Autonomes Fahren: bdo fordert nationale Strategie

12.06.2026 11:26 Uhr | Lesezeit: 3 min
Otokar eCentro
Der Otokar e-Centro, ein autonom fahrender Midibus im Level 4
© Foto: OMNIBUSREVUE/Sascha Böhnke

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) sieht beim automatisierten Fahren im öffentlichen Verkehr erheblichen Handlungsbedarf. Nach einem Besuch des Projekts „albus“ in Burgdorf hat der Verband fünf zentrale Handlungsfelder formuliert, die aus Sicht der privaten Busbranche für einen erfolgreichen Markthochlauf autonomer Mobilitätsangebote notwendig sind.

Die Arbeitsgruppe „Automatisiertes Fahren im Busmittelstand“ des bdo hat sich in Burgdorf über den ersten automatisiert fahrenden Linienbus im Testbetrieb in Deutschland informiert. Gemeinsam mit den Projektverantwortlichen diskutierten die Teilnehmer über Chancen, Herausforderungen und notwendige Rahmenbedingungen für den Einsatz autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr.

Vor dem Hintergrund des Besuchs bewertet der Verband die jüngste Initiative der Bundesregierung zur stärkeren europäischen Koordinierung beim autonomen Fahren grundsätzlich positiv. Zugleich fordert der bdo, zunächst die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markthochlauf in Deutschland zu schaffen.

„Dass sich Deutschland gemeinsam mit anderen europäischen Staaten für eine stärkere Koordinierung beim autonomen Fahren einsetzt, ist grundsätzlich der richtige Weg“, erklärte bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard. Allerdings fehle bislang eine übergreifende nationale Strategie, die bestehende Projekte bündele und den Übergang in den Regelbetrieb erleichtere.

Nach Ansicht des Verbandes bietet autonomes Fahren insbesondere für den öffentlichen Verkehr im ländlichen Raum erhebliche Potenziale. Gleichzeitig reichten einzelne Pilotprojekte nicht aus, um die Technologie flächendeckend einzuführen. Notwendig seien verlässliche politische Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und eine stärkere Einbindung bestehender ÖPNV-Strukturen.

Auf Basis der bisherigen Erfahrungen hat der bdo fünf zentrale Handlungsfelder benannt. Demnach sollten autonome Angebote den öffentlichen Verkehr ergänzen und nicht ersetzen. Zudem fordert der Verband eine bundesweit abgestimmte Strategie, um unterschiedliche lokale Insellösungen zu vermeiden. Darüber hinaus müssten regulatorische Rahmenbedingungen frühzeitig festgelegt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Einbindung bestehender mittelständischer Busunternehmen. Diese verfügten über langjährige Erfahrungen im Betrieb öffentlicher Verkehrsangebote und sollten nach Auffassung des bdo eine zentrale Rolle beim Einsatz autonomer Fahrzeuge übernehmen. Schließlich spricht sich der Verband für die Einrichtung eines zentralen Projektträgers aus, der Pilotprojekte bündelt, den Wissenstransfer organisiert und Förderprogramme koordiniert.

Warum das relevant ist

Autonomes Fahren wird derzeit vor allem in Pilotprojekten erprobt. Sollte die Technologie in den kommenden Jahren den Schritt in den Regelbetrieb schaffen, könnte sie insbesondere in Regionen mit Fahrermangel oder schwacher Verkehrserschließung neue Möglichkeiten eröffnen. Für Busunternehmen ist daher entscheidend, welche Rolle sie künftig in autonomen Mobilitätskonzepten einnehmen und unter welchen Rahmenbedingungen neue Angebote in bestehende ÖPNV-Strukturen integriert werden.

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