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9-Euro-Ticket: Verkaufsstart verschoben - Kommentar

Gegen das 9-Euro-Ticket formiert sich immer stärkerer Widerstand. Bund und Bahn halten dennoch daran fest - bislang.
© Foto: MAN

Der Vorverkauf für das 9-Euro-Ticket wurde auf den 23. Mai verschoben. Stirbt das Projekt, ehe es das Licht der Welt erblickt hat? Der Widerstand scheint immer größer zu werden und Kreise bis "ganz nach oben" zu ziehen.


Datum:
16.05.2022
Autor:
Judith Böhnke
Lesezeit: 
3 min
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Unter Busunternehmern ist es umstritten, Bund und Bahn halten bislang jedoch am 9-Euro-Ticket fest und machen tapfer Werbung dafür. Aber: nachdem der Vorkauf vergange Woche für den 20. Mai gemeldet wurde, soll er nun am 23. Mai starten. So eine Pressemitteilung der Deutschen Bahn vom gestrigen Sonntag. ÖPNV-Nutzer sollen ab Juni mit dem 9-Euro-Ticket durch die Lande cruisen - "wenn das Gesetz beschlossene Sache ist". Die CSU in Bayern hat immerhin schonmal vor, sich quer zu stellen - und gerade eben sprang n-tv mit der Meldung aus der Hecke, dass die Länder mit einer Blockade des 9-Euro-Tickets gedroht haben.

Bundestag und Bundesrat müssen dem Vorhaben noch zustimmen. Deutet der versetzte Vorverkaufstermin darauf hin, dass man sich die Sache nochmal überlegen will? Die Branche würde das wohl begrüßen, denn was den "Verbraucher" entlasten soll, belastet ihn durch die Hintertür und verlangt von den Unternehmen, wirtschaftlich den Spagat zwischen erzwungener Wohlfahrt und oktroyierter Abhängigkeit von "Fördermitteln" zu überleben. Stimmen, die darauf hinweisen, dass weder die Infrastruktur, noch das Fahrpersonal, noch die finanziellen Mittel vorhanden sind, um das 9-Euro-Ticket zu wuppen, wurden bereits mehr aus laut.

Bund und Bahn bleiben bislang jedoch standhaft und verkünden kühn, dass das 9-Euro-Ticket über die App "DB-Navigator" sowie sämtliche anderen digitale Bahn-Kanäle verfügbar sein werde. Ebenso sei es "an den rund 5.500 Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn und in den über 400 DB Reisezentren in Bahnhöfen erhältlich". Viele Verkehrsverbünde sollen zudem bereits angekündigt haben, ebenfalls am 23. Mai mit dem Verkauf starten zu wollen. Und man betont, dass die Aktion bis Ende August begrenzt und Teil des Entlastungspakets sei, mit dem "die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP auf die hohen Energiepreise reagiere". Zugleich hofft man, mit dem 9-Euro-Ticket als "Schnupperangebot" mehr Kunden für Busse und Bahnen zu gewinnen. Die Frage, ob die Menschen in Deutschland so ein "Schnupperangebot" brauchen, weil sie den ÖPNV noch nie erlebt haben, wurde scheinbar nicht gestellt. Bleibt abzuwarten, was Parlament und Bundesrat darüber denken. 

In den Worten von Jörg Sandvoß, Chef der für das 9-Euro-Ticket zuständigen Tochter DB Regio, schimmert da ein wenig der Wunsch als Vater des Gedanken hindurch, wenn er sagt, mit dem 9-Euro-Ticket gebe es "die einmalige Chance, mehr Menschen langfristig für den öffentlichen Nahverkehr und die klimafreundliche Schiene zu begeistern". Werden die den ÖPNV für 9 Euro so toll finden, dass sie ab September wieder das Vielfache dafür bezahlen? "Freiwillig"?

Noch ein Schmankerl aus der Pressemitteilung zum "Verkaufsstart am 23. Mai": "Nach Angaben der Bahn wird das 9-Euro-Ticket stets vom ersten bis zum letzten Tag des jeweiligen Monats gültig sein. Wer also erst Mitte des Monats zugreift, kann nur noch die verbleibende Monatshälfte damit umherfahren." Da Reisen in der Vergangenheit nicht möglich ist, bedeutet das wohl, dass das 9-Euro-Ticket nicht billiger wird, wenn man es erst später im Monat kauft. Wie praktisch, dass es für alle drei Aktionsmonate gleichzeitig erwerbar sein soll. Und nur nochmal zur Freude: "Der Bund finanziert das Vorhaben, indem er den Ländern 2,5 Milliarden Euro zum Ausgleich der Einnahmeausfälle überweist." 

Der Bund, so spendabel. Wie gut, dass Steuergelder nicht zweckgebunden auf seine Kontos bei den Finanzämtern eingezahlt werden.

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