Der Bus wird derzeit noch von speziell geschulten Testfahrern von MAN Truck & Bus sowie der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) begleitet. In den kommenden Wochen werden umfangreiche Streckendaten erfasst, um die Voraussetzungen für einen zunehmend autonomen Betrieb zu schaffen. Während des gesamten Projekts befindet sich jederzeit Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das die Fahrzeugführung bei Bedarf unmittelbar übernehmen kann. „Mit den ersten Testfahrten auf der Linie haben wir die kontrollierte Umgebung unseres Werksgeländes verlassen und bringen unser System in den echten Stadtverkehr“, sagt Barbaros Oktay, Head of Bus bei MAN Truck & Bus.
Tests möglichst praxisnah durchführen
„Die Linie 178 bietet ideale Bedingungen für den Testbetrieb. Sie vereint unterschiedliche Verkehrssituationen, wie Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebieten und Unterführungen. Damit ist das abwechslungsreiche Münchner Busnetz gut repräsentiert. Für den perspektivischen Linienbetrieb ist es von großer Bedeutung, die Tests möglichst praxisnah durchzuführen“, sagte Veit Bodenschatz, Bus-Chef bei SWM und MVG. Sinaida Cordes, Prokuristin der MVG ergänzte: „Die Erkenntnisse aus dem Minga-Projekt sind für die MVG als Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs von großer Bedeutung. Langfristig sehen wir in autonomen Fahrzeugen die Chance, den ÖPNV noch attraktiver, flexibler und effizienter zu gestalten.“
Bus ist mit umfangreicher Sensorik ausgestattet
Im Rahmen der aktuellen Testfahrten werden die für den autonomen Betrieb erforderlichen Streckeninformationen gesammelt. „Das ist nötig, da für autonomes Fahren eine hochauflösende und äußerst präzise Karte der Strecke benötigt wird“, erklärt Marc Raudszus, Technical Coordinator und Testfahrer bei MAN Truck & Bus. Der Bus ist mit fünf Lidar-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und einer satellitengestützten Positionsbestimmung ausgestattet. Anhand dieser Daten integriert Technologiepartner ADASTEC anschließend relevante Straßen- und Verkehrsinformationen wie Ampeln, Zebrastreifen, Fahrspurverläufe und andere relevante Merkmale in eine hochauflösende digitale Karte (HD-Karte).
MAN Lion's City E sammelt kontinuierlich Daten
Diese Karte bildet die Grundlage dafür, dass der Stadtbus die Strecke in wenigen Wochen eigenständig und sicher befahren kann. „Das Fahrzeug wird dabei unter anderem selbst lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibt dennoch jederzeit an Bord, um die Systeme zu überwachen“, erklärte Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN. Der MAN Lion's City E sammelt derzeit kontinuierlich Daten und wird dabei für den geplanten automatisierten Betrieb weiter optimiert. Voraussichtlich ab November starten MVG und MAN eine weitere Phase mit Testnutzern entlang der Linie 178. Dabei wird der Bus als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie eingesetzt und simuliert einen späteren Einsatz im regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen.
Erfahrungen für künftige Fahrzeuggenerationen sammeln
Bereits seit Jahren arbeitet MAN an fahrerlosen Bussen. Die jetzt gewonnen Erfahrungen aus dem Minga-Projekt sollen in die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeuggenerationen einfließen. Im Forschungsprojekt Minga setzt MAN mit ADASTEC als Technologiepartner dabei auf einen spezialisierten Anbieter für automatisierte Fahrsysteme. Das Unternehmen entwickelt Softwarelösungen für automatisiertes Fahren auf SAE-Level 4 (vollautomatisierte Fahrzeuge) für Busse und Nutzfahrzeuge. Das Forschungsvorhaben Minga „Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“ wird seit 2023 mit insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft umgesetzt. Das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München verantwortet als Konsortialführer das Gesamtprojekt. Gefördert wird das Projekt dabei bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro durch das Bundesverkehrsministerium (BMV).