Krieg im Nahen Osten : Sommerurlaub ja - aber anders als geplant

13.04.2026 12:15 Uhr | Lesezeit: 2 min
Reiseplanung zweier Menschen mit Landkarte
Sichere Ziele in Europa  profitieren dieses Jahr von der veränderten Reiseplanung angesichts des Krieges im Nahen Osten
© Foto: raybon009/Getty Images Plus/iStock

Reisende reagieren auf höhere Preise und die unsichere Lage im Nahen Osten. Ein Land könnte davon besonders profitieren.

Für die Reisebranche entwickelt sich der Krieg im Nahen Osten zunehmend zum Belastungsfaktor im Sommergeschäft. "Unsicherheiten durch die geopolitischen Entwicklungen führen zu einer spürbaren Buchungszurückhaltung, ohne die Nachfrage grundsätzlich zu schwächen", sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Albin Loidl, der Deutschen Presse-Agentur. "Gleichzeitig sorgen steigende Kosten und operative Herausforderungen für zusätzlichen Druck in der Branche."

Viele Reisende wichen auf alternative Ziele aus. Insgesamt spreche vieles für ein temporäres Innehalten - "mit einer Stabilisierung und dem Anziehen der Nachfrage, sobald sich die Lage beruhigt", sagte Loidl.

 

Verschiebungen bei Reisezielen

Besonders gefragt seien vor allem westeuropäische Ziel, teilte Tui auf Anfrage mit. 

Dagegen entwickelten sich Destinationen am Golf sowie Teile Asiens derzeit schwächer - unter anderem wegen eingeschränkter Umsteigeverbindungen. Auch bei Reisen in die Türkei beobachtet der Konzern aus Hannover eine "starke Zurückhaltung"

Hohe Nachfrage, aber regionale Unterschiede

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Branchenzweiten Dertour. "Wir sehen, dass das Interesse an Reisen grundsätzlich weiter hoch ist. Allerdings gibt es erhöhten Beratungsbedarf", sagte Produktchef Sven Schikarsky. Die Gästezahlen lägen für die Sommerferien leicht über dem Vorjahresniveau. Beliebt seien vor allem klassische Ziele im westlichen Mittelmeer wie Spanien oder Italien, auch Griechenland bleibe stark nachgefragt. 

Hoteliers in Griechenland sehen die Lage derzeit vergleichsweise stabil. Die größere Entfernung zur Krisenregion sorge dafür, dass die Nachfrage aus Europa stabil bleibe. Zugleich betonen sie, dass der weitere Verlauf der Saison stark von der geopolitischen Lage abhängen werde. Auf Zypern zeigen sich die Folgen deutlicher. Die Insel liegt nahe an der Krisenregion, die Flughäfen verzeichneten im März ein Minus von 15,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Regierung hat ihre internationale Tourismuswerbung verstärkt.

Flugpreise könnten weiter steigen

Die geopolitische Lage wirkt sich auch auf die Kosten im Luftverkehr aus. Der Reiseverband geht davon aus, dass gestiegene Kerosinpreise auch mittelfristig zu steigenden Flugpreisen führen könnten.Lufthansa hat nach eigenen Angaben bereits Preiserhöhungen umgesetzt, die Nachfrage nach Reisen bleibe dennoch unverändert hoch.

Das Unternehmen sieht sich durch abgesicherte Kerosinpreise besser vor Preisschwankungen geschützt. Doch die Unsicherheit bleibt: "Weil das geopolitische Umfeld weiterhin sehr volatil und von kurzfristigen Veränderungen sowie Marktschwankungen geprägt ist, können sich die Ticketpreise weiter erhöhen", erklärte eine Lufthansa-Sprecherin.

Mehr Urlaub im eigenen Land

Deutschland rückt vor diesem Hintergrund für viele Reisende stärker in den Fokus. Nach Angaben des Deutschen Tourismusverbands wollen 41 Prozent der Deutschen, die in den kommenden drei Monaten verreisen möchten, ihren Urlaub im eigenen Land verbringen, 15 Prozent planen sogar zwei bis drei Inlandsreisen. "Damit hat Deutschland als Reiseziel wie schon bisher eine sehr hohe Relevanz", sagte Geschäftsführer Norbert Kunz.

Der Deutschland-Tourismus werde zeitweise von der geopolitischen Sicherheitslage profitieren, sagte Kunz unter Verweis auf erste Zahlen der Reiseveranstalter. Allerdings dämpften hohe Energie- und Spritpreise sowie die insgesamt gestiegenen Lebenshaltungskosten die Aussichten. "Das heißt, Urlaubszeiten könnten verkürzt oder Tages- und Wochenendausflüge reduziert werden."

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