Der Haupturlaub sei bei den Deutschen „trotz wirtschaftlicher und geopolitischer Herausforderungen gesetzt“, so der Deutsche Reiseverband (DRV) in einer ersten vorläufigen Bilanz der diesjährigen Hauptreisezeit. Der Verband bezieht sich auf Auswertungen des Reisesommers 2026 sowie den Ausblick auf die Sommermonate im nächsten Jahr. „Gefragt waren mit den Top-3-Reisezielen Türkei, Spanien und Griechenland vor allem die Klassiker am Mittelmeer sowie Kreuzfahrten“, sagte DRV-Präsident Albin Loidl.
Umsatzplus von vier Prozent
Der organisierte Reisemarkt mit Pauschal -und Bausteinreisen der Reiseveranstalter zeige sich „trotz eines herausfordernden Marktumfelds in diesem Jahr robust“, so der DRV. Nach aktuellem Buchungsstand (Ende August) verzeichnet die Reisewirtschaft für den diesjährigen Sommer insgesamt ein Umsatzplus von vier Prozent und ein Plus von zwei Prozent bei den Reisenden. Basis hierfür sind Auswertungen von Travel Data + Analytics (TDA) für den DRV auf Grundlage der Buchungsdaten von Reisebüros und Online-Reiseportalen, die Reiseveranstalter-Produkte vertreiben. Zuvor hatte es Ende vergangenen Jahres und am Jahresanfang ein sehr starkes Frühbuchergeschäft gegeben, das mit Beginn des Nahost-Konflikts im März abebbte.
Reiselust der Deutschen weiterhin hoch
„Die Menschen wollen reisen, der Urlaub steht in der Konsumpriorität auch weiterhin ganz weit oben“, sagte Loidl. Gleichzeitig sehe man, dass die Kunden „genauer abwägen und teilweise später buchen“. Die Reiselust der Deutschen sei weiterhin hoch. „Gerade das starke Last-Minute-Geschäft hat gezeigt, dass die Menschen auch in einem von wirtschaftlicher Unsicherheit geprägten Umfeld nicht auf ihren Haupturlaub verzichten wollen“, so Loidl.
Vor allem sei erfreulich, dass die Zahl der Gäste, die Pauschal- und Bausteinreisen von Reiseveranstaltern gebucht haben, erneut gestiegen sei – in diesem Sommer um zwei Prozent. KI und Digitalisierung würden das Buchungsverhalten der Kunden gleichzeitig weiter verändern, so der DRV.
Hochsee- und Flusskreuzfahrten als Wachstumstreiber
Besonders positiv entwickelten sich laut DRV im Sommer 2026 die Mittelstreckenziele: Reisen in den östlichen Mittelmeerraum erzielten insgesamt zusammengerechnet ein Umsatzplus von acht Prozent. Die Ziele am östlichen Mittelmeer stehen laut DRV insgesamt für die Hälfte des gesamten Umsatzvolumens des Reisemarktes. Die westlichen Mittelstreckenziele – wie etwa Spanien und Portugal – legten beim Umsatz in Summe um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahressommer zu.
Auch Kreuzfahrten lagen mit fünf Prozent über dem Vorjahresniveau. Hochsee- und Flusskreuzfahrten sind weiterhin einer der stärksten Wachstumstreiber der deutschen Reisewirtschaft. Deutlich schwächer entwickelte sich dagegen das Fernreisegeschäft mit einem Umsatzminus von 14 Prozent.
Verzicht auf Zweitreise und mögliche weitere Urlaube
Für das neue Touristikjahr ab dem 1. November 2026 zeigt sich laut DRV zum derzeitigen Buchungsstand ein gemischtes Bild. Im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld und zunehmendem finanziellen Druck scheinen Konsumenten auf die Zweitreise und mögliche weitere Urlaube zu verzichten – auf die Hauptreise im Sommer dagegen nicht. Für den Winter 2026/27 (1. November bis 30. April) liegt der Umsatz aktuell noch zwei Prozent unter dem Vorjahresstand.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Fernreisen, die im Winter einen höheren Marktanteil haben. Das Segment liegt aktuell merklich unter dem Vorjahresumsatz. Deutlich positiver fällt der frühe Blick auf den Sommer 2027 aus: Durch Frühbuchungen – vor allem bei den Kreuzfahrten – liegt der Umsatz aktuell acht Prozent über dem vergleichbaren Vorjahresstand.