Alternative Antriebe: Zahl der Elektrobusse wächst weiter

19.03.2026 12:40 Uhr | Lesezeit: 3 min
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Technologisch dominiert der Batterieantrieb
© Foto: NIAG

Im vergangenen Jahr war jeder zweite in Deutschland neu zugelassene Stadtbus ein Elektrofahrzeug, ein entscheidender Faktor dabei ist die Förderung, wie das E-Bus-radar zeigt.

Die deutschen Verkehrsunternehmen setzen zunehmend auf Elektrobusse und haben im Jahr 2025 insgesamt 1397 E-Busse neu in Betrieb genommen, das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr, wie aus dem E-Bus-Radar des Beratungsunternehmens PwC hervorgeht. Bei durchschnittlich rund 2900 Stadtbus-Neuanschaffungen pro Jahr fahre damit „über alle Antriebsarten hinweg fast jeder zweite neu angeschaffte Stadtbus elektrisch“, so PwC. Ende 2025 waren insgesamt 4752 Busse mit elektrischen Antrieben im Einsatz. Dies entsprach einem Anteil von rund 14 Prozent der gesamten Stadtbusflotte in Deutschland (rund 35.000 Fahrzeuge).

Der batterieelektrische Antrieb dominiert

Technologisch dominiert der Batterieantrieb: 4034 der im vergangenen Jahr insgesamt eingesetzten 4752 emissionsfreien Busse, also rund 85 Prozent, fuhren batterieelektrisch. Hinzu kamen 628 Brennstoffzellenbusse (ca. 13 Prozent) und 90 Oberleitungsbusse (knapp zwei Prozent). Den prozentual stärksten Zuwachs unter den emissionsfreien Antrieben verzeichneten allerdings laut PwC die Brennstoffzellenantriebe. Der Bestand an Brennstoffzellenbussen stieg von 330 Fahrzeugen Ende 2024 auf 628 Fahrzeuge Ende 2025 (+90 Prozent). Bei den batterieelektrischen Fahrzeugen ist der Bestand 2025 gegenüber 2024 um 37 Prozent gestiegen – allerdings auf einem deutlich höherem Gesamtniveau.

Umstellung der Busflotten bleibt ein Kraftakt

Die steigende Elektrifizierung der Busflotten liege auch „an der 2024 wieder aufgenommenen Bundesförderung“, betonte Maximilian Rohs, Public Transport Leader und Director Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland. Die Umstellung der Busflotten bleibe aber ein „echter Kraftakt“, der weiterhin „passgenaue Förderstrukturen von Bund und Ländern, wirtschaftlich tragfähige Energiekonzepte und langfristige Planungssicherheit“ erfordere, so Rohs.

Kosten für E-Busse bleiben hoch

Laut dem E-Bus-Radar von PwC kostete ein zwölf Meter langer Solo-Batteriebus 2025 in der Anschaffung durchschnittlich rund 580.000 Euro – fast doppelt so viel wie ein vergleichbarer Dieselbus (rund 310.000 Euro). Zwar sind die Preise für konventionelle Busse zuletzt deutlich gestiegen, doch der E-Bus-Preisaufschlag bleibe „substanziell“, so PwC, da beim E-Bus-Betrieb erhebliche Investitionen in Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und die Ertüchtigung von Betriebshöfen hinzukommen, wie Rohs ausführte. Förderprogramme bleiben für die E-Busbeschaffung daher wichtig.

Strukturelle Herausforderungen der Umstellung

Mit zunehmender Elektrifizierung der Busflotte in Deutschland rücken laut PWC drei strukturelle Themen in den Vordergrund:

  • Erstens wird der Energiebezug zu einer zentralen Stellschraube für die Wirtschaftlichkeit. Anschlussleistung, Leistungspreise und Netzintegration gewinnen an Bedeutung; stationäre Stromspeicher können Lastspitzen reduzieren und den Strombezug optimieren.
  • Zweitens stehen zunehmend auch kleinere und mittelständische Verkehrsunternehmen in ländlichen Regionen vor der Aufgabe, auf emissionsfreie Antriebe umzustellen – mehrere Hersteller haben zuletzt Modelle für längere Umläufe und den Überlandbetrieb vorgestellt.
  • Drittens können stärkere Standardisierung der Fahrzeuge und strukturierte Beschaffungsmodelle dazu beitragen, Skaleneffekte zu heben und den wachsenden Preisdruck zu bewältigen.

„Die Beschaffungsplanungen zeigen, dass die Verkehrsunternehmen die Antriebswende strategisch verankert haben. Entscheidend wird nun sein, dass die finanziellen, energiewirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen zuverlässig aufeinander abgestimmt sind“, erklärte Felix Krewerth,Manager Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland.

Mindestquoten der CVD steigen

PwC weist im Zusammenhang mit den aktuellen Zahlen auch darauf hin, dass mit Beginn des Jahres 2026 die zweite Referenzperiode der Clean Vehicles Directive (CVD) gestartet ist, womit die Mindestquoten steigen. Künftig müssen 65 Prozent der neu beschafften Stadtbusse „sauber“ sein, davon mindestens 32,5 Prozent emissionsfrei. Dies entspricht in Deutschland – bezogen auf die durchschnittlichen jährlichen Neubeschaffungen von rund 2900 Stadtbussen über alle Antriebsarten hinweg – etwa 940 emissionsfreien Fahrzeugen pro Jahr.

PwC sieht faktisches Verbrennerverbot für Stadtbusse

Die Quote für emissionsfreie Busse wurde in der ersten CVD-Periode (2021 bis 2025) voraussichtlich erreicht. Neben der CVD erzeugt EU-Verordnung 2024/1610 zu den CO2-Flottengrenzwerten zusätzlichen Druck: Ab 2030 müssen 90 Prozent der neu zugelassenen Stadtbusse emissionsfrei sein, ab 2035 alle – das ist ein faktisches Verbrennerverbot für neue Stadtbusse. Bushersteller müssten daher ihr Fahrzeugangebot „grundlegend umstellen“, so PwC.

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