgetreten. Ein Mann aus Nürnberg wurde am Freitag positiv getestet, 19 Menschen wurden isoliert. Ein großer Kongress in der Messe wurde am Freitag abgebrochen. Einrichtungen und Menschen bereiten sich auf weitere Fälle vor. Am Freitagmorgen hat sich der Geschäftsreisende aus Nürnberg im Städtischen Klinikum gemeldet. Er klagte über Atembeschwerden. Wie in anderen Fällen in den vergangenen Tagen testeten die Ärzte auf eine Infektion mit dem Coronavirus. Zum ersten Mal war das Ergebnis positiv, das Gesundheitsamt war informiert.

Die IT-TRANS- Internationale Konferenz und Fachmesse für intelligente Lösungen im öffentlichen Verkehr ist die nach eigenen Angaben größte Veranstaltung weltweit, die sich der Digitalisierung des öffentlichen Verkehrs widmet und sollte in der Messe Karlsruhe vom 3. bis 5. März 2020 stattfinden. Zeitgleich zur IT- TRANS hätte die Taxi- und Ride-hailing Konferenz stattgefunden, die nun auch verschoben ist. Der neue Termin wird zeitnah mitgeteilt.

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KOMMENTARE


Michael

11.03.2020 - 13:23 Uhr

Schade! Habe mich schon sehr darauf gefreut :(


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