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Ultraschnelles Laden von Elektrobussen: Bensheim startet Pilotprojekt

22.06.2023 15:57 Uhr | Lesezeit: 6 min
VDL Citea Bensheim
Ein VDL Citea ist der Protagonist im Pilotprojekt zum ultraschnellen Laden in Bensheim. (Symbolbild)
© Foto: Adobe/ Björn Wylezich

Bensheim startet unter dem Titel „Buffered-HLL“ ein Pilotprojekt für das ultraschnelles Laden von Elektrobussen. Der Bau hat gerade begonnen und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit 2,3 Millionen Euro gefördert.

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In etwa einem Monat sollen erstmals in Deutschland elektrische Busse des regionalen ÖPNV an der Hochleistungsladestation (High Power Charger) zwischengeladen werden.

Eine Schlüsseltechnologie für das ultraschnelle Laden kommt von Adaptive Balancing Power, einem der technologisch führenden Unternehmen für puffergespeicherte Speicher- und Ladelösungen mit Sitz in Pfungstadt. Durch die neue Ladetechnologie aus dem Hause Adaptive Balancing Power können Elektrobusse schneller, flexibler und bedarfsgerechter zwischendurch geladen werden. Das System für Busse besteht aus einem Pufferspeicher und einem Pantografen.

„Wenn das Projekt die erwarteten Ergebnisse zeigt, kann Bensheim zu einer Blaupause für viele Regionen in Deutschland werden", sagt  Hendrik Schaede-Bodenschatz, Geschäftsführer der Adaptive Balancing Power und betont, dass das ein wesentlicher Baustein sei, um die Mobilitätswende schneller voranzutreiben. Außerdem stärke das Projekt Deutschland als Standort für Innovation und wirtschaftliche Entwicklung.

Schnelllade-Lösung für die Mobilitätswende in der Fläche und in der Stadt

Die Elektrifizierung des ÖPNV gilt als wichtige Säule der sigenannten "Mobilitätswende". In der Fläche wird der ÖPNV oft über mittelständische, gewerbliche Busunternehmen realisiert. Sie profitieren laut Schaede-Bodenschatz besonders von der neuen Ladelösung. Denn dank des neuen Systems von Adaptive Balancing Power könnten Busse deutlich flexibler eingesetzt werden. Stand- und Ladezeiten von nur wenigen Minuten reichten aus, um einen Bus für die nächste Strecke ausreichend nachzuladen. Damit könne auf große Bus-Batterien verzichtet werden, was die Anschaffung und den Betrieb der Busse rentabler mache. Außerdem erlaube das Hochleistungs-Zwischenladen einen optimierten und umweltfreundlichen Prozess ohne Batterie während der Streckenfahrten von Linienbussen.

Anders als andere Schnelllade-Systeme, die auf eine Ladeinfrastruktur mit hohen Stromdurchflüssen (Mittelspannungsnetz) angewiesen sind, kommt die patentierte ADAPTIVE-Technologie bereits mit Niederspannung aus und verzichtet zudem auf Batteriechemie, was den Einsatz der ADAPTIVE-Schnellladetechnologie für nahezu alle Standorte geeignet erscheinen lässt.

“Mit unserer Technologie muss niemand auf den Ausbau der Netzinfrastruktur warten, sondern kann sofort mit dem ultraschnellen Laden loslegen", verspricht Ralf Kittlaus, Head of Finance & Business Development bei Adaptive Balancing Power. "Das ist ein enormer Vorteil in der Umstellung auf Klimaschutz und umweltfreundliche Mobilität für Busunternehmen, die E-Mobilität einfach und schnell in den Alltag integrieren wollen.“

150 Sekunden laden für eine komplette Tour 

Das im Bensheimer Pilotprojekt eingesetzte Fahrzeug ist ein VDL Citea LLE 99 electric. Aktuell wird der Bus vorrangig auf den Stadtbuslinien in Bensheim eingesetzt. Dabei kommt das Fahrzeug etwa alle 30 Minuten am Bensheimer Bahnhof vorbei - dort wird die Schnelladestation installiert. Ein Ladehalt beim Ein- und Aussteigen von rund 150 Sekunden soll für eine komplette Tour ausreichen. Die Testphase im regulären Fahrbetrieb ist auf 18 Monate angesetzt. Nach erfolgreichem Test soll das Infrastrukturmodell auch in andere Regionen übertragen werden.

Gemeinsam mit Adaptive Balancing Power setzen vier weitere Konsortialpartner das Projekt um. Konsortialführer ist das Unternehmen Isabellenhütte Heusler aus Dillenburg (Hessen), ein führender Hersteller von Messtechnikprodukten. Mit einer neuen Generation von Gleichstromzählern ermöglicht der Messspezialist eine eichrechtskonforme Erfassung der Energiemengen sowie eine cloudbasierte Bereitstellung aller gesammelten Daten, was eine intelligente und sichere Abrechnung gewährleistet. Der Busbetrieb wird durch die Verkehrsgesellschaft Gersprenztal mbH (VGG) mit Sitz in Reichelsheim (Odw.) und Bensheim realisiert. Die VGG ist ein mittelständiges Unternehmen, das mit rund 180 Mitarbeiter:innen und 90 Bussen ein ausgedehntes Streckennetz in den Landkreisen Bergstraße, Odenwald und Darmstadt-Dieburg betreibt. Die CuroCon GmbH aus Zwingenberg realisiert die gesamte Leistungselektronik sowie die Kommunikation zwischen Ladeinfrastruktur und Bus. Der Ingenieurdienstleister verfügt über ausgiebige Erfahrung im Bereich von Ladeinfrastruktur und bei der High-Tech-Automation industrieller Anlagen und Anwendungen im stationären, mobilen und energetischen Bereich. Das in Berlin ansässige unabhängige Reiner Lemoine Institut leistet die wissenschaftliche Begleitung des Projekts und hat bereits in Berlin Studien zur Elektrifizierung von Bussen durchgeführt. Das Team hat sich der anwendungsorientierten Forschung für die Energie- und Verkehrswende in Deutschland verschrieben. Es untersucht, welche Auswirkungen die Schnellladungen auf das Stromnetz haben und wie eine wirtschaftliche Nutzung der Busse und Schnellladesäulen aussehen könnte. Die Übertragbarkeit des Konzepts auf andere Nutzungsszenarien ist ebenfalls Gegenstand der Untersuchungen.

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