RDA Jahreshauptversammlung 2012 in Graz: „Schritte zum Ziel Europas“

03.05.2012 16:15 Uhr
RDA

Über 200 Mitglieder sind dem Ruf des RDA zu seiner Mitgliederversammlung von 26. bis 28. April 2012 gefolgt.

Nachdem am ersten Tag die Formalien auf der Tagesordnung standen, wurden am zweiten Tag der RDA-Mitgliederversammlung die Themen Personalmanagement, Professionalität und Perspektiven in Europa behandelt. Begrüßt wurden die Teilnehmer vom Vizepräsidenten des Europäischen Parlamentes, Othmar Karas. Karas sagte zu, sich der Anliegen der Bustouristik weiter anzunehmen. „So haben wir in der letzten Woche im Parlament die Mineralölsteuererhöhung auf Diesel abgelehnt.“  Er forderte die Branche auf, mit der Politik zu reden und die Anliegen konkret zu artikulieren: „Sie müssen aktiv lobbyieren und nicht darauf vertrauen, dass Gesetze in ihrem Sinne entschieden werden.“

In seiner Grundsatzrede ging RDA-Präsident Richard Eberhardt unter anderem auf das Motto der diesjährigen Tagung und der sich daraus ergebenden Verpflichtung ein: „Mit dem Motto ,Schritte zum Ziel Europa‘ haben wir uns für dieses Jahr bewusst ein Leitthema gewählt, dass aus unserer täglichen Arbeit, um nicht zu sagen aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Als Bustouristiker und Gruppenreiseveranstalter sind wir in Europa zu Hause. Europa ist unsere Chance und Europa ist gleichzeitig ein großes Risiko. Gerne arbeiten wir mit, um diesen Konflikt aufzulösen oder besser gesagt, konstruktiv und produktiv zu nutzen.“ Brüssel, führte Eberhardt aus, sei gegenwärtig mehr ein Synonym für zusätzliche Lasten, ausufernde Bürokratie und ungebremste Regulierungswut – Brüssel müsse sich aber zu einem Impulsgeber für Fortschritt, Wohlstand und Innovation entwickeln.

Im Verlauf der Tagung wurden zudem dringende und grundsätzliche Fragestellungen zwischen Branchenexperten und externen Referenten erörtert. Im Fokus stand unter anderem das Thema Personal. Hierzu referierten der Branchenexperte Martin Wendlandt, seit 40 Jahren Unternehmensberater für Busunternehmen, sowie Prof. Dr. Volker Stein vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt Personalmanagement, an der Universität Siegen. Prof. Stein machte deutlich, dass der Tourismus seinen Wandel noch vor sich hat. Es gehe darum, qualifiziertes Personal zu rekrutieren und zu halten. Dabei gehe es auch um Wettbewerbsvorteile. „Sie haben keinen Mittelstandbonus bei den potenziellen Mitarbeitern, sie müssen diese für sich gewinnen. Personalwesen darf nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden, sondern als Kapital.“ Einig waren sich Stein und Wendlandt, dass vor allem junge Menschen gezielt über soziale Netzwerke angesprochen werden sollten.

Mit der Notwendigkeit des Bürokratieabbaus befasste sich Prof. Dr. Tim Sterzenbach, Leiter des Masterstudienganges Tourismus- und Verkehrswesen an der Fachhochschule Worms. Sterzenbach stammt aus einer Busunternehmerfamilie und stellte zu Beginn einige provokative Fragen: „Jeder spricht von Bürokratieabbau, niemand von Bürokratieaufbau. Doch warum? Ist der Bürokrat an sich bösartig? Leben Bürokraten in einem Paralleluniversum? Die Trennung Bürokratie und Marktwirtschaft respektive unternehmerische Leistungen findet so nicht statt, warum eigentlich? Und wie sieht es in der Bustouristik aus?“ Prof. Sterzenbach machte deutlich, dass sich bei dem Thema Umweltzonen in der Verwaltung die Mitarbeiter durchgesetzt hätten, die eine negative Einstellung zum Bus hätten und deshalb auch für umweltfreundliche Busregelungen nicht zugänglich seien. „Dies sorgt für Frustration bei der Branche und vernichtet zudem noch Kapital. Gestaltungsfehler im Verwaltungssystem haben effizienz- und effektivitätsreduzierende Auswirkungen auf den Reisebusmarkt“, so sein Fazit. „Durch politisches Einflussmanagement, also durch Einflussbündelung und Einflussnahme an den entscheidenden Stellen, wie es der RDA schon heute praktiziert, lassen sich Probleme lösen.“

Die politische Dimension des Bürokratieabbaus beleuchtete der ehemalige Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus. „Tausende Parlamentarier in ganz Europa sind damit beschäftigt, das Leben der Bürger zu verbessern. Vor allem nach Krisen werden Bürokraten aktiv“, so Althaus. „Bürokratie ist das Bohren dicker Bretter mit Augenmaß und Leidenschaft.“ Es mache Sinn, regionale Gesetze mit einem Verfallsdatum zu versehen und dann entsprechend zu überprüfen. So müsse der Nachweis der fachlichen Begründung für die Zukunft immer wieder gegeben werden. Es dürfe auch nicht sein, dass Europa in der Bevölkerung nicht mit seinen Kernaufgaben wahrgenommen werde, sondern nur mit seiner überbordenden Bürokratie.

In die Mautdiskussion am Beispiel des Gastgeberlandes beschrieb Beate Applinger-Ziegler die Parameter des Mautbetreibers ASFINAG, während Paul Blachnik die Position der Busunternehmer erläuterte. Im Anschluss daran zeigten Christian Leetz, Objektleiter Reise der Westdeutschen Allgemeinen Zeitungsgruppe WAZ, und Sepp Zotter, Inhaber der Schokoladen-Manufaktur Zotter im steirischen Riegersburg, die angenehmen Seiten des Reisens mit Kulinarik und Genuss. (RDA/ah)

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