Reisesicherungsfonds: Keine Hilfe für mittelständische Busunternehmen

Ein neuer Reisesicherungsfonds soll zukünftig Pauschalreisen absichern, für den Fall, dass der Reiseveranstalter insolvent wird. Doch für kleine Veranstalter wird diese Lösung teuer.
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Nach dem DRV übt nun auch der WBO Kritik am Reisesicherungsfonds, der vom Bundeskabinett beschlossen wurde und zukünftig als Insolvenzabsicherung dienen soll. Die Fondslösung nutze nur den großen Playern, kritisierte WBO-Geschäftsführer Witgar Weber, mit Anspielung auf die Thomas-Cook-Pleite, nach der dieser Schutzschirm beschlossen wurde. Für den Mittelstand passe sie nicht.


Datum:
11.02.2021

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Als hätten Reisebusunternehmen nicht genug Zukunftssorgen, tritt nun ein weiteres Problem hinzu: die Insolvenzabsicherung bei Pauschalreisen. Ohne einen Sicherungsschein dürfen Reiseveranstalter keine Pauschalreisen anbieten. 

Für diese Art Pflichtversicherung gibt es nur wenige Anbieter. Ende 2020 hatte sich eines dieser Versicherungsunternehmen aus dem Markt verabschiedet. Die Prämien der anderen Anbieter wie die von den Unternehmen zusätzlich zu stellende individuellen Sicherheitsleistungen sind seither sprunghaft angestiegen. "Bundesweit ist eine Vielzahl von Busunternehmen betroffen", sagt Dr. Witgar Weber, Geschäftsführer des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO). Es handele sich um ein Problem der gesamten Tourismusbrache, für das es dringend eine ausgewogene Lösung brauche, fordert Weber.

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat nun den Gesetzentwurf für eine staatliche Absicherung im Nachgang zur Thomas Cook-Pleite vorgelegt, der so vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Danach soll die Insolvenzabsicherung künftig über einen Reisesicherungsfonds erfolgen, in den alle Reiseveranstalter einzahlen und über den sie künftig verpflichtend ihre gesetzlich vorgeschriebenen Sicherungsscheine beziehen. Der WBO sieht darin aber keine taugliche Lösung für mittelständische Touristikbetriebe. Nach dem Entwurf würden allein die Prämien um das Fünffache steigen, die Sicherheitsleistungen bis auf das Dreifache. "Diese Zahlen zeigen, dass die Fondslösung für den Mittelstand nicht passt“, betont Dr. Witgar Weber. "Sie nutzt nur den großen Playern."

Ausnahmen soll es bislang nur für kleine Anbieter geben, deren Umsatz mit Pauschalreisen im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre weniger als drei Millionen Euro beträgt.

Der WBO und sein Bundesverband bdo fordern, die Umsatzgrenze von drei auf 20 Millionen Euro anzuheben. Sonst würden mittelständische Unternehmen für die Risiken großer Reisekonzerne zur Kasse gebeten. Der WBO fordert für sie eine Lösung wie im Nachbarland Österreich: „Dort gibt es seit Jahrzehnten die Tourismusbank, die solche Risiken bezahlbar absichert."

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