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Fahrermangel: VDV-Positionspapier zeigt Chancen auf

Nach Ansicht des VDV ist die Branche gefordert, alles zu tun, um neue und alte Zielgruppen gelichermaßen anzusprechen und deren Bedürfnissen mit passenderen Angeboten zu begegnen. Im politischen Raum müsse ein sachorientiertes Umdenken stattfinden.
© Foto: iStock/ImagineGolf

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat ein Positionspapier vorgelegt, in dem untersucht wird, wie Branche und Politik dem Fahrermangel entgegenwirken könnten.


Datum:
25.01.2023
Autor:
Judith Böhnke
Lesezeit:
5 min
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„Das Thema Personal wird – neben dem finanziellen Rahmen, den Bund und Länder setzen – darüber entscheiden, ob wir die Klimaschutzziele im Verkehrssektor bis 2030 erreichen können“, so VDV-Präsident Ingo Wortmann. Jedes zweite Unternehmen in Deutschland gebe an, 2022 aus personellen Gründen den Betrieb zumindest zeitweilig eingeschränkt zu haben. „Wir sind derzeit in einer dynamischen Phase mit enormen Bedarfszahlen, aber auch mit ermunternden Entwicklungen bei den Neueinstellungen und Bewerbungen. Klar ist, dass wir den Generationenwechsel in der Branche aktiv gestalten wollen und auch müssen.“ Der VDV empfiehlt kurz- und mittelfristige Maßnahmen gegen den Personalmangel. Ziel bleibe, einen qualitativ hochwertigen ÖPNV zu gewährleisten.

Soll das altersbedingte Ausscheiden von Bus- und Bahnfahrpersonal kompensiert werden, muss die Branche nach VV-Angaben jährlich bis zu 6.000 Fahrerinnen und Fahrer im Öffentlichen Personennahverkehr gewinnen. Es sei keine Option, die Personalqualität abzusenken, heißt es vom VDV. Die Folge wäre, dass die Kommunikation mit den Fahrgästen oder der Leitstelle oder die Fahrgast- und Verkehrssicherheit leiden. Das wiederum würde zu Lasten der Angebotsqualität für die Fahrgäste gehen.

Als kurzfristige Gegenmaßnahmen empfiehlt der VDV:

  • gebündelte Branchenangebote der VDV-Arbeitgeberinitiative nutzen
  • Fahrer im Ruhestand gezielt ansprechen und ihnen attraktive Beschäftigungsangebote machen
  • Studenten rekrutieren für die Abdeckung von täglichen Beförderungsspitzen und Wochenenden
  • die gesetzlich geregelten Pflichtstunden bei der Führerscheinausbildung Klasse D anpassen, so dass die Prüfung früher abgelegt werden kann
  • das Mindestalter für Busfahrer von 24 auf 21 Jahre absenken
  • Teilzeitangebote schaffen

Hinsichtlich des letzten Punktes hätten die Erfahrungen gezeigt, dass Engpassberufe mit Teilzeitoptionen an Attraktivität gewinnen.

Als mittelfristige Maßnahmen empfiehlt der VDV insbesondere:

  • verstärkte Investitionen in die Berufsausbildung der Fahrberufe Fachkraft im Fahrbetrieb, Berufskraftfahrer und Eisenbahner im Betriebsdienst
  • die Digitalisierung und Automatisierung in der Branche vorantreiben
  • die Rahmenbedingungen von Arbeit und Beschäftigung anpassen
    die berufliche Weiterbildung auf neue Anforderungen ausrichten
    im Bussektor ausländische Führerscheine zügiger anerkennen

Der VDV begrüßt die beabsichtigte stärkere Orientierung der Einwanderung an die Bedarfe der Unternehmen. Alle Regelungen müssten dennoch sicherstellen, dass die geforderten fachlichen Kompetenzen und die Fahrgastsicherheit sowie die notwendige Sprachkompetenz gewährleistet sind. Eine vereinfachte Anerkennung von Qualifikationen, die Öffnung der BlueCard für beruflich Qualifizierte, die „Chancenkarte“ und eine Beschleunigung der Anerkennungsverfahren würden die Gewinnung von Erwerbsmigranten auch für den ÖPNV erleichtern. Unternehmen stellen mehr ein

Aus einer VV-Umfrage unter insgesamt 104 Unternehmen geht hervor, dass 82 Prozent der Verkehrsunternehmen bei Bus und Bahn im Jahr 2022 mehr eingestellt haben als noch 2021. 40 Prozent der Unternehmen registrierten ein gesteigertes Interesse an Fahrberufen, jeder zweite Betrieb eine gleichbleibende oder höhere Zahl an Bewerbungen. 35 Prozent der Unternehmen haben im Jahr 2021 bis zu fünf Prozent mehr Personal als im Vorjahr eingestellt, 28 Prozent bis zu zehn Prozent. 19 Prozent der Befragten stellten bis zu 15 Prozent oder mehr Personal ein. Nicht nur Berufskraftfahrer haben gute Jobaussichten in ÖPNV-Unternehmen. „Für die Bewerber ergibt sich ein attraktives Bild mit Blick auf die Auswahl von Einstiegsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen“, sagt Wortmann. „Vom Fahrpersonal, über Kaufleute bis hin zu den technischen und organisatorischen Spezialisten aller Couleur. Freilich suchen wir für den klassischen Fahrdienst am stärksten, immerhin sind dort derzeit fast 100.000 Leute beschäftigt.“ 45 Prozent der Unternehmen gaben an, dass die Besetzung von Fahrdienst-Positionen aktuell die größte Herausforderung ist, gefolgt von gewerblich-technischen (17 Prozent) und Ingenieurs-Positionen (zwölf Prozent). Danach folgen Positionen im kaufmännischen Bereich (neun Prozent) sowie Ausbildungsstellen und IT-Positionen (je sieben Prozent). In der Perspektive bis 2030 schätzen die Unternehmen gegenwärtig den Personalbedarf unter anderem beim Fahrpersonal (76 Prozent) sowie bei Auszubildenden und Dual-Studenten (48 Prozent) als höher ein.

„Wir sind nicht allein auf dem Markt und stehen in starker Konkurrenz beispielsweise mit der Logistik- und Plattformbranche“, mahnt Wortmann. „Gleichzeitig müssen wir mit der Bildungspolitik ins Gespräch kommen, wenn die Umfrage zu dem Ergebnis kommt, dass 76 Prozent sagen, dass sich die Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber verschlechtert oder sogar stark verschlechtert hat.“

Unter VDV-Positionspapier zum Fahrermangel kann das vollständige Dokument heruntergeladen werden.

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